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Covid-19Was über die Nebenwirkungen der Corona-Impfstoffe bekannt ist

Eine Mitarbeiterin von Biontech steht im Labor des Unternehmens.  (Biontech / Stefan Albrecht)
Das Labor der Firma Biontech (Biontech / Stefan Albrecht)

In Deutschland, aber auch international, sind die Immunisierungen gegen das Coronavirus mit dem Impfstoff der Firmen Biontech und Pfizer angelaufen. Inzwischen sind in der EU auch die Impfstoffe von Moderna und Astrazeneca zugelassen. Es stellt sich unter anderem die Frage nach möglichen Nebenwirkungen. Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA sieht derzeit keine Schwierigkeiten.

Das Präparat bei Biontech/Pfizer - ein mRNA-Impfstoff - basiert auf einer neuartigen Methode. Nach dem gleichen Prinzip ist der Impfstoff von Moderna aufgebaut. Laut einem Bericht der Europäischen Arzneimittelbehörde AMA konnten keine Sicherheitsprobleme festgestellt werden. Die gemeldeten allergischen Reaktionen und Nebenwirkungen zeigten keine statistischen Auffälligkeiten und entsprächen dem zuvor bekannten Sicherheitsprofil, teilte die EMA mit.

Die Behörde hatte den Angaben zufolge auch Todesfälle überprüft, die nach der Impfung aufgetreten waren. Dabei habe man keine Verbindung zum Impfstoff feststellen können. Die Todesursache sei in fast allen Fällen Gebrechlichkeit, das hohe Alter der Betroffenen oder fortgeschrittene Vorerkrankungen gewesen. Einige der Verstorbenen hätten sich zum Zeitpunkt der Impfung bereits in Palliativbehandlung befunden.

Paul Ehrlich-Institut: Schwere Impfnebenwirkungen sehr selten

Auch das bundeseigene Paul-Ehrlich-Institut (PEI) hält schwerwiegende Impf-Nebenwirkungen eher für eine Ausnahme. In der Corona-Pandemie ist das PEI in Deutschland die zentrale Informations-Sammelstelle für Impf-Nebenwirkungen und veröffentlicht in regelmäßigen Abständen einen Bericht dazu. Bis zum 24. Januar waren beim PEI nach Impfungen mit dem Vakzin von Biontech/Pfizer oder Moderna 1.232 Verdachtsfälle mit 3.404 Nebenwirkungen eingegangen, davon wurden 182 Fälle als schwerwiegend eingestuft. Das entspricht 0,7 Verdachtsfällen pro 1.000 Impfdosen beziehungsweise 0,1 Verdachtsfällen für schwerwiegende Nebenwirkungen pro 1.000 Impfdosen. Die Werte sind laut PEI konsistent zu den Daten aus den klinischen Zulassungsstudien.

Unter den Meldungen waren auch 69 ungeklärte Todesfälle. Experten des Paul-Ehrlich-Instituts halten einen Zusammenhang mit der Immunisierung für eher unwahrscheinlich. Wenn man ältere Menschen oder Menschen mit schweren Vorerkrankungen und einem erhöhten Sterberisiko impfe, dann werde es eine gewisse Anzahl von zufälligen Todesfällen geben, die kurz nach der Impfung auftreten, ohne aber kausal mit der Impfung assoziiert zu sein, heißt es in dem Bericht.

Gehäufte Berichte über Nebenwirkungen bei Astrazeneca-Impfstoff

Schon vor der Zulassung des Corona-Impfstoffes von Astrazeneca hatte es aus verschiedenen Gründen Vorbehalte gegeben. Nun berichten Geimpfte von teils deutlichen Nebenwirkungen. In einigen Regionen in Schweden sind Impfungen mit dem Wirkstoff des schwedisch-britischen Konzerns deshalb vorerst gestoppt worden. Zum Teil hatte jeder vierte Geimpfte Probleme gemeldet.

Nach Klagen von Klinik-Angestellten über Nebenwirkungen wurden in Niedersachsen Astrazeneca-Impfungen an zwei Orten gestoppt. In einer Braunschweiger Klinik traten fast die Hälfte der geimpften Beschäftigten wegen "Impfreaktionen" vorübergehend nicht zur Arbeit an. Die weiteren Impfungen würden nun ausgesetzt - auch, um den Betrieb nicht zu gefährden, sagte eine Sprecherin. Auch am Klinikum Emden meldeten sich Beschäftigte nach Impfungen krank. Daraufhin kündigte der Landkreis Leer zwischenzeitlich an, das Mittel nicht mehr zu spritzen. Inzwischen wurde dies wieder aufgehoben.

Auch in mehreren nordrhein-westfälischen Städten klagen Menschen über Impfreaktionen. Das Gesundheitsministerium in Düsseldorf rät den Betroffenen, schmerzlindernde oder fiebersenkende Medikamente einzunehmen. Zu den häufigsten Beschwerden gehörten Abgeschlagenheit (53,1%) und Kopfschmerzen (52,6%), aber auch Fieber sei möglich (7,9%), berichtet der WDR unter Berufung auf das Robert Koch-Institut.

Paul-Ehrlich-Institut prüft Hinweise auf Impf-Nebenwirkungen

Das Paul-Ehrlich-Institut untersucht, ob es zu unerwartet starken Nebenwirkungen bei den Impfstoffen von Pfizer/Biontech und Astrazeneca kommt. Das Referat Arzneimittelsicherheit prüfe, "ob die gemeldeten Reaktionen über das hinausgehen, was in den klinischen Prüfungen beobachtet wurde", zitiert die Funke Mediengruppe eine Sprecherin des PEI. Sollte dies tatsächlich der Fall sein, werde geprüft, ob dafür Gründe erkennbar seien.

Womit muss man unmittelbar nach der Impfung rechnen?

In den klinischen Phase-3-Studien traten bei zahlreichen Probanden Schmerzen an der Einstichstelle auf. Viele beklagten auch Müdigkeit und Kopfschmerzen, Schüttelfrost oder Muskelschmerzen. Elf Prozent der Älteren und 16 Prozent der Jüngeren entwickelten zudem Fieber.

Dies zählt laut dem Robert-Koch-Institut (RKI) und dem Paul-Ehrlich-Institut zu den üblichen Impf-Nebenwirkungen. Solche Reaktionen zeigen, dass der Körper die Information über den Krankheitserreger, gegen den die Impfung wirken soll, verarbeitet. Das Immunsystem reagiert genau richtig: Es produziert Antikörper, die bei einer möglichen Infektion mit Sars-CoV-2 schützen.

Was sollte man tun, wenn ungewöhnliche Nebenwirkungen auftreten?

Wer sich hat impfen lassen und den Verdacht hat, dass andere Nebenwirkungen in Zusammenhang mit der Impfung stehen könnten, sollte dies dem Hausarzt oder der Hausärztin melden. Hausärzte und Gesundheitsämter geben die Information über ungewöhnliche körperliche Reaktionen an das Paul Ehrlich-Institut weiter. Dort werden sie dann systematisch in einer Datenbank erfasst und bewertet. Hier werden auch die Vorerkrankungen des Geimpften daraufhin analysiert, ob es einen Zusammenhang mit den Reaktionen nach der Impfung geben könnte.

Was passiert dann mit den Informationen?

Das Paul-Ehrlich-Institut gibt sämtliche Informationen an die EMA weiter. Falls es bei bestimmten Gesundheitsbeschwerden tatsächlich einen statistisch signifikanten Zusammenhang zur Impfung gibt, würden diese Nebenwirkungen sehr schnell registriert, heißt es bei der EMA.

App "SafeVacc" entwickelt

Besondere Aufmerksamkeit liegt dabei auf sehr seltenen Impfnebenwirkungen, die bei maximal einem von 100.000 Geimpften auftreten. Ein Werkzeug für die Registrierung von unerwünschten Reaktionen soll eine App namens "SafeVacc" sein, die das Paul-Ehrlich-Institut entwickeln ließ, um Nebenwirkungen zu melden.

Das Paul-Ehrlich-Institut will mit Hilfe dieser App Daten sammeln. Wer die Studie unterstützen und die App nutzen will, muss beispielsweise Fragen zum eigenen Gesundheitszustand beantworten. So werden Daten über die Häufigkeit, die Schwere und die Dauer von unerwünschten Reaktion zusammengetragen. Die App sammelt aber nicht nur Daten über Komplikationen, sondern dokumentiert auch Impfungen, bei denen keinerlei Probleme auftraten und die Geimpften das Vakzin sehr gut vertragen haben.

Zusätzlich ermöglicht es ein Netzportal der Bundesregierung, Impf-Komplikationen direkt und online zu melden.

Einzelheiten über den Verlauf der Impfungen in Deutschland erfahren Sie auch in der Deutschlandfunk-Sendung Marktplatz: "Corona-Impfung praktisch: Abläufe und Nachverfolgung" (Audio-Link zum Nachhören)

(Stand: 16.02.2021)

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