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Covid-19Was über die Nebenwirkungen der Corona-Impfstoffe bekannt ist

Eine Mitarbeiterin von Biontech steht im Labor des Unternehmens.  (Biontech / Stefan Albrecht)
Das Labor der Firma Biontech (Biontech / Stefan Albrecht)

Ob Medikamente oder Impfstoffe: Nebenwirkungen gehören dazu - nicht bei allen, aber bei einigen. Ob solche Nebenwirkungen auftreten und wenn ja, welche und wie schwerwiegend sie sind, wird in Deutschland vom Paul-Ehrlich-Institut erhoben. Ein Überblick.

Nebenwirkungen - das ist der Sammelbegriff unter den wir alle Reaktionen auf eine Impfung zusammenfassen. Das Robert Koch-Institut unterscheidet zwischen Impfreaktionen und Impfkomplikationen. Die Impfreaktionen sind gewünscht und Teil der Immunisierung, weil der Körper ja auf das Vakzin reagieren und eine Immunabwehr aufbauen soll. Komplikationen sind unerwünscht und sollten gemeldet werden. Entweder bei der Hausärztin oder dem Hausarzt, über das Nebenwirkungsportal des Bundes (hier gibt es ein "Covid-19-Meldeformular") oder über die App "SafeVac" (mehr dazu am Ende des Artikels).

Häufige Impfreaktionen

Zu den häufigeren Reaktionen bei allen Impfstoffen zählen Beschwerden wie Schmerzen an der Einstichstelle sowie Kopfschmerzen, Müdigkeit oder Übelkeit; auch Fieber kann auftreten. Für diese Impfreaktionen gilt: Sie halten nur kurze Zeit an und klingen von selbst wieder ab. Zudem zeigen sie an, dass das Immunsystem arbeitet. Generell treten sie bei jüngeren Menschen eher häufiger auf und nehmen mit dem Alter ab.

Sehr selten: allergischer Schock

Sehr selten kommt es zu einem allergischen Schock. Dieser tritt unmittelbar nach der Impfung auf und kann lebensbedrohlich sein, ist aber bei schneller ärztlicher Hilfe gut zu überstehen. Deshalb muss man nach der Impfung sicherheitshalber noch einige Zeit unter Beobachtung bleiben, meist sind es 15 bis 30 Minuten.

Die Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna

Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA veröffentlicht regelmäßig Sicherheitsberichte über die bislang zugelassenen Corona-Impfstoffe. Demnach gibt es bislang keine Sicherheitsbedenken gegen die Mittel von Biontech/Pfizer und Moderna. Bei den bislang bekannten Impfreaktionen hätten sich keine statistischen Auffälligkeiten gezeigt. Der Nutzen der Impfstoffe sei weitaus größer als die Risiken, betont die Aufsichtsbehörde.

Berichte aus Israel haben jedoch zuletzt die Frage aufgeworfen, ob Herzmuskel-Entzündungen bei Geimpften mit dem Covid-19-Impfstoff von Biontech und Pfizer in Verbindung stehen könnten. Das israelische Gesundheitsministerium teilte am 2. Juni mit, unter den mehr als fünf Millionen Geimpften seien zwischen Dezember und Mai 275 Fälle von Myokarditis aufgetreten. Eine Untersuchung sei zu dem Ergebnis gekommen, dass es einen möglichen Zusammenhang zwischen der zweiten Dosis und Herzmuskelentzündung bei Männern im Alter zwischen 16 und 30 gebe. Bei 16- bis 19-jährigen Männern sei dies häufiger beobachtet worden als in anderen Altersgruppen. Israel genehmigte gleichwohl die Impfung von 12- bis 15-Jährigen, weil die Vorteile die Risiken überwiegen. Pfizer erklärte, dass dem Unternehmen die Befunde aus Israel bekannt seien. Bislang sei aber kein kausaler Zusammenhang zwischen dem Impfstoff und Myokarditis festgestellt worden. Es sei bisher keine höhere Rate von Herzmuskelentzündungen beobachtet worden, als in der Allgemeinbevölkerung zu erwarten gewesen wäre.

Der Impfstoff von Astrazeneca

Die Immunisierungen mit dem dritten in Deutschland zugelassenen Impfstoff - dem Mittel von Astrazeneca - waren nach Berichten über Todesfälle durch Blutgerinnsel im Gehirn zunächst im März vorübergehend ausgesetzt und Ende März dann eingeschränkt wieder aufgenommen worden. Die Europäische Arzneimittelagentur EMA und die Ständige Impfkommission (Stiko) in Deutschland hatten nach einer Prüfung den weiteren Einsatz des Mittels von Astrazeneca empfohlen. Der Nutzen der Impfung überwiege die gegenwärtig bekannten Risiken, hieß es in einer Stellungnahme der Stiko. Auch die EMA bezeichnete den Impfstoff von Astrazeneca als "sicher und wirksam".

Das bundeseigene Paul-Ehrlich-Institut (PEI) ist in der Corona-Pandemie die zentrale Sammelstelle für Informationen über Impfnebenwirkungen und veröffentlicht in regelmäßigen Abständen einen Bericht dazu. Den Angaben zufolge sind bis Ende April 67 Fälle einer Thrombose mit Thrombozytopenie nach Impfung mit Astrazeneca bekannt. In 14 Fällen war der Ausgang demnach tödlich. Neun Todesfälle betrafen Frauen, fünf Männer.

Astrazeneca nur noch bei Menschen über 60

Am 30. März beschlossen die Gesundheitsminister von Bund und Ländern, dass der Corona-Impfstoff von Astrazeneca ohne Einschränkung nur noch bei den über 60-Jährigen eingesetzt werden soll. Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA hingegen hielt nun nach einer erneuten Prüfung der Thrombosefälle weiter an ihrer Empfehlung des Impfstoffes für alle Menschen ab 18 Jahren fest. Die EMA erklärte, der Nutzen des Wirkstoffes sei nach wie vor höher zu bewerten als die Risiken. Die Möglichkeit der Blutgerinnsel soll jedoch in die Liste der Nebenwirkungen als "sehr selten" aufgenommen werden.

In Deutschland kann Astrazeneca nach sorgfältiger ärztlicher Beratung auch an unter 60-Jährige durch niedergelassene Ärzte verabreicht werden. Die Impfpriorisierung für den Impfstoff von Astrazeneca wurde aufgehoben.

Das Vakzin von Johnson & Johnson

Der vierte in Deutschland und der EU zugelassene Corona-Impfstoff ist der des US-Herstellers Johnson & Johnson. Laut EMA kann der Wirkstoff zwar in sehr seltenen Fällen Blutgerinnsel auslösen. Insgesamt überwögen aber die Vorteile des Impfstoffs die Risiken. Nach Angaben der EMA waren acht Fälle von Hirnvenenthrombosen festgestellt worden, nachdem der Impfstoff fast sieben Millionen Menschen verabreicht worden war.

Mögliche Ursache für Thrombosen

Forschende der Universitätsmedizin Greifswald haben inzwischen herausgefunden, wie die Hirnthrombosen nach einer Astrazeneca-Impfung entstehen können. Vom Immunsystem in Reaktion auf die Impfung gebildete Abwehrstoffe hätten bei den Betroffenen offenbar die Blutplättchen aktiviert, was wiederum zu Blutgerinnseln geführt habe. Da der Mechanismus so klar identifiziert worden sei, habe auch eine gezielte Behandlungsmöglichkeit entwickelt werden können. Patienten könne ein Wirkstoff verabreicht werden, der gegen die Thrombose helfe. Die Gesellschaft für Thrombose- und Hämatostaseforschung hat bereits entsprechende Empfehlungen veröffentlicht.

Paul-Ehrlich-Institut sammelt Meldungen

Bis Ende April wurden laut Paul-Ehrlich-Institut insgesamt knapp 50.000 Verdachtsfälle auf Nebenwirkungen oder Komplikationen nach Covid-Impfungen registriert, bei insgesamt bis dahin fast 29 Millionen durchgeführten Impfungen.

Die Melderate betrug den Angaben für alle Impfungen mit Covid-19-Impfstoffen 1,7 Verdachtsfälle pro 1.000 Impfdosen, für schwerwiegende Verdachtsfälle betrug sie 0,2 pro 1.000 Impfdosen. Bei Astrazeneca liege die Melderate etwas höher als bei den anderen Impfstoffen (4,5 Fälle pro 1.000 Dosen und bei schwerwiegenden Fällen 0,4 pro 1.000). Das könne aber auch mit der medialen Berichterstattung über den Impfstoff zu tun haben, hieß es.

Eine Studie der Universität Oxford hat eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für milde und moderate Nebenwirkungen nach einer Corona-Impfung mit verschiedenen Präparaten festgestellt. Wie die Forschenden im Fachmagazin "The Lancet" schreiben, gibt es deswegen aber keine Sorge in Sachen Patientensicherheit. Ob die Immunreaktion davon betroffen ist, kann noch nicht beurteilt werden.

Was sollte man tun, wenn Beschwerden auftreten?

Wer geimpft wurde und den Verdacht hat, dass Nebenwirkungen in Zusammenhang mit der Impfung stehen könnten, sollte dies dem Hausarzt oder der Hausärztin melden. Hausärzte und Gesundheitsämter geben die Information über ungewöhnliche körperliche Reaktionen an das Paul-Ehrlich-Institut weiter. Auch eine Online-Meldung direkt bei dem Institut ist möglich. Zusätzlich ermöglicht es ein Netzportal der Bundesregierung, Impf-Komplikationen zu melden. Das Paul-Ehrlich-Institut gibt sämtliche Informationen an die EMA weiter.

App "SafeVac" fragt nach

Zum ersten Mal in Deutschland werden Geimpfte aber auch aktiv nach ihrem Befinden befragt. Dazu wurde die App "SafeVac" entwickelt. Wer die Studie unterstützen und die App nutzen will, muss beispielsweise Fragen zum eigenen Gesundheitszustand beantworten. So werden Daten über die Häufigkeit, die Schwere und die Dauer von unerwünschten Reaktionen zusammengetragen. Die App sammelt aber nicht nur Daten über Komplikationen, sondern dokumentiert auch Impfungen, bei denen keinerlei Probleme auftraten und die Geimpften das Vakzin sehr gut vertragen haben. Klaus Cichutek, der PEI-Präsident, sagte dem Deutschlandfunk, die App werde gut angenommen, obwohl die meisten Impflinge zu Beginn der Kampagne älter als 80 Jahre waren.

(Stand: 02.06.2021)

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