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Covid-19Was zu tun ist, wenn Corona und Grippe-Welle im Herbst aufeinandertreffen

Eine Spritze liegt auf einem aufgeschlagenem Impfpass. (dpa)
Experten empfehlen in dieser Saison deutlich mehr Menschen eine Grippeschutzimpfung (dpa)

Während die Corona-Pandemie weltweit noch lange nicht eingedämmt ist, scheint die erste Welle in Deutschland abzuebben. Dennoch wollen Experten schon jetzt ein Aufeinandertreffen gravierender Folgen von Corona und der im Herbst anstehenden Grippewelle verhindern. Deutschland hält dafür eine Rekordmenge an Impfstoff bereit.

Laut Bundesgesundheitsminister Spahn wird es für die nächste Grippesaison mit rund 25 Millionen Stück so viele Impfdosen geben wie noch nie. Das ist nach Ansicht des SPD-Gesundheitspolitikers Lauterbach wegen der Corona-Pandemie auch nötig. Angesichts einer möglichen parallelen Infektionswelle durch das Coronavirus könne es sich niemand leisten, "viele Ungeimpfte in die Grippesaison zu lassen", sagte Lauterbach dem Sender RTL/ntv. Diesmal müssten auch diejenigen gegen Grippe geimpft werden, die nicht zu den Risikogruppen gehörten. Normalerweise wird die Immunisierung insbesondere Menschen über 60 Jahren, Schwangeren, chronisch Kranken und medizinischem Personal empfohlen.

Doppelbelastung des Gesundheitssystems vermeiden

Die EU-Kommission appelliert, in diesem Jahr müsse in allen Mitgliedstaaten früher und intensiver für die Grippe-Impfung geworben werden, um eine Doppelbelastung des Gesundheitssystems mit Grippekranken und Covid-19-Patienten zu vermeiden. Zusätzlich müsse zum Beispiel die grenzüberschreitende Verlegung von medizinischem Personal und Patienten erleichtert werden. Nun sei nicht der Zeitpunkt, coronamüde zu werden und Schutzmaßnahmen schleifen zu lassen, betonte Gesundheitskommissarin Kyriakides.

Auch 37 britische Wissenschaftler warnten in einer Studie gerade dezidiert vor dem Zusammentreffen der Corona-Pandemie mit einer Grippewelle. Dazu komme ein höheres Infektionsrisiko im Winter, weil sich die Menschen dann mehr in geschlossenen Räumen aufhielten. Dadurch könne ein zweiter Corona-Ausbruch zwischen kommendem September und Juni 2021 deutlich schlimmer ausfallen als der erste, betonen die Forscher. Sie gehen für Großbritannien von einem "Worst-Case-Szenario" mit bis zu 120.000 Toten aus. Bisher verzeichnet das Vereinigte Königreich laut Johns-Hopkins-Universität rund 45.000 an oder mit dem Coronavirus Verstorbene (Stand 16.07.).

Impfungen auch in Apotheken möglich

Der Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, verwies darauf, dass in manchen Weltregionen die Influenza-Überwachung aus Kostengründen vernachlässigt werde. Es sei aber gerade für die Impfstoffentwicklung wichtig, dass die Untersuchungen weiterlaufen. Der Grippeimpfstoff wird jedes Jahr an die sich verändernden Virusstämme angepasst.

Nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts werden im Verlauf einer Grippewelle fünf bis 20 Prozent der Bevölkerung angesteckt. Die Zahl der Toten fällt je nach Heftigkeit des Ausbruches unterschiedlich aus. In der Saison 2017/2018 starben laut RKI besonders viele Menschen durch die Grippe, nämlich rund 25.000. Dennoch ist nur etwa ein Drittel der deutschen Bevölkerung geimpft. Ziel der WHO und der EU sind 75 Prozent.

Um diesem Durchimpfungsgrad näher zu kommen, können sich gesetzlich Versicherte in Teilen Nordrhein-Westfalens ab der nächsten Grippesaison grundsätzlich auch in Apotheken gegen Influenza impfen lassen. Das Modellvorhaben ist bundesweit einzigartig und zunächst auf drei Jahre angelegt. Impfungen in den Arztpraxen seien weiter möglich, hieß es. Die Grippesaison beginnt im Herbst. Dann ist auch der beste Zeitpunkt für eine Impfung. Höhepunkt der Grippewelle ist meist im Januar/Februar.

Masken und Abstand - wie hoch ist überhaupt das Ansteckungsrisiko?

Durch die Abstandsregeln und das verstärkte Hygieneverhalten sei das allgemeine Ansteckungsrisiko im Moment aber insgesamt niedriger als sonst, sagte der Bundesvorsitzende des Deutschen Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt, der Funke-Mediengruppe. Er wirbt dafür, die nun eingeprobten Verhaltensregeln auch nach dem Ende der Pandemie beizubehalten: "Vor allem das häufige und gründliche Händewaschen und das Lüften."

Der Virologe an der Uni Münster, Stephan Ludwig, sagte im Deutschlandfunk, bei den ersten Maßnahmen des Lockdowns im Frühjahr habe man bereits gesehen, dass die normalen grippalen Infekte oder auch die Grippeviren mit einem Schlag quasi beendet werden konnten. Dagegen habe sich das SARS-CoV-2-Virus doch "wacker gehalten", auch in die warmen Tage hinein. Corona zeige nicht diese Art von Saisonalität, die man beispielsweise bei Grippe sehen könne, betonte er: "Das könnte im Umkehrschluss bedeuten, dass es dann auch im Winter oder im Herbst, wenn es kühler wird, nicht so schlimm kommt, wie das beispielsweise bei einer Grippewelle passieren kann." Ludwig betonte allerdings, dass sich all solche Überlegungen derzeit eher "auf der Ebene der Hoffnung als auf der Ebene des Wissens" bewegten.

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