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Covid-19Welche Branchen profitieren von der Corona-Krise?

Menschen tragen mehrere Packungen Toilettenpapier aus einem Supermarkt. (picture alliance/dpa/Hendrik Schmidt)
Drogerien und Lebensmittelhändler verkaufen in diesen Tagen deutlich mehr - aber gehören sie auch zu den Gewinnern der Krise? (picture alliance/dpa/Hendrik Schmidt)

Industrie, Unternehmer und Freiberufler ächzen unter der Corona-Krise wie unter keiner Herausforderung jemals. Doch in einigen wenigen Branchen läuft das Geschäft auf Hochtouren.

Das öffentliche Leben in Deutschland steht praktisch still und schon jetzt ist klar: Für den größten Teil der Menschen wird der wirtschaftliche Schaden riesig sein. Ob Kinos, Konzertveranstalter, Fußballvereine oder Künstler - ganze Branchen sind derzeit praktisch arbeitslos. Und dann gibt es da noch jene, deren Geschäft brummt wie nie. Hier eine Übersicht über die Branchen, deren Umsatz und Gewinn jetzt deutlich wachsen dürfte.

Online-Handel und Paketdienste

Dass Geschäfte in den Innenstädten geschlossen sind und die meisten Menschen zu Hause bleiben, gibt die Krise dem Online-Handel noch einmal einen kräftigen Schub. Zwar bekomme auch der Internethandel derzeit die generelle Verunsicherung der Verbraucher zu spüren, sagt Branchenexperte Kai Hudetz vom Kölner Institut für Handelsforschung (IFH). Aber wenn noch etwas gekauft werde, dann besonders gerne im Internet.

Das sorgt auch für zusätzliche Aufträge bei Paketzustellern wie der Deutschen Post, Hermes oder DPD. Bislang sind die Unternehmen davon überzeugt, auf eine mögliche Paketflut vorbereitet zu sein. Der Marktführer Deutsche Post DHL spürt momentan allerdings noch keinen signifikanten Anstieg des Paketvolumens. Das könne sich aber in den nächsten Tagen ändern, so ein Sprecher des Unternehmens.

Lieferdienste für Essen und Lebensmittel

Bei Lieferdiensten von Supermärkten wie Rewe ist es mittlerweile kaum noch möglich, einen Termin zu bekommen. Ähnlich hoch ist die Nachfrage nach Lieferangeboten von Restaurants, etwa über Lieferando. Deren Boten sind mittlerweile angehalten, das Essen nur noch abzustellen und nicht mehr direkt den Kunden zu übergeben. Auch die Tiefkühlkost-Hersteller Eismann und Bofrost erleben einen Boom. Beide machen derzeit rund doppelt so viel Umsatz durch Bestellungen wie zu anderen Zeiten. Eismann hat sich dazu entschieden, kleinere Bestellungen mit Vorrang zu bearbeiten.

Online-Dienste und Software-Unternehmen

Da etliche Unternehmen Bürojobs ins Homeoffice verlagern, sind Video- und Chat-Programme für viele Nutzer unverzichtbar geworden. Microsoft spricht von 37 Prozent mehr Nutzern der Bürokommunikations-Software "Teams" binnen einer Woche. Man sehe definitiv einen Aufwärtstrend bei der Nutzung, sagt auch die Finanzchefin der Videokonferenz-Software "Zoom". Viele würden allerdings zunächst die Gratis-Version der Software nutzen. Es sei daher zu früh zu sagen, ob man langfristig mehr zahlende Kunden bekommen würde.

Supermärkte und Drogerien

Wer in diesen Tagen in den Supermarkt geht, wird keinen Zweifel daran haben, dass die Geschäfte glänzend laufen. Folgt man Experten der Boston Consulting Group, können Lebensmittelhändler nicht nur in Deutschland "über mehrere Wochen" mit einem Plus von 10 bis 15 Prozent rechnen. Allerdings dürfe man nicht den Fehler begehen, Hamsterkäufe mit zusätzlichem Umsatz zu verwechseln: Bei wem sich Nudeln und Klopapier stapeln, der kaufe später weniger davon. Da allerdings mittlerweile auch zunehmend Restaurants und Kantinen geschlossen bleiben, brauchen die Bürger mehr Lebensmittel zuhause - was sich in einem Plus beim Lebensmittelhandel niederschlagen wird.

Tatsächlich deutlich mehr verkauft wird außerdem in Drogeriemärkten, die in den vergangenen Tagen Mühe hatten, die leeren Klopapier- oder Seifenregale zeitnah wieder aufzufüllen. Die Drogeriekette dm verzeichnet eine im Vergleich zum Vorjahr stark gestiegene Nachfrage nach Seife und Toilettenpapier.

Hersteller von Schutzausrüstung und Hygienemitteln

Alle Unternehmen, die Atemmasken, Schutzanzüge und Hygienemittel herstellen, sind ebenfalls gefragter denn je. Die Firma 3M stellt weltweit Millionen von Atemschutzmasken pro Monat her. Die Nachfrage übersteige derzeit die Kapazität, heißt es von einer Sprecherin. Gleiches gilt auch für das Luxemburger Dupont-Werk, wo Mitarbeiter mittlerweile rund um die Uhr Schutzanzüge produzieren. Sagrotan, ein Hersteller von Desinfektionsmitteln, sprach schon Ende Februar davon, die Nachfrage habe "exponentiell" zugenommen.

Hersteller von Medizintechnik und Impfstoffen

Wer auch nur im leisesten Verdacht steht, medizinisch etwas zur Bekämpfung der Pandemie beitragen zu können, gehört in diesen Zeiten zu den ganz großen Hoffnungsträgern. Nur eines von vielen Beispielen ist das Tübinger Pharmaunternehmen CureVac, das seit Januar an einem Impfstoff gegen den Erreger forscht. Die EU will bei der Entwicklung mit bis zu 80 Millionen Euro helfen.

CureVac war zuletzt in die Schlagzeilen geraten, weil US-Präsident Trump versucht haben soll, sich exklusiv den Impfstoff des Unternehmens zu sichern. Laut Medienberichten wurde CureVac eine hohe Summe geboten, um seine Forschungen in den USA fortzuführen. Das Unternehmen selbst bestreitet, ein solches Angebot erhalten zu haben.

Die Firma Qiagen mit Sitz in Hilden stellt Test-Kits zur Erkennung von Covid-19 her und hat ihren Betrieb der Krise angepasst: Sowohl in Hilden als auch am Standort Barcelona arbeiteten die Mitarbeiter sieben Tage die Woche in drei Schichten - außerdem seien neue Mitarbeiter hinzugekommen.

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