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Covid-19Welche Kulturangebote man trotz Coronavirus erleben kann

Schwarze Sttühle und Notenständer stehen im leeren Orchestergraben. (dpa/Klaus-Dietmar Gabbert)
Der verlassene Orchestergraben im Opernhaus in Magdeburg (dpa/Klaus-Dietmar Gabbert)

Wenn Kino, Theater und Buchladen geschlossen haben, heißt das nicht, dass es keine Kulturveranstaltungen mehr geben kann. Künstler, Künstlerinnen und Veranstalter weichen mit viel Kreativität in andere, oft digitale Formate aus. Hier einige Besispiele.

Lesung mit Deutschem Buchpreis-Träger

Der Schriftsteller Sasa Stanisić las in einem Live-Stream aus seinem Buch "Herkunft", mit dem er den Deutschen Buchpreis gewonnen hat. Außerdem war auch eine noch unveröffentlichte Geschichte aus einem Kinderbuch zu hören, das er vorbereitet. Die Lesung übertrug er kostenlos über mehrere Social-Media-Plattformen, zugleich rief er zu Spenden für Flüchtlingshelfer auf. Stanišić zufolge wurde der Live-Stream 4.700 Mal aufgerufen. 17.000 Euro an Spenden seien zusammengekommen.

Auch jenseits der Romanwelt gibt es Lesungen: Auf der Streamingplattform "Twitch.tv" etwa hat der Journalist Hasnain Kazim aus seinem Buch "Auf sie mit Gebrüll" gelesen und darüber mit seiner Kollegin Hatice Akyün diskutiert. Das Buch handelt vom forschen Umgang mit Hatern, Pöblern und Populisten. Auf der Plattform gibt es noch mehr zu entdecken.

Im Livestream von NDR und SWR gibt es Kindergeschichten. Bekannte Autoren lesen jeweils wochentags um 16 Uhr aus ihren Büchern. Den Anfang macht demnach Kirsten Boie, die etwa "Wir Kinder aus dem Möwenweg" verfasste. Die Autoren filmen sich in ihren privaten Wohnzimmern selbst.

Beim Pianisten zuhause

Der Pianist Igor Levit gehörte zu den ersten prominenten Musikern, die ihr Publikum ins Internet einluden. Auf Twitter kündigte er an, Hauskonzerte live zu übertragen. Abends ab 19 Uhr spielt er bei sich zuhause für ein weltweites Publikum. Er will dieses Angebot beibehalten, "bis wir uns alle wieder gemeinsam, real, nah beieinander versammeln und Kunst erleben können".

Elektronische Musik ist ebenfalls jeden Abend ab 19 Uhr unter dem Schlagwort #UnitedWeStream zu hören. Über das Onlineangebot des Senders Arte machen verschiedene Berliner Clubs jeweils fünf Stunden am Stück Programm.

Hozier, Coldplay, John Legend

Auch Rock- und Popmusik ist zu haben: Hozier, One Republic oder Celeste zum Beispiel bieten Kostproben ihrer Musik in den Sozialen Medien unter #TogetherAtHome (Zusammen zuhause) an. Die Plattform Global Citizen weist den Weg zu vielen Künstlern. Chris Martin, Frontmann von Coldplay, spielte einen Live-Gig Anfang dieser Woche auf Facebook für Menschen, die sich selbst isolieren. John Legend griff die Idee am Dienstag auf.

Theater zu Filmstudio umfunktioniert

Im Fernsehen statt im Theater wird eine Wiener Opernpremiere stattfinden. Der ORF und mehrere Klassikportale zeigen die Beethoven-Oper "Fidelio" unter der Regie des Hollywood-Stars Christoph Waltz. Man habe das Theater kurzfristig zu einem Filmstudio umfunktioniert und die Inszenierung bei den letzten Proben aufgezeichnet, teilte das Theater an der Wien mit.

Neben solchen spontanen, neuen Projekten verzeichnen auch bestehende digitale Kulturangebote neuen Zulauf. Deutschlandfunk und Deutschlandfunk Kultur laden unter dem Schlagwort #Zuhausebleiben auf ihr Portal für Hörspiel und Feature ein. Die Redaktionen des Deutschlandfunk Kultur haben zudem zahlreiche weitere Tipps für den digitalen Kulturgenuss zusammengestellt, um die Zeit der sozialen Isolierung zu erleichtern.

Crowdfunding sammelt 140.000 Euro

Für viele Vertreter der Kulturbranche sind die derzeitigen Einnahmeverluste und Totalausfälle allerdings wirtschaftlich kaum zu verkraften. Zu ihren Gunsten spielte die deutsche Popgruppe "Das Lumpenpack" ein Konzert in Köln (Audio-Link) - auf einer echten Bühne, allerdings saß das Publikum nicht im Saal, sondern zuhause vor dem Smartphone oder dem Computer. Per digitaler Spendensammlung kamen mehr als 140.000 Euro zusammen. Das Geld will die Band freiberuflichen Kunst- und Kulturschaffenden zur Verfügung stellen, die weniger gut abgesichert sind als sie selbst: Tontechnikerinnen und Tontechniker zum Beispiel, die nun keine Aufträge mehr haben.

"Digital Concert Hall" der Berliner Philharmoniker

Die Berliner Philharmoniker stellen während der Schließung ihres Saals mehr als 600 Konzerte kostenlos als Streams im Internet zur Verfügung. In der "Digital Concert Hall" sind Aufnahmen aus mehr als zehn Jahren abrufbar, darunter 15 Konzerte mit dem neuen Chefdirigenten Kirill Petrenko, teilte das Orchester mit. Dazu kämen Pausengespräche mit Dirigenten und Solisten und Dokumentationen zur Orchestergeschichte. Mit dem Code BERLINPHIL könnten nach einer Registrierung alle Konzerte und Filme für 30 Tage kostenfrei abgerufen werden. Der späteste Termin zum Einlösen des Codes sei der 31. März 2020. Mit ihrem Stream von der Oper "Carmen" hatte die Staatsoper Unter den Linden am Donnerstag nach eigenen Angaben einen großen Publikumserfolg. Den Livestream in Zusammenarbeit mit dem Rundfunk Berlin-Brandenburg hätten online mehr als 160 000 Zuschauer in der ganzen Welt abgerufen.

Auch das Leipziger Gewandhausorchester hat angekündigt, jeweils donnerstags und freitags Konzertaufzeichnungen auf seiner Webseite zu veröffentlichen. Damit biete das Konzerthaus dem Publikum Kultur trotz Corona-Krise, erklärte Gewandhaus-Direktor Andreas Schulz. Die Online-Konzerte sind kostenlos.

Virtuelle Hausführung durch Elbphiharmonie

Auch die Hamburger Elbphilharmonie hat nun viele ihrer Angebote ins Internet verlagert. Unter dem Titel #ElphiAtHome gibt es virtuelle Hausführungen, halbstündige Konzerte in kleinen Besetzungen, sowie Clips von ausgewählten Musikern, die kürzlich in Hamburg zu Gast waren. Die "Elphie", die Kölner Philharminie und andere haben sich mit Konzertsälen in ganz Europa zusammengetan und teilen derzeit unter #KulturstattCorona auf Facebook jeden Abend um 20 Uhr Musik.

Das Goethe-Institut stellt seine Kurse zunächst bis 19. April online. Auch im Ausland werden Sprachkurse und Kulturangebote zumindest teilweise digital zur Verfügung gestellt. Das Goethe-Institut ist derzeit in 98 Ländern vertreten.

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