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Covid-19Wie es mit Sportverein und Fitnessstudio in der Coronakrise weitergehen kann

Corona: Boxen fällt aus. (www.imago-images.de)
Boxen findet wegen des Coronavirus auch weit nach dem 30.03. nicht statt. (www.imago-images.de)

Der Sportbetrieb im Verein ruhte wochenlang wegen der Coronavirus-Pandemie. Nun gelten erste Lockerungen. Ein Überblick.

Wann kann Sport im Verein wieder stattfinden?

Bundeskanzlerin Merkel hat sich mit den Ministerpräsidenten der Länder darauf verständigt, den Breiten- und Freizeitsport unter freiem Himmel wieder zu erlauben. FreizeitsportlerInnen müssen sich aber an bestimmte Auflagen halten. So muss eine Distanz von 1,5 bis 2 Metern gewährleistet und der Sport kontaktfrei ausgeübt werden. Grundsätzlich sollen in der Corona-Krise künftig die Bundesländer entscheiden, ob der Sportbetrieb in öffentlichen und privaten Indoor-Sportanlagen und in Fitnessstudios wieder möglich ist.

Unterschiedliche Lockerungen in den Bundesländern

Nordrhein-Westfalen hat als eines der ersten Bundesländer wieder kontaktlosen Breitensport und den Trainingsbetrieb im Freien erlaubt. Voraussetzung ist die Einhaltung von 1,5 Metern Abstand zwischen den Personen. Seit dem 11.05. dürfen auch Fitnessstudios, Tanzschulen und Sporthallen der Sportvereine unter strengen Auflagen von Abstand und Hygiene wieder öffnen. Ab 30. Mai ist laut Ministerpräsident Laschet (CDU) auch die "Ausübung von Sportarten mit unvermeidbarem Körperkontakt und in geschlossenen Räumen wieder möglich". Ebenfalls erlaubt seien sportliche Wettbewerbe im Kinder- und Jugendsport sowie im Amateursport. Die Nutzung von Umkleiden und Sanitäranlagen wird unter Beachtung der Hygiene- und Infektionsschutzmaßnahmen dann wieder gestattet sein.

Auch in Bayern und Baden-Württemberg sind seit dem 11. Mai kontaktfreie Individualsportarten mit Abstand wieder erlaubt. Dazu zählen Tennis, Leichtathletik, Golf, Segeln, Reiten - auch in der Halle - und Flugsport.

In Schleswig-Holstein sind der Besuch von Fitnessstudios und anderer Sport in Räumen ab dem 18. Mai wieder erlaubt.

In Brandenburg ist seit dem 15. Mai der Vereinssport mit Einschränkungen wieder erlaubt. "Auf allen öffentlichen und privaten Sportanlagen im Freien darf wieder trainiert werden, allerdings ausschließlich kontaktlos", heißt es in der Neufassung der Verordnung zur Eindämmung des neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2, die vom Kabinett in Potsdam verabschiedet wurde. Außen-Sportanlagen dürfen wieder öffnen, Individualsport im Freien wie beispielsweise Leichtathletik, Fitness, Radsport, Tennis oder Reitsport - unter Berücksichtigung der Abstands- und Hygieneregeln - sei wieder möglich. Die Stadt Brandenburg an der Havel war allerdings schon vorgeprescht und hatte Vereinssport unter Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln bereits wieder zugelassen.

In Berlin können Vereine seit dem 15. Mai wieder mit Gruppen von bis zu acht Teilnehmenden einschließlich Trainer kontaktlosen Sport treiben. Ab 25. Mai soll der Wettkampfbetrieb bei kontaktfreien Sportarten wieder möglich sein, solange er von Hygienekonzepten begleitet wird.

Ähnliche Regelungen hatten einige Länder bereits vor der Bund-Länder-Konferenz zur Corona-Krise beschlossen.

Einige Bundesländer machten Vereinssport schon vorher wieder möglich

In Hamburg ist die Nutzung von Sportanlagen bei der Ausübung von Individualsportarten im Freien seit Anfang Mai wieder möglich. Als Beispiele nannte Sportsenator Grote (SPD) Leichtathletik, Wassersport, Tennis und Golf.

In Sachsen-Anhalt ist Vereinssport im Freien in Gruppen von bis zu fünf Menschen erlaubt. So kann in dem Bundesland beispielsweise wieder gerudert, Leichtathletik betrieben und Fußball gespielt werden. Möglich sind auch Tennis und Reiten. Vereinssport ist möglich im Freien und in Schwimmbädern, in Gruppen bis maximal fünf Leuten. Voraussetzung sei Kontaktfreiheit im Sport und ein Mindestabstand von 1,5 Metern.

Rheinland-Pfalz hatte ebenfalls gesetzliche Lockerungen im Bereich des Sports vorgenommen. Einige Sportanlagen dürfen wieder alleine, zu zweit oder mit Personen des eigenen Hausstands für den Trainingsbetrieb genutzt werden, sofern die gebotenen Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen eingehalten werden können. Zudem muss der Träger der jeweiligen Sportstätte einer Nutzung vorher ausdrücklich zustimmen. Die Lockerung betrifft Individualsportarten im Freien, wie beispielsweise Rudern, Segeln, Tennis, Luftsport, Leichtathletik, Golf oder Reiten und ähnliche Sportarten, bei denen das Kontaktverbot und der Mindestabstand eingehalten werden können. Ab 27. Mai sollen auch Fitnessstudios, Sporthallen, Freibäder und Tanzstudios wieder öffnen. Hallenbäder und Saunen sollen ab dem 10. Juni wieder Gäste empfangen dürfen - allerdings weiterhin unter Auflagen.

Wie findet Sport im Verein jetzt statt?

Die zehn Leitplanken, die der Deutsche Olympische Sportbund für eine Lockerung entwickelt hat, sollten eingehalten werden. Das bedeutet, Körperkontakte auf das Minimum reduzieren, Hygieneregeln einhalten, Umkleiden und Duschen möglichst zu Hause, Fahrgemeinschaften vorübergehend aussetzen, Veranstaltungen wie Mitgliederversammlungen und Feste unterlassen, Trainingsgruppen verkleinern, Angehörige von Risikogruppen besonders schützen, generell Risiken in allen Bereichen minimieren und natürlich Distanzregeln einhalten. In Frankreich beispielsweise sollen Jogger und Radfahrer künftig mindestens zehn Meter Abstand zu anderen Menschen einhalten. Diese neue Regel trat mit Lockerung der Ausgangssperre am 11. Mai in Kraft.

Gibt es Ausnahmen vom Vereinssportverbot?

Der Sportbetrieb im Freien ist gelockert, in geschlossenen Trainingsräumen gibt es noch Einschränkungen. Es gibt aber einige Veranstaltungen online: Trainer können die Zeit nutzen, um sich weiterzubilden. Turnen, Gymnastik, Kraftsport - für unterschiedliche Sportarten gibt es Internet-Kurse. Die Kampagne #Zamfitbleim des Bayerischen Landes-Sportverbands verfügt über eine Playlist mit über 250 Vereinsvideos. Neben diesem Mitmachangebot finden mittlerweile auch Vorstandssitzungen und Mitgliederversammlungen online statt.

Wie kann ein Training in Mannschaftssportarten ablaufen?

Dort, wo normalerweise Zweikampf zum Geschäft gehört wie beim Fußball, Handball, Basketball oder auch beim Boxen und Ringen muss man vorerst auf Abstand gehen.

Die Fußball-Bundesliga

Seit dem 16. Mai wird die Fußball-Bundesliga fortgesetzt, allerdings mit sogenannten "Geisterspielen", also ohne Zuschauer im Stadion. Voraussetzung für die Erlaubnis ist ein angepasstes Regelwerk. Vorgeschrieben sind etwa das Tragen eines Mundschutzes für die Auswechselspieler - nicht aber für die Trainer; sie müssen lediglich einen Mindetabstand von 1,5 Metern einhalten.

Außerdem hatten sich die Mannschaften eine Woche vor dem Spielstart in ein quarantäneartiges Trainingslager gezogen. Doch auch diese Regel wurde bereits gebrochen. So hatte Augsburg-Trainer Heiko Herrlich das Teamhotel zum Einkaufen verlassen. Zuvor hatte das Video von Hertha-Spieler Salomon Kalou Schlagzeilen gemacht; auch hier werden Hygieneregeln wie das Vermeiden von Körperkontakt und der Mindestabstand nicht eingehalten.

Was ist mit Reiten?

Reiten ist unter bestimmten Bedingungen weiter erlaubt. Pferdehalter dürfen zu ihren Tieren, da die Versorgung und Gesunderhaltung der Tiere sichergestellt sein muss. Dazu müssen die Tiere auch geritten werden. Tabu sind derzeit aber unter anderem Ponyreiten und Reitunterricht in Gruppen sowie Reiterferien, Spring- und Dressurturniere und Ausritte in Gruppen.

Die Deutsche Reiterliche Vereinigung forderte Reiterhöfe und Vereine allerdings auf, sich auf den "Tag X" der Wiedereröffnung vorzubereiten und bestimmte Maßnahmen zu ergreifen. Auch Vorschläge zur Beachtung von Hygieneregeln werden gemacht. Demnach sollten Reitschüler fertig ausgerüstet und umgezogen auf die Anlagen kommen. Unmittelbar nach dem Betreten sei auf direktem Wege der Sanitärbereich aufzusuchen und sich entsprechend gründlich die Hände zu waschen und gegebenenfalls zu desinfizieren, bevor weitere Gegenstände wie Putzzeug und anderes angefasst werden könnten.

Was ist mit Schwimmen und Freibädern?

Zu diesem Thema haben wir eine eigene Meldung verfasst: Wie es mit Freibad und Schwimmbad in der Coronakrise weitergehen kann.

Laufen den Sportvereinen die Mitglieder weg?

"Die Einstellung des kompletten Sportbetriebs ist ein bislang einmaliger Vorgang, der eine Vielzahl von Konsequenzen hat. Je länger der Zustand anhält, umso schwieriger wird es", warnt der Hamburger Landessportbund. Die Mitglieder zahlen Beiträge, erhalten aber keine Leistungen.

Von einem Mitgliederschwund oder einer Austrittswelle kann zumindest laut Landessportbund NRW zur Zeit nicht die Rede sein. LSB-NRW-Sprecher Rall vergleicht die aktuelle Situation mit der Flüchtlingskrise 2015, als monatelang Sporthallen als Notunterkünfte belegt waren. Im Einzelfall könne es aber natürlich Vereine geben, die einige Mitglieder verlören.

Aus Bayern heißt es zwar, die Situation sei sehr ernst und viele Vereine müssten mit finanziellen Verlusten rechnen. Dennoch glaube man, so Jörg Ammon, dass der Vereinssport in den nächsten Monaten sogar einen noch größeren Stellenwert in der Gesellschaft einnehmen werde. Das liege vor allem daran, dass Urlaubsreisen in naher Zukunft nicht möglich seien und die Menschen ihre Freizeit in der Heimat und somit auch im Sportverein verbringen. Er spricht von einer derzeit "enormen Solidarität" und appellierte: dem Verein treu bleiben!

Wie schwer trifft die Corona-Krise die Vereine finanziell?

Auch wenn die meisten Mitglieder weiter zahlen: Ausgefallene Turniere, Tagungen, Feiern - all das macht den Vereinen zu schaffen. Währenddessen laufen viele Kosten weiter. Daher gehen auch Sportvereine in Kurzarbeit. Der Landessportbund Berlin forderte einen Solidarfonds. Der Druck auf die Vereine werde mit jedem Tag größer, sagte LSB-Präsident Thomas Härtel dem Tagesspiegel. Berlins Innensenator Geisel (SPD) sagte nach Beratungen mit Sport-Vertretern, Breitensport und Profisport seien tragende Säulen der Sportmetropole Berlin. "Das dürfen wir uns durch Corona nicht kaputtmachen lassen." Der Berliner Senat will ehrenamtliche und Profi-Sportvereine in der Corona-Krise finanziell unterstützen, damit sie nicht in ihrer Existenz bedroht werden. Vorbereitungen für einen entsprechenden Rettungsschirm würden bereits laufen.

In Sachsen zum Beispiel können die Sportvereine bereits finanzielle Unterstützung in Form einmaliger Soforthilfe-Zahlung oder Liquiditätsdarlehens beantragen. Die Soforthilfe-Zuschüsse für Vereine können bis zu 10.000 Euro, die Darlehen zur Liquiditätssicherung bis zu 350.000 Euro betragen. Auch der Landessportbund Mecklenburg-Vorpommern hat sich inzwischen mit der Landesregierung auf Hilfsgelder geeinigt, die die Vereine ab sofort beantragen können.

Das Land NRW hat für den Sport zehn Millionen Euro Hilfen zur Verfügung gestellt. Laut LSB NRW haben in der ersten Woche 230 Vereine Fördermittel beantragt, 1,5 Millionen Euro wurden demnach abgerufen. "Da können die Vereine, die eben unterhalb der wirtschaftlichen Tätigkeit sind, aber dennoch erhebliche Einnahmeausfälle haben und uns das auch an ihren Wirtschaftsplänen zeigen können, ihre Bedürfnisse geltend machen", sagte die NRW-Staatssekretärin für Sport und Ehrenamt, Andrea Milz, im Dlf.

Der Sportökonom Frank Daumann hingegen bezweifelte in diesem Programm den Sinn staatlicher Hilfen für den Sport. "Wem nützt es denn, wenn ich Sport treibe? Ich bin doch in erster Linie der Nutznießer. Ist da die Notwendigkeit für eine staatliche Förderung? Ich würde sagen, nein!"

Welche Spätfolgen könnte die derzeitige Lage haben?

Den Vereinen drohen Mitgliederaustritte und zahlreiche Insolvenzen. Zudem ist die Frage, ob und wie hauptamtliche Mitarbeiter und Trainer gehalten werden können - auch mit Blick auf die olympischen Spitzensportler. Der Sport und seine Vereine sind nicht nur ein wirtschaftlicher, sondern vor allem auch sozialer Pfeiler der Gesellschaft. Nicht absehbar sind die physischen und psychischen Schäden, die durch Nichtbewegung und Wegfall der Sozialkontakte entstehen - da geht es um Integration, Inklusion, Gesundheitsförderung oder Rehabilitation. Auch viele Kinder und Jugendlichen sind vom Sport-Stopp massiv betroffen.

Bekomme ich von Fitnessstudios mein Geld zurück?

Die Fitnessstudios haben unterschiedliche Herangehensweisen. Manche Studios verzichten darauf, die Beiträge einzuziehen. Manche verlängern die Mitgliedschaft um die ausgefallenen Monate. Andere bieten Gutschein-Lösungen an, und wieder andere bitten ihre Mitglieder darum, die Beiträge als Unterstützung weiter zu zahlen, damit das Studio die Coronakrise finanziell übersteht. Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg rät, sich mit den Betreibern der Studios in Verbindung zu setzen.

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