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Covid-19Wie es um Deutschlands Krankenhäuser in der Coronavirus-Krise steht

Ein Operationsteam im Krankenhaus. Eine Frau auf der Liege bekommt ein Beatmungsgerät aufgesetzt.  (imago/Westend61)
Die Zahl der Patienten nimmt zu - aber noch haben die Krankenhäuser ausreichend Behandlungsplätze (imago/Westend61)

Die Zahl der Menschen, die sich wegen einer Corona-Infektion im Krankenhaus behandeln lassen müssen, steigt langsam an. Noch sind die deutschen Kliniken Herr der Lage.

Der Chefarzt der Infektiologie und Tropenmedizin an der Klinik in München-Schwabing, Clemens Wendtner, sagt, momentan sei man in Wartestellung. Es sei noch nicht der Tsunami, noch nicht die große Welle, die man sehe. Man bekomme jetzt aber kontinuierlich Patienten.

Intensivbehandlung für bis zu 6 Prozent der positiv Getesteten

Wer sich mit dem Coronavirus infiziert habe, aber keine Symptome zeigt, soll dabei in häuslicher Quarantäne bleiben. Nur etwa 15 bis 20 Prozent der Infizierten haben so starke Symptome, dass sie im Krankenhaus behandelt werden müssen. Von diesen müsse wiederum etwa ein Drittel auf die Intensivstation verlegt werden, rechnet Wendtner vor. Man könne damit die Zahlen chinesischer Ärzte bestätigen, auch dort sei das Verhältnis so.

Derzeit sind viele Kliniken dabei, zusätzliche Kapazitäten für die intensivmedizinische Betreuung von Covid-19-Kranken zu schaffen. So werden Gebäudeteile freigeräumt und als Pandemie-Areale ausgewiesen. Wobei derzeit völlig unklar ist, auf wie viele Intensivpatienten sich die Krankenhäuser tatsächlich einstellen müssen. Ein Problem ist dabei der noch fehlende Datenaustausch, kritisiert Reinhard Busse, Leiter des Fachgebiets Management im Gesundheitswesen an der TU Berlin.

Deutsche Kliniken bieten Frankreich und Italien Hilfe an

Kurzfristig sind weit über 10.000 freie Intensivbetten zur Behandlung von schwer erkrankten Virus-Patienten verfügbar. "Wir sind im Augenblick – heute, morgen, übermorgen – gerüstet", betont Uwe Janssens, Präsident der Deutschen Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin. Mittlerweile beteiligten sich etwa 60 Prozent aller Krankenhäuser an einer Online-Plattform zur Verfügbarkeit von Intensivbetten. Am Donnerstagmorgen seien 5.600 Betten freigewesen, zusätzlich wären weitere 5.700 Betten innerhalb von 24 Stunden freizumachen. Jüngsten Angaben zufolge gibt es rund 28.000 Betten auf Intensivstationen in Deutschland.

Somit sind die deutschen Krankenhäuser aktuell in der Lage, anderen zu helfen. In den vergangenen Tagen wurden schwerkranke Patienten aus Frankreich und Italien nach Deutschland verlegt. Die Universitätskliniken in Freiburg, Heidelberg, Mannheim und Ulm nahmen auf Beatmung angewiesene Covid-19-Patienten aus dem benachbarten Elsass auf. Nach Leipzig wurden italienische Erkrankte gebracht.

Verlauf der Pandemie unklar - weil Daten fehlen

Reinhard Busse von der TU Berlin betont allerdings, man wisse nicht, wie viele der derzeit bereits stationär behandelten Corona-Patienten auf Normal- oder Intensivstationen gepflegt würden. Diese Unterscheidung sei jedoch wichtig, um abschätzen zu können, wie heftig der Ausbruch werde und an welchem Punkt der Pandemie man aktuell angekommen sei. Zusammen mit Vergleichszahlen aus anderen Ländern würde sich das errechnen lassen.

Handlungsempfehlungen für Entscheidungen über Leben und Tod

Für den Fall, dass die Intensivkapazitäten auch hierzulande erschöpft sind und Ärzte Entscheidungen über Leben und Tod treffen müssen, haben sieben medizinische Fachgesellschaften dafür Handlungsempfehlungen verabschiedet. In dem Papier heißt es, es sei wahrscheinlich, dass auch in Deutschland in naher Zukunft und trotz bereits erfolgter Kapazitätserhöhungen nicht mehr alle Patienten, die unter einem schweren Verlauf der Lungenkrankheit Covid-19 litten, intensivmedizinisch behandelt werden könnten. Dadurch werde es zu moralischen Konflikten kommen. Die neue Handreichung soll dabei Orientierung bieten.

Demnach ist eine Intensivtherapie nicht mehr geboten, wenn der Sterbeprozess unaufhaltsam begonnen hat, wenn keine Besserung oder Stabilisierung des Gesundheitszustandes zu erwarten ist, oder wenn das Überleben nur bei dauerhaftem Aufenthalt auf der Intensivstation gesichert werden kann.

Der Katholische Krankenhausverband sagte in diesem Zusammenhang, man dürfe das Krankenhauspersonal mit diesen unvorstellbaren Lazarett-Szenarien nicht alleine lassen und eine seelsorgerische Betreuung sicherstellen.

Kliniken kommen finanziell in Bedrängnis

Für die Krankenhäuser könnte die Coronavirus-Krise in absehbarer Zeit auch zu einem finanziellen Problem werden. Durch die Absage geplanter Operationen fehlten den Krankenhäusern wichtige Einnahmen, so Josef Düllings vom Verband der Krankenhausdirektoren im Interview mit dem Deutschlandfunk. Er hoffe, dass man in einem Monat ein Auffangnetz habe, sonst könnten die ersten Krankenhäuser im Mai in die Insolvenz gehen. Derzeit fahre man mit Vollgas auf die Wand zu.

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