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Covid-19Wie es um die "Zweite Welle" beim Coronavirus steht - in einigen Ländern ist sie schon da

Südkorea, Bucheon: Menschen, bei denen der Verdacht besteht, dass sie mit Covid-19 infiziert sind, warten in einer Coronavirus-Screening-Station in einer Schlange darauf, vom dortigen Gesundheitspersonal in Schutzanzügen und Gesichtsvisieren getestet zu werden. (Yun Hyun-Tae/Yonhap/dpa)
Die Zahl der Corona-Neuinfektionen in Seoul ist wieder gestiegen. (Yun Hyun-Tae/Yonhap/dpa)

Nach dem Rückgang der Infektionen mit dem Coronavirus vielerorts haben nun viele Menschen Angst vor einer sogenannten Zweiten Welle. Dass dies nicht ganz unbegründet ist, zeigt ein Blick in andere Staaten.

Nachdem sich in Südkorea über einen längeren Zeitraum wieder verstärkt Personen mit dem Coronavirus infizierten, sprechen die Behörden in Seoul dort nun offiziell von einer Zweiten Welle. Vor Journalisten sagte ein Sprecher des südkoreanischen Zentrums für Krankheitskontrolle und Prävention, man glaube, dass mit den Ferien im Mai das Coronavirus damit begonnen habe, sich erneut auszubreiten.

Südkorea bekam die erste Virusausbreitung mithilfe eines umfangreichen Programms zur Fallverfolgung, Testung und Behandlung der Infizierten unter Kontrolle. Die Regierung konnte dabei auf Ausgangssperren verzichten und erließ nur Abstandsregeln, die Anfang Mai gelockert oder in manchen Landesteilen sogar aufgehoben worden.

Wieder Abstandsregeln in Südkorea

Seitdem verzeichneten die Behörden nun aber wieder 35 bis 50 neue Fälle pro Tag, hauptsächlich in der Region um die Hauptstadt Seoul. Beim Zentrum für Krankheitskontrolle und Prävention gibt man sich jedoch zuversichtlich, das Virus einzudämmen. Wenn Abstands- und Hygieneregeln eingehalten würden, ließen sich Übertragungen verhindern. Das hätten die bislang gemachten Erfahrungen gezeigt.

Bisher wurden nach Angaben der Johns-Hopkins-Universität in Südkorea 12.484 Corona-Fälle nachgewiesen, 281 Menschen starben bislang an oder mit ihrer Infektion (Stand: 23.6.)

Ungenaue Angaben aus dem Iran

Auch der Iran erlebt derzeit eine Zweite Welle. Es steigen die Zahlen der Ansteckungen wieder. Offiziellen Angaben der Regierung zufolge infizieren sich pro Tag zwei- bis dreitausend Menschen mit dem Erreger. Beobachter gehen davon aus, dass die Zahlen deutlich höher liegen könnten, da auch zu Beginn der Pandemie die iranische Regierung geschönte Angaben zur Ausbreitung des Coronavirus machte. Die Johns-Hopkins-Universität gibt für den Iran rund 210.000 Ansteckungen an. Bislang gibt es etwa 9.900 Tote (Stand:23.6.).

Neue Corona-Fälle auch in Neuseeland

Nach dreieinhalb Wochen ohne neue Fälle hatte sich Neuseeland vergangene Woche schon für coronavirusfrei erklärt. Dann wurde bei zwei Frauen, die kürzlich aus Großbritannien eingereist waren, der Erreger nachgewiesen. Seitdem wächst in Neuseeland die Furcht vor einer erneuten Ausbreitung.

USA bereiten sich vor

In den USA bereitet man sich nach Regierungsangaben auf eine Zweite Welle vor. Das sagte der Handelsberater des Weißen Hauses, Peter Navarro, am Sonntag im Sender CNN. Man fülle die Vorräte in Erwartung eines möglichen Problems im Herbst auf. Man tue hinter den Kulissen alles, was möglich sei. Das heiße allerdings nicht, dass es passieren werde. "Wir bereiten uns lediglich vor. Mehrere US-Bundesstaaten verzeichnen die zweite Wochen in Folge Rekordanstiege bei der Zahl der bekannten Infektionen. Allein Texas gab für Montag mehr als 5000 neue Fälle bekannt.

Der führende Immunologe des Landes in der Corona-Krise, Anthony Fauci, äußerte sich besorgt über deutlich zunehmende Fallzahlen von Coronavirus-Infektionen. Er sprach bei einer Anhörung im Repräsentantenhaus von einer beunruhigenden Entwicklung unter anderem in Florida, Texas und Arizona. Die nächsten Wochen seien entscheidend dafür, diesem Anstieg entgegenzuwirken, sagte er. Es gebe aber auch Erfolge im Kampf gegen das Virus in den USA. So sei es etwa im Bundesstaat New York gelungen, die Fallzahlen zu senken.

Israel und die Palästinensergebiete

In Israel, auf das viele lange Zeit geschaut haben, weil es so gut durch den Beginn der Pandemie gekommen ist, scheint auch eine Zweite Welle zuzurollen. Ministerpräsident Netanjahu drängte die Bevölkerung jedenfalls diese Woche eindringlich zum Einhalten der Corona-Regeln. "Wenn wir nicht schleunigst unser Verhalten beim Maskentragen und Abstandhalten ändern, werden wir gegen unseren Willen eine Rückkehr der Abriegelungen über uns bringen", sagte er nach einer Kabinettssitzung. "Das will niemand von uns." In Israel waren in den vergangenen Tagen wieder deutlich mehr Neuinfektionen mit dem Virus Sars-CoV-2 gemeldet worden als zuvor.

Inzwischen wurden ebenso wie in den Palästinensergebieten reagiert. Israel verschärfte die Anti-Corona-Maßnahmen in mehreren Stadtvierteln Tiberias. Dort war die Ansteckungsrate besonders hoch. Die Palästinensische Autonomiebehörde verhängte Ausgangsbeschränkungen für die Stadt Hebron im Westjordanland. Außerden dürfen in den palästinensischen Gebieten vorerst keine Hochzeiten mehr gefeiert werden.

WHO: Rekordanstieg bei den Infizierungen

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) meldete Anfang der Woche einen Rekordanstieg bei den weltweiten Coronavirus-Fällen. Die Gesamtzahl der Neuinfektionen steigt nach offiziellen Daten innerhalb eines Tages um 183.020. Laut dem täglichen Bericht der WHO meldet Nord- und Südamerika mit über 116.000 den größten Teil der Neuinfektionen. Weltweit sind nach Angaben der WHO mehr als 8,7 Millionen Menschen an dem Virus erkrankt und mehr als 461.000 an den Folgen von Covid-19 gestorben. Bislang war am 18. Juni mit 181.232 Fällen der größte Anstieg seit dem Ausbruch des Virus verzeichnet worden.

Die Situation in Deutschland

Und wie sieht es hierzulande aus? Nach den lokalen Ausbrüchen im Schlachtbetrieb Tönnies sowie in Göttingen und Berlin registriert das Robert Koch-Institut auch in Deutschland wieder steigende Infektionszahlen. Die für eine Ausbreitung so entscheidende sogenannte Reproduktionszahl lag zwischenzeitlich bei über 2,7. Internationale Medien wie etwa die US-Zeitung Politico spekulierten bereits: "Is Gütersloh where Europe’s battle to prevent a second coronavirus wave starts?" ("Beginnt in Gütersloh Europas Kampf um die Verhinderung einer zweite Coronavirus-Welle?") Inzwischen (Stand 27.6.) liegt der R-Wert wieder deutlich unter 1: Der 4-Tage-R wird vom RKI auf 0,62 geschätzt, der 7-Tage-R-Wert auf 0,83.

Ob die Entwicklungen in NRW jetzt schon Anzeichen einer zweiten Welle sind, darüber sind sich die Experten aber uneins. Der Virologe Christian Drosten sagte im NDR-Podcast, generell gebe es aktuell in mehreren Orten, darunter auch in Berlin, eindeutige Anzeichen, dass Sars-CoV-2 wieder komme. Schon jetzt sei aus seiner Sicht große Vorsicht geboten, dass sich keine zweite Welle entwickle. "Ich bin nicht optimistisch, dass wir in einem Monat noch so eine friedliche Situation haben wie jetzt, was die Epidemietätigkeit angeht", führte Drosten aus: "In zwei Monaten, denke ich, werden wir ein Problem haben, wenn wir nicht jetzt wieder alle Alarmsensoren anschalten."

Eine zweite Welle könnte sich laut Robert Koch-Institut auch in Deutschland entwickeln. RKI-Chef Wieler sagte, man wisse aber, wie man dies verhindern könne: "Wenn wir weiterhin beispielsweise Großveranstaltungen verbieten, können wir die zweite Welle verhindern". Die Menschen in Deutschland müssten sich auch für die nächsten Monate auf ein Leben mit Einschränkungen einstellen. Wieler betonte, man werde das Virus kontinuierlich im Land haben, lokale Ausbrüche werde es wohl weiter geben. Man müsse weiter wachsam sein und Abstands- und Hygieneregeln einhalten. "Das wird die neue Normalität sein für die nächsten Wochen und Monate", sagte Wieler.

Dlf-Autor Volkart Wildermuth hat in der Sendung "Sprechstunde" versucht, die Frage "Kommt eine zweite Welle?" zu beantworten und das Für und Wider gegeneinander abgewogen. Der bayerische Ministerpräsident Söder betont derweil: "Dass es eine zweite Welle gibt, da bin ich ganz sicher. Der CSU-Chef führte auf einem Online-Podium der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (vbw) in München aus, die Ausbrüche in Nordrhein-Westfalen, Peking und anderswo zeigten, dass schon ein Funke genüge.

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