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Covid-19Wie es um Diskotheken und Clubs in der Coronakrise steht

Der Plattenspieler (Turntables) einer Musikanlage, aufgenommen am 14.04.2005 (picture-alliance/ ZB / Andreas Lander)
Diskotheken dürfen derzeit keine Partys veranstalten. (picture-alliance/ ZB / Andreas Lander)

Spanien, Italien und Malta haben ihre Diskotheken aufgrund der steigenden Coronainfektionen schon vor Wochen wieder geschlossen. In Deutschland waren die Clubs seit dem Frühjahr quasi nicht mehr geöffnet. Nun hoffen einige Clubbetreiber auf Wiedereröffnungen unter strengen Hygienekonzepten - trotz steigender Infektionszahlen.

Viele Menschen auf engem Raum, laute Musik und laute Gespräche, Alkoholseligkeit, Flirtstimmung: Man muss kein Epidemiologie sein um zu verstehen, dass Diskotheken im Normalbetrieb dem Coronavirus ideale Bedingungen zur Ausbreitung bieten. In Südkorea hatte bereits Mitte Mai ein Fall für Aufsehen gesorgt: Nachdem das Virus im Land unter Kontrolle gebracht wurde, steckte ein Mann Dutzende Menschen an nur einem Abend in Nachtclubs an - ein Superspreading-Event. Der erneute Ausbruch brachte das südkoreanische Gesundheitssystem fast an seine Kapazitätsgrenzen. Auch die Apres-Ski-Partys im österreichischen Ferienort Ischgl haben gezeigt, dass Coronavirus und Feiern nicht zusammenpassen.

Trotzdem öffneten Urlaubsländer wie Spanien, Italien oder Kroatien ihre Clubs im Sommer. Denn sie sind ein Eckpfeiler der Tourismusindustrie, die wiederum in diesen Ländern ein wichtiger Wirtschaftszweig ist. In Spanien und Italien wurden die Diskotheken im August landesweit wieder geschlossen, in Kroatien die Öffnungszeiten zumindest verkürzt. Man balanciere zwischen gesundheitlichen und wirtschaftlichen Interessen, sagte Kroatiens stellvertretender Innenminister Trut damals.

Wie ist die Situation in Deutschland?

In Deutschland gehörten die Diskotheken mit zu den ersten Betrieben, die schließen mussten. Und während Theater, Kinos und Bars unter Auflagen längst wieder geöffnet sind, müssen die meisten weiterhin geschlossen bleiben. Die Hilfen vom Staat haben viele längst aufgebraucht. Als "besonders dramatisch" beschrieb Dehoga-Präsident Zöllick die Situation der Diskotheken und Clubs im August. Da es noch immer keine Öffnungsperspektive gebe, wachse die Verzweiflung der Unternehmer von Tag zu Tag, sagte er. Die Betriebe wüssten nicht, wie sie durch die Krise kommen können und befürchteten ein massives Disco- und Clubsterben, betonte er.

In Sachsen-Anhalt dürfen Diskotheken voraussichtlich ab dem 1. November wieder öffnen. Sie dürfen nicht mehr als 60 Prozent der maximal zugelassenen Besucherzahl einlassen. Zudem müssen Anwesenheitslisten geführt und Mindestabstände beachtet werden. Nicht wenige Betreiber von Clubs in der Landeshauptstadt Magdeburg hadern allerdings mit einer Öffnung, wie die Volksstimme berichtete. Für einige rechnet sich die geringere Auslastung kaum, andere wollen die Verantwortung nicht tragen und befürchten Falschangaben oder Regelverstöße der Gäste.

In mehreren Bundesländern waren Diskobetreiber vor Gericht gezogen. In Nordrhein-Westfalen etwa wandte sich eine Clubbetreiberin aus Köln an das Oberverwaltungsgericht, wie der WDR berichtete. Sie hielt die Betriebsschließung ohne angemessenen finanziellen Ausgleich für rechtswidrig. Ihre Klage wurde abgelehnt. Denn die Verbreitung des Virus werde dadurch begünstigt, dass in Diskotheken viele wechselnde Gäste, in meist schlecht belüfteten Räumen und zumeist über längere Zeit dicht gedrängt beieinander stünden, säßen oder tanzten, hieß es. Hygieneregeln, wie sie in Theatern oder Bars gelten, hielten die Richter in Clubs und Diskotheken für ungeeignet. In München klagen sechs Clubbetreiber und hoffen auf Schadenersatz, wie die Süddeutsche Zeitung berichtet.

Was können Clubbetreiber tun?

Derzeit ist - außer in Sachsen-Anhalt - nicht absehbar, wann die Diskotheken wieder für Partys öffnen können. Die einzelnen Regeln machen die Bundesländer, doch viele ordnen die Clubs in die Liste jener Orte und Veranstaltungen ein, die erst im letzten Schritt öffnen dürfen.

Vielerorts dürfen Diskotheken und Clubs ihre Räume allerdings für kleinere Veranstaltungen unter Corona-Auflagen vermieten - doch den Umsatz von Partywochenenden dürften sie damit kaum erreichen. In Hannover hat sich eine Diskothek zur Bar umgebaut. Einige Betriebe versuchen es mit kreativen Lösungen: In Köln hat ein Technoclub einen kleinen Biergarten vor seinem Geschäft eröffnet, in Berlin präsentiert das Berghain in seinen Hallen Kunstausstellungen. Wer einen Außenbereich hat, versucht dort kleinere Partys zu organisieren. Ein Escape-Room in Hannover führt inzwischen Mini-Partys durch, bei der kleine Freundeskreise je in einem Raum unter sich bleiben und feiern können - das Konzept wurde genehmigt und wird gut angenommen, wie die Hannoversche Allgemeine berichtete.

Zudem gehen die Betreiber sowie andere Menschen aus der Veranstaltungsbranche regelmäßig auf die Straßen - Anfang September etwa bei einer Großdemonstration der Branche unter dem Motto Alarmstufe Rot in Berlin.

Wohin mit den jungen Leuten?

Die Clubschließungen betreffen nicht nur die Besitzerinnen und Besitzer, sondern auch die Kundschaft. Robert Gaa, Nachtbürgermeister in Mannheim, sieht es so: Die Menschen bräuchten Begegnungsorte, an denen sie in sozialen Kontakt treten können und sich mit anderen austauschen können. Weil coronabedingt alle Clubs, Diskotheken und Livemusikspielstätten dicht sind, verlagere sich die soziale Interaktion in den öffentlichen Raum. Das ist in zahlreichen Städten zu beobachten. Vor allem junge Menschen treffen sich an Orten, die auch vor der Corona-Pandemie beliebt waren: Parks, Flussufer, Plätze in der Innenstadt.

In Stuttgart und Frankfurt am Main war es wohl auch deshalb zu Krawallen gekommen. Dort hatten Feiernde die Polizei mit Gegenständen beworfen, Dutzenden Menschen wurden festgenommen. Vielerorts gibt es aber auch friedliche Partys - auf denen wohl selten die Corona-Abstände eingehalten werden. In Berlin etwa trifft sich ein Teil der Clubszene seit Wochen zu Partys in der Hasenheide. Viele Feiernde dort gehen davon aus, dass das Ansteckungsrisiko unter freiem Himmel gering oder "gleich null" ist, wie ein junger Mann in einem Deutschlandfunk-Bericht sagt. Zwar gehen Epidemiologen davon aus, dass das Ansteckungsrisiko im Freien im Vergleich zu geschlossenen Räumen deutlich geringer ist - doch es besteht trotzdem. Gerade, wenn sich Menschen etwa aufgrund der lauten Musik anschreien müssten, erhöhe sich das Risiko, wie Forschende sagen.

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