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Covid-19Wie hoch die Dunkelziffer bei den Coronavirus-Infektionen ist

Mensche mit Atemschutzmasken am Flughafen von Wuhan  (MAXPPP/Kyodo )
In der Anfangsphase der Ausbreitung war das Wissen um das Virus noch nicht so groß - ein Grund, weshalb es eine hohe Dunkelziffer geben könnte. (MAXPPP/Kyodo )

Weltweit sind nach Angaben der Johns-Hopkins-Universität mehr als 250.000 Menschen am neuen Coronavirus erkrankt, davon über 18.000 in Deutschland. Klar ist, dass diese Zahlen die Realität nicht ganz widerspiegeln und es eine Dunkelziffer gibt. Zu deren Höhe gibt es verschiedene Vermutungen und Berechnungen.

Die Dunkelziffer lässt sich nur schwer bestimmen. Das liegt unter anderem daran, dass sehr viele Fälle milde verlaufen. Wer gar nicht mekt, dass er sich infiziert hat, lässt sich auch nicht testen, und isoliert sich nicht. Zudem musste sich erst das Wissen über das Virus verbreiten.

Laschet: Dunkelziffer in NRW ist hoch

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Laschet geht von einer hohen Dunkelziffer aus. Ihm zufolge rechnen Mediziner damit, dass die Zahl der Menschen, die das Coronavirus ohne Symptome hätten, sieben- bis zehnmal höher liege als die offizielle Zahl. Das betonte der CDU-Politiker in einer Bürger-Fragestunde des WDR-Hörfunk.

Forscherinnen und Forscher der Columbia Universität kommen in einer Simulation zu dramatischen Dunkelziffern. Sie haben die Ausbreitung des Coronavirus mit einem Pandemie-Simulationsprogramm nachgespielt. Die Daten für ihre Berechnungen stammten aus der frühen Phase der Epidemie in China, als es noch keine Kontaktbeschränkungen gab. Demnach kamen auf jeden nachweislich Infizierten etwa sieben unentdeckte Fälle, schreiben die Autoren im Fachmagazin "Science". Das bedeutet: Statt rund 200.000 Fälle könnte es weltweit schon etwa eine Million Infizierte geben, und in Deutschand rund 35.000.

RKI: Keine besonders hohe Dunkelziffer

Das Robert-Koch-Institut geht zwar ebenfalls von einer Dunkelziffer aus. Präsident Wieler sagte, die gebe es bei jeder Infektionskrankheit. Es gebe aber keinen Anlass, von einer besonders hohen Dunkelziffer auszugehen, weil in Deutschland sehr früh am Anfang der Coronakrise mit Tests begonnen worden sei und generell sehr viel getestet werde. Der RKI-Präsident betonte aber, dass nach aktuellem Stand die Hälfte der Infizierten tatsächlich auch an der Krankheit Covid-19 erkrankt. "Die anderen Hälfte sehen wir gar nicht."

Auch der Virologe Martin Stürmer geht davon aus, dass die Dunkelziffer in Deutschland vergleichsweise niedrig ist. Er sagte im Deutschlandfunk, hierzulande werde eher breit getestet. Dagegen würden in manchen anderen Ländern überwiegend die Schwerkranken getestet. Wenn tatsächlich die breite Bevölkerung überprüft würden, gäbe es überall deutlich höhere Fallzahlen.

"Menschen, die systematisch übersehen werden"

DLF-Wissenschaftsredakteur Volkart Wildermuth misst der Dunkelziffer eine große Bedeutung für die Prognosen bei. Er teilt die Menschen, die sich zwar infiziert haben, aber noch nicht in der Statistik auftauchen, in drei Kategorien ein: Personen die positiv getestet wurden, aber noch nicht offiziell dokumentiert sind. Menschen, die "systematisch übersehen werden". Und die, die erst mit Zeitverzug bemerken, dass sie sich infiziert haben. Deshalb sei es so wichtig, Ruhe zu bewahren und nicht auf die Zahlen zu starren. Die seien "kein allwissendes Orakel", sagte Wildermuth im Deutschlandfunk.

Anders aber sieht es nach Meinung von Wissenschaftlern in anderen Ländern aus. So haben die Regierungen im Iran und in den USA das Virus lange Zeit unterschätzt, weshalb auch die Zahl der Tests geringer ist als in anderen Staaten. Deshalb vermuten Experten hohe Dunkelziffern.

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