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Covid-19Wie lange sich das Coronavirus auf Oberflächen hält

Eine Gruppe Menschen mit Atemschutzmasken steht mit leeren Einkaufswagen auf einem Parkplatz. (AFP/Miguel Medina)
Einwohner der kleinen Stadt Casalpusterlengo warten darauf, in kleinen Gruppen in den Supermarkt eingelassen zu werden (AFP/Miguel Medina)

Kann ich mich mit dem Coronavirus infizieren, wenn ich im Supermarkt einen Einkaufswagen oder die Türklinke im Büro anfasse? Diese Fragen stellen sich seit Ausbruch der Pandemie viele Menschen. Endgültige Antworten gibt es noch nicht. Die Bedeutung sogenannter Schmierinfektionen wurde von Experten bislang geringer als bisher vermutet eingestuft. Einer neuen Studie zufolge kann das Virus auf glatten Oberflächen wie Handydisplays oder Bankautomaten jedoch bis zu 28 Tage überleben.

Überlebensdauer abhängig von Temperatur

Die Untersuchung wurde von der australischen Wissenschaftsbehörde "Csiro" durchgeführt und im Fachblatt "Virology Journal" vorgestellt. Demnach ist das Virus damit bei Raumtemperatur um 20 Grad deutlich robuster als bislang angenommen; bei 30 Grad betrug die Überlebensdauer nur noch sieben Tage, bei 40 Grad lediglich 24 Stunden. Auf porösen Oberflächen sei die Überlebensdauer des Virus generell niedriger. Bei früheren Studien habe das Virus nur bis zu drei Tage lang auf Kunststoff- und Edelstahloberflächen nachgewiesen werden können, heißt es in dem Bericht. Die Experimente der Studie wurden allerdings im Dunkeln durchgeführt. Sonnenlicht könne das Virus schnell abtöten, schreiben die Forscher.

Nach Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung gibt es bislang keine Fälle, bei denen nachgewiesen wurde, dass das Coronavirus über kontaminierte Oberflächen auf Menschen übertragen wurde.
Unter Laborbedingungen wurde nachgewiesen, dass SARS-CoV-2-Viren auf Flächen einige Zeit infektiös bleiben können, schreibt das Robert Koch-Institut. Die wohl am häufigsten zitierte Studie zum Thema wurde von Experten des US-Gesundheitsinstituts NIH und der Seuchenschutzbehörde CSC erstellt. Danach ergeben sich auf verschiedenen Oberflächen folgende Überlebenszeiten für das Virus:

Kunststoff: 72 Stunden
Edelstahl: 48 Stunden
Papier, Karton: 24 Stunden
Kupfer: 4 Stunden
Aerosole (als Partikel in der Luft): bis zu drei Stunden.

Allerdings verweist das Bundesinstitut für Risikobewertung auf die relativ geringe Stabilität von Coronaviren in der Umwelt.

Virologe Schmidt-Chanasit: "sehr viel dazugelernt"

Der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit verweist im Deutschlandfunk auf Erkenntnisse der vergangenen Monate. Mittlerweile wisse man sehr viel besser als noch im März oder April, wie sich das Virus verbreite, "dass auch Aerosole, insbesondere in geschlossenen Räumen, eine Rolle spielen, dass Schmierinfektionen keine Rolle spielen."

Erkenntnisse der "Heinsberg-Studie"

Der Virologe Hendrick Streeck sagte der Deutschen Presse-Agentur, dass Oberflächen bei der Übertragung offenbar nur eine untergeordnete Rolle spielten. Dies habe die "Heinsberg-Studie" ergeben, die zusammen mit Hygienikern der Uniklinik Bonn erarbeitet wurden. Bei Abstrichen von Oberflächen aus Quarantäne-Haushalten im Ort Gangelt, in dem sich das Coronavirus im Frühjahr ausgebreitet hatte, fand sich der Erreger demnach nur in vier von 119 Proben. Streeck betonte allerdings, die Aussagekraft werde dadurch eingeschränkt, dass Menschen in Quarantäne häufig viel putzten. Deshalb seien die Ergebnisse möglicherweise nicht repräsentativ.

Die Forschenden raten eindringlich, sich regelmäßig die Hände zu waschen, in die Armbeuge zu husten und nicht das Gesicht zu berühren.

Eher Hände waschen als desinfizieren?

Die Deutsche Dermatologische Gesellschaft hält das Waschen der Hände allerdings im Vergleich zum Desinfizieren eher für nachteilig. Denn häufiges Händewaschen entferne nicht nur Schmutz und Viren, sondern auch wichtige Bestandteile, die die Haut schützen, erklärte der Direktor der Klinik für Hautkrankheiten in Jena, Peter Elsner, in der Deutschlandfunk-Sendung „Umwelt und Verbraucher“ (Audio-Link). Wenn das zu häufig passiere, könnten Hautkrankheiten, insbesondere Handekzeme, die Folge sein. Grundsätzlich gilt, dass eine zusätzliche Pflege hilft, die Haut zu schützen.

(Stand: 12.10.2020)

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