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Covid-19Wie lange sich das Coronavirus auf Oberflächen hält

Eine Gruppe Menschen mit Atemschutzmasken steht mit leeren Einkaufswagen auf einem Parkplatz. (AFP/Miguel Medina)
Einwohner der kleinen Stadt Casalpusterlengo warten darauf, in kleinen Gruppen in den Supermarkt eingelassen zu werden (AFP/Miguel Medina)

Kann ich mich mit dem Coronavirus infizieren, wenn ich im Supermarkt einen Einkaufswagen oder die Türklinke im Büro anfasse? Solche Fragen stellen sich seit Ausbruch der Pandemie viele Menschen. Endgültige Antworten gibt es noch nicht.

Erkenntnisse der "Heinsberg-Studie"

Der Virologe Hendrick Streeck erklärte der Deutschen Presse-Agentur, dass Oberflächen bei der Übertragung offenbar nur eine untergeordnete Rolle spielten. Dies habe die "Heinsberg-Studie" ergeben, die zusammen mit Hygienikern der Uniklinik Bonn erarbeitet wurden. Bei Abstrichen von Oberflächen aus Quarantäne-Haushalten im Ort Gangelt, in dem sich das Coronavirus im Frühjahr ausgebreitet hatte, fand sich der Erreger demnach nur in vier von 119 Proben. Streeck betonte allerdings, die Aussagekraft werde dadurch eingeschränkt, dass Menschen in Quarantäne häufig viel putzten. Deshalb seien die Ergebnisse möglicherweise nicht repräsentativ.

Leichter werde das Virus anscheinend über Schmutzwasser-Rückstände im Waschbecken, in der Dusche oder in der Toilette verbreitet. Dort hinterlasse man Spucke, Rachenwasser oder andere Ausscheidungen, in denen das Virus in größerer Konzentration sein könne. Dies könnte gegebenenfalls genutzt werden, um das Infektionsgeschehen über Abwasser-Analysen zu beobachten. Zehn der 66 ausgewerteten Schmutzwasser-Proben aus Gangelt seien positiv gewesen, sagte Streeck. In der Luft fand sich der Erreger dagegen in keiner von 15 Proben.

Für die Studie wurden 21 Quarantäne-Haushalte in Gangelt im Kreis Heinsberg untersucht. 26 der insgesamt 43 dort lebenden Erwachsenen waren positiv auf Corona getestet worden.

Bundesinstitut für Risikobewertung: Kontamination über Oberflächen unwahrscheinlich

Die am häufigsten zitierte Studie zum Thema wurde von Experten des US-Gesundheitsinstituts NIH und der Seuchenschutzbehörde CSC erstellt. Danach ergeben sich auf verschiedenen Oberflächen folgende Überlebenszeiten für das Virus:

Kunststoff: 72 Stunden
Edelstahl: 48 Stunden
Papier, Karton: 24 Stunden
Kupfer: 4 Stunden
Aerosole (als Partikel in der Luft): bis zu drei Stunden.

Was kann man aus den Ergebnissen schlussfolgern?

Das Risiko ist nach Einschätzungen von Experten gering, sich über bestimmte Oberflächen mit Sars-CoV-2 anzustecken. Das Bundesinstitut für Risikobewertung verweist auf die relativ geringe Stabilität von Coronaviren in der Umwelt. Ende April hieß es, es gebe derzeit keine Fälle, bei denen nachgewiesen sei, dass sich Menschen durch Kontakt zu kontaminierten Gegenständen mit dem neuartigen Coronavirus infiziert hätten.

Auch beim Thema Bargeld machen sich viele Menschen Sorgen, viele sind deshalb dazu übergegangen, kontaktlos zu bezahlen. Eine Ansteckung über Bargeld gilt aber ebenfalls als unwahrscheinlich. Die Europäische Zentralbank verweist auf Studien, die zeigten, dass auf Oberflächen wie etwa Plastik in den ersten Stunden 10 bis 100 Mal so viele Viren überleben wie auf Euro-Banknoten.

Die Heinsberg-Studie legt allerdings nahe, dass eine Ansteckung über Abwasser möglich ist. Die Forschenden raten eindringlich, sich regelmäßig die Hände zu waschen, in die Armbeuge zu husten und nicht das Gesicht zu berühren.

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