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Covid-19Wie sinnvoll sind Corona-Massentests für alle?

Markus Söder (CSU), Ministerpräsident von Bayern, nimmt an einer Sitzung des bayerischen Kabinetts teil und hält dabei einen Mundschutz mit der bayerischen Rautenflagge in den Händen. (dpa-Bildfunk / Sven Hoppe)
Kabinett in Bayern beschließt kostenfreie Corona-Massentests (dpa-Bildfunk / Sven Hoppe)

Bayern finanziert als erstes Bundesland Corona-Tests für alle - auch ohne Symptome. Der Schritt wird kontrovers diskutiert. Fachleute sehen darin sogar eine Gefahr.

Das bayerische Kabinett hat beschlossen, Corona-Tests für jedermann zu ermöglichen. Der Freistaat werde die Kosten für die Tests übernehmen, sofern sie nicht ohnehin von den Krankenkassen bezahlt werden müssten, teilte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) in München mit. Dafür werde eine Summe von 200 Millionen Euro für das Jahr 2020 bereitgestellt. Die Testkapazitäten in Bayern würden von 21.000 auf 30.000 pro Tag erhöht. Gleichzeitig solle gezielt in Branchen wie der Fleischindustrie getestet werden.

Bereits die Ankündigung der kostenfreien Massentests in Bayern hatte im Vorfeld eine Kontroverse ausgelöst: Ist es sinnvoll zur Eindämmung der Pandemie, ohne Fokus auf eine bestimmte Personengruppe zu testen?

Wissenschaftler geteilter Meinung

Der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut in Hamburg hält den Schritt für "sehr sinnvoll". Schnelle und kostenfreie Tests ohne große Hürden würden dazu führen, dass Verdachtsfälle schnell diagnostiziert werden können, sagte er dem TV-Sender RTL. Selbst in kleinen Dörfern ohne nachgewiesene Infektionen seien Tests sinnvoll. So erhalte man ein Frühwarnsystem, um eventuelle Herde frühzeitig zu erkennen. Zusätzlich sei es sinnvoll, Berufsgruppen aus den Bereichen Pflege, Kitas oder Schule regelmäßig zu testen.

Max Geraedts, Epidemiologe der Universität Marburg, warnt jedoch davor, dass sich bei zuvielen ungezielten Tests der Ergebnisbericht verzögert und Kapazitäten für andere Berufsgruppen ausgeschöpft sind. Zudem weist er auf die "falsch positiven" Testergebnisse hin. Denn selbst gute Test hätten eine Fehlerquote von rund einem Prozent.

Laut Robert Koch-Institut gibt es aktuell in Deutschland eine tägliche Testkapazität von 169.473 (Stand: 24.06.2020).

Die Gefahr der falschen Sicherheit

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hält umfangreiches Testen für sinnvoll. Er warnt jedoch: "Allerdings ist ein Test immer nur eine Momentaufnahme. Er darf nicht in falscher Sicherheit wiegen." Auch Karin Maag (CDU), gesundheitspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, weist in der "Ausburger Allgemeinen" darauf hin, dass ein Test bei ganz frisch Infizierten noch nicht anschlägt und auch nach einem negativen Test eine Ansteckung jederzeit möglich sei. Maag hält darum gezielte Massentests bestimmter Personen- oder Berufsgruppen für sinnvoller. Nach einer Empfehlung der Gesundheitsminister von Bund und Ländern sollen sich Reiserückkehrer aus Risikogebieten verpflichtend auf das Coronavirus testen lassen. Man sei sich einig, dass die Tests ausgeweitet werden müssten, ein konkreter Beschluss sei aber noch nicht gefasst, teilte Berlins Gesundheitssenatorin Kalayci nach einer Videoschalte mit ihren Kollegen mit.

(Stand 22.07.2020)

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