Mittwoch, 01.04.2020
 
StartseiteKommentare und Themen der WocheWir müssen die Zeit jetzt nutzen!24.02.2020

Covid 19Wir müssen die Zeit jetzt nutzen!

Das neuartige Coronavirus Covid 19 werde sich wohl nicht mehr eingrenzen lassen, kommentiert Volkart Wildermuth. Darauf müsse sich jetzt Deutschland einstellen - die Behörden genauso wie jede und jeder Einzelne. Noch bleibe uns Zeit dafür - so sein Fazit - doch wir müssen sie nutzen.

Von Volkart Wildermuth

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Zwei Frauen mit Mundschutz und Krankenhausuniform gehen vor einer Backstein-Außenfassade eine Treppe aus einem Untergeschoß hoch und tragen Kartons.  (Luca Bruno / AP / dpa)
Die italienische Stadt Codogno ist abgeriegelt. Hier tragen Mitarbeiterinnen des örtlichen Krankenhauses einen Mundschutz. (Luca Bruno / AP / dpa)

Das neue Corona-Virus ist nicht länger nur ein chinesisches Problem. Es gibt inzwischen eigenständige Ausbrüche, die sich nicht mehr direkt auf Kontakte nach Wuhan zurückführen lassen. Sicher in  Südkorea und in Italien, vermutlich auch noch in weiteren Ländern. Damit ist klar: Covid 19 wird sich wohl nicht eingrenzen lassen. Es ist Zeit, die Perspektive zu wechseln. Es geht nicht mehr darum, das Virus aus dem Land zu halten, zentral ist, sich auf die Epidemie im Land vorzubereiten.

Es geht darum die Ausbreitung zu verlangsamen

Wenn sich Covid 19 auch in Deutschland etabliert, dann werden sich viele, sehr viele Menschen infizieren. Für die meisten dürfte das kaum unangenehmer als ein Schnupfen oder eine schwere Erkältung sein. Aber jeder fünfte Mensch ist hierzulande im Rentenalter, dazu kommen noch die chronisch Kranken. Diese Gruppen sind besonders gefährdet. Schon die schwere Grippe im Jahr 2017/18 forderte 20.000 Menschenleben.

Wie die Konsequenzen letztlich aussehen, hängt entscheidend davon ab, ob es gelingt, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen. Das ändert nichts an der Gesamtzahl der Infizierten. Aber wenn die über einen längeren Zeitraum verteilt krank werden, verteilt sich auch die Belastung für die Krankenhäuser und die Folgen lassen sich besser abfangen.

Alle können etwas tun

Deshalb muss schon jetzt geplant und vor allem kommuniziert werden, was auf den verschiedenen Ebenen getan werden kann, getan werden muss. Für den Einzelnen heißt das, vernünftig Hände waschen und schon bei leichten Symptomen zu Hause bleiben, statt die Kollegen auf der Arbeit anzustecken. Betriebe sollten sich auf einen Anstieg der Fehlzeiten vorbereiten, zum Beispiel in dem sie für zentrale Aufgabe mehrere kompetente Mitarbeiter schulen. Die Krankenhäuser sollten ihre Pandemiepläne trainieren und das Verschieben von nicht unbedingt nötigen Operationen vorbereiten. Die Gesundheitsbehörden schließlich müssen überlegen, ab wann Schulschließungen oder das Absagen von Bundesligaspielen und großen Konzerten sinnvoll ist. Wenn diese Aufgaben schon heute angegangen werden, ist das Chaos nicht so groß, wenn sich Covid 19 tatsächlich ausbreitet.

Wichtig ist: für Panik gibt es keinen Anlass. Ja, in Wuhan sind die Zustände chaotisch, es gibt 65.000 Infizierte. Die Ärzte und Krankenhäuser wurden überrascht und deshalb überfordert. Aber in dieser Stadt leben acht Millionen Menschen, das heißt, weniger als ein Prozent sind wirklich erkrankt. Und es gibt Anzeichen, dass die Zahlen sinken, auch dank der drastischen Quarantänemaßnahmen. China hat uns hier in Europa Zeit verschafft. Wir können uns vorbereiten. Aber wir müssen diese Zeit auch wirklich nutzen.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk