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Covid-19Wird der Corona-Lockdown bis Dezember oder sogar Januar verlängert?

Geschlossenes Restaurant, Stühle stehen auf den Tischen (imago images | photothek | Ute Grabowsky)
Wie lange bleiben die Restaurants noch geschlossen? (imago images | photothek | Ute Grabowsky)

Seit Anfang November gelten in Deutschland wieder strengere Kontaktbeschränkungen. Bund und Länder wollen damit erreichen, dass die Zahl der täglichen positiven Corona-Tests wieder deutlich zurückgeht – und, wie immer wieder betont wird, damit auch das "Weihnachtsfest retten". Doch nun mehren sich die Stimmen, die eine Verlängerung und auch Verschärfung der Maßnahmen nicht mehr ausschließen.

Nach übereinstimmenden Medienberichten plädiert Kanzlerin Angela Merkel für einen Lockdown bis kurz vor Weihnachten und strenge Regeln für Silvester. Angeblich ziehen die Bundesländer mit. Der Präsident des Robert Koch-Instituts, Lothar Wieler, sagte gestern auf einer Pressekonferenz, dass die Maßnahmen wirkten und sich die Fallzahlen stabilisierten. Von der Trendwende wollte er aber noch nicht sprechen. Zudem seien die Zahlen weiterhin zu hoch.

Bundesländer streben offenbar Verlängerung des Teil-Lockdowns an

Nach Informationen der „Berliner Morgenpost“ und des „Tagesspiegel“ gibt es Überlegungen, den bis Ende des Monats begrenzten Teil-Lockdown bis mindestens kurz vor Weihnachten zu verlängern. Am nächsten Mittwoch wollen die Länderchefs zusammen mit Bundeskanzlerin Merkel über das weitere Vorgehen in der Corona-Krise entscheiden. Für Montag wird erwartet, dass die Ländervertreter über einen gemeinsamen Vorschlag beraten. Nach dpa-Informationen soll bei den Beratungen der Länder auch über mögliche weitere Corona-Maßnahmen an den Schulen gesprochen werden.

Söder gibt sich pessimistisch

Einer der Ministerpräsidenten, die stets eher strengere Anti-Corona-Maßnahmen verlangt und mehrfach auch verhängt hat, ist der bayerische Ministerpräsident Markus Söder. Bayern ist eines der Bundesländer, die besonders von der Corona-Pandemie betroffen sind. Der CSU-Politiker sagte dem Bayerischen Rundfunk nach der letzten Videokonferenz der Ministerpräsidentinnen und –präsidenten mit Bundeskanzlerin Merkel: "Ich habe wenig Hoffnung, dass Ende November alles wieder gut ist." Die Zahl der Neuinfektionen stagniere, aber das sei nicht genug. Am kommenden Dienstag wird wieder über den sogenannten Lockdown light beraten. Der Münchner Merkur berichtet in diesem Zusammenhang von einem Positionspapier für Bayern, in dem nur noch von Weihnachtsfeiern im "kleinen Familienkreis" die Rede ist. Ein Szenario bringt sogar eine Verlängerung des Lockdowns bis 15. Januar 2021 ins Spiel.

Doch nicht nur in Bayern wird über eine Verlängerung nun auch laut nachgedacht. Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann von den Grünen warnte bereits vor einem harten Winter. An Lockerungen der Beschränkungen sei in den kommenden Wochen nicht zu denken. Das Infektionsgeschehen bezeichnete er als ausgebremst, einen deutlichen Abwärtstrend könne er aber nicht erkennen. Sollte sich das nicht ändern, so Kretschmann, gehe er von strengeren Maßnahmen aus.

Bereits zuvor hatte auch Unions-Fraktionschef Ralf Brinkhaus klargestellt, dass die oft versprochenen Lockerungen im Dezember keineswegs ausgemacht seien. Vieles hänge davon ab, ob alle mitzögen und sich an die Regeln hielten.

Ein prominenter Fürsprecher von schärferen Beschränkungen ist der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach. "Ich gehe davon aus, dass wir den Wellenbrecher-Shutdown verlängern müssen, weil die Wirkung schwächer ausfällt als berechnet", sagte er der Funke Mediengruppe. "Neben den Schulen ist eine zu geringe Beschränkung privater Kontakte wahrscheinliche Ursache." Die Neuinfektionen seien viel zu hoch, beklagte Lauterbach. "Für Lockerungen gibt es keinen Anlass."

Wie geht es mit den Schulen weiter?

Die Rolle der Schulen wird derzeit kontrovers diskutiert. Bislang betonen die Ministerpräsidentinnen und –präsidenten stets, dass die Schulen unbedingt geöffnet bleiben sollen. Nicht mehr kategorisch ausgeschlossen wird dagegen eine Zweiteilung der Klassen – oft in Kombination mit einem sogenannten Wechselmodell, bei dem je die Hälfte der Schülerinnen und Schüler zu Hause lernen müsste. Bayern Ministerpräsident Söder stimmte die Kommunen in seinem Bundesland bereits darauf ein. Im ebenfalls stark betroffenen Nordrhein-Westfalen unterband das Schulministerium jedoch zuletzt einen Vorstoß der Stadt Solingen, die in ihren Schulen generell ein Wechselmodell einführen wollte.

Es gibt jedoch auch weiterhin bekannte Stimmen, die den derzeitigen Teillockdown für nicht zielführen halten. Unter anderem der Virologe Hendrik Streeck fordert regelmäßig, sich eher auf den Schutz der Risikogruppen zu konzentrieren. Er argumentiert, dass es dann keine Überlastung der Intensivstationen gebe und man auf drastischere Maßnahmen verzichten könne.

Erfahrungen aus Belgien

Drastische Maßnahmen hatte zuletzt auch Belgien ergriffen. Das Land war im Herbst zeitweise eines der am stärksten betroffenen Staaten in der EU mit überdurchschnittlich hoher Todesrate. Die Regierung reagierte mit einem strengen Lockdown. Seitdem gehen die Fallzahlen sichtbar zurück. Der Leiter des staatlich-belgischen Gesundheitsamtes Sciensano, der Virologe Steven van Gucht, warnt er vor einer zu schnellen Lockerung der Maßnahmen zum Jahresende, auch in Deutschland: "Ich verstehe, dass die Menschen sich nach einem schwierigen Jahr entspannen möchten." Aber eine Lockerung der Kontaktbeschränkungen über Weihnachten und Neujahr berge die Gefahr einer dritten Pandemie-Welle. Menschen, die sich über das Weihnachtsfest infizierten, könnten wiederum andere an Silvester mit dem Virus anstecken.

Die Wirkung aller Maßnahmen hängt jedoch davon ab, ob die Menschen die Regeln einhalten. Auf den "Querdenker"-Demos fordern die Teilnehmer regelmäßig, die Beschränkungen sofort aufzuheben. Als Bundeskanzlerin Merkel nach der letzten Videokonferenz anregte, auch Kinder sollten sich möglichst nur noch mit denselben Freunden treffen, protestierten auch Verbände und sprachen von einem überzogenen Vorschlag.

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Diese Nachricht wurde am 21.11.2020 im Programm Deutschlandfunk gesendet.