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StartseiteKommentare und Themen der WocheIst die Not groß, funktioniert der Kanzlerwahlverein11.09.2021

CSU-ParteitagIst die Not groß, funktioniert der Kanzlerwahlverein

Zuletzt hatte es gerumpelt zwischen CDU und CSU, jetzt geht vom Parteitag der Christsozialen ein spätes Signal der Geschlossenheit aus, kommentiert Katharina Hamberger. Markus Söder müsse sich nun zusammenreißen, das zeige seine Wiederwahl zum CSU-Chef mit nur 87,6 Prozent.

Ein Kommentar von Katharina Hamberger

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Armin Laschet (l), Unions-Kanzlerkandidat und CDU-Vorsitzender, steht nach seiner Rede beim Parteitag der CSU auf der Bühne neben Markus Söder, CSU-Parteivorsitzender und Ministerpräsident von Bayern. Es ist der erste Präsenzparteitag der CSU seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie. (picture alliance / dpa / Daniel Karmann)
Später Schulterschluss: Söder hielt auf dem CSU-Parteitag eine Rede ohne Spitzen gegen Unionskanzlerkandidat Laschet. (picture alliance / dpa / Daniel Karmann)
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"The final Coutdown" bei der CSU – der 80er-Jahre-Hit wird eingespielt, als Armin Laschet in Nürnberg die Parteitagshalle betritt. Jetzt wird runtergezählt bis zur Bundestagswahl - zwei Wochen sind es noch. Von einer Trendwende, die an diesem Wochenende passieren muss, sprach Markus Söder. Die Not ist groß, die Umfragewerte schlecht, die Angst in der Opposition zu landen, geht um. Und da geht es nicht nur darum, dass man nicht regiert, dann ist auch die Gefahr groß, dass CDU und CSU sich im innerparteilichen Streit zerlegen. Es geht am Ende um nicht weniger als den Status der Volkspartei zu erhalten.

In dieser Lage versucht es die Union dann doch nochmal mit Geschlossenheit – und auch die CSU macht nun mit. Laschet wird von jubelnden Christsozialen begrüßt, die Junge Union schwenkt Schilder, ruft "Armin, Armin", der Rest des Saales klatscht im Stehen. Der beklatschte Armin Laschet weiß, dass er liefern muss – und das tut er. Eine solide Rede hält der Kanzlerkandidat der Union. Zumindest aus Sicht der CSU-Delegierten trifft er den Ton, setzt für die Union wichtige Punkte – und es wird nochmal sehr deutlich, wie die Union in den kommenden zwei Wochen vor allem die Stammwähler und –wählerinnen mobilisieren will: Mit einem Lagerwahlkampf. Es dominiert auch bei Laschet die Erzählung vom Linksrutsch mit Olaf Scholz, vom Linken, der nicht mit Geld umgehen kann. Dass dies verfängt, scheint für die Union im Moment einer der Strohhalme zu sein, an die man sich klammert, denn inhaltlich fehlt nach wie vor das zündende Thema.

Markus Söder (r), CSU-Parteivorsitzender und Ministerpräsident von Bayern, und Armin Laschet, Unions-Kanzlerkandidat und CDU-Vorsitzender, stehen beim Parteitag der CSU am 11.09.2021 gemeinsam auf der Bühne. (picture alliance/dpa | Peter Kneffel) (picture alliance/dpa | Peter Kneffel)Politologe: Söders Sticheleien mitverantwortlich für Abstieg der Union
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Bild der Geschlossenheit nach außen

Laschet jedenfalls wird für seinen Auftritt mit langem Applaus belohnt – natürlich von CSU-Delegierten, die auch wissen, wenn sie ihm an diesem Tag keinen Rückhalt signalisieren, dann war es das, mit der von Söder angekündigten Trendwende. Ist die Not groß, funktioniert der Kanzlerwahlverein Union – das haben die Christsozialen wieder gezeigt. Nach außen entsteht ein Bild der Geschlossenheit – wie belastbar diese ist, wird sich noch zeigen – aber zunächst einmal geht der Plan von Markus Söder auf.

Auch er selbst reiht sich nun ein, hält eine Rede, die ohne Spitzen gegen Laschet auskommt, in der er sich hinter den Kanzlerkandidaten stellt. Auch Generalsekretär Markus Blume musste gestern zurückrudern, nachdem er sich am Freitag noch mit dem Satz "Natürlich stünden wir mit Markus Söder besser da" zitieren ließ, der als weiterer Tritt gegen das Schienbein von Armin Laschet gewertet worden war.

Aber solche Sätze, sie dürften am Ende auch auf die Tage nach der Bundestagswahl ausgerichtet sein. Seit Wochen strickt die CSU-Spitze an der Erzählung, dass die Verantwortung für ein möglicherweise schlechtes Wahlergebnis nicht bei Markus Söder liegt, sondern nur bei einem: bei Armin Laschet. Das dürfte der Hintergrund für die Sticheleien von Seiten Söders und seines Generalsekretärs gewesen sein – ein Manöver das angesichts der schlechten Umfragewerte für die Union aber mehr geschadet als geholfen haben dürfte. Das scheint man jetzt einstellen zu wollen.

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CSU-Chef Markus Söder sieht die Union angesichts schlechter Umfragewerte in einer sehr ernsten Situation. Um die Trendwende noch zu schaffen, rückte er die Entlastung des Mittelstands sowie die Stärkung der inneren und äußeren Sicherheit in den Vordergrund.

Nur 87,6 Prozent für CSU-Chef Söder

Nun muss Söder hoffen, dass dies noch rechtzeitig war. Wenn nicht, kann das für ihn innerhalb seiner Partei noch gefährlich werden. Das drückt sich auch im Wahlergebnis für den CSU-Chef aus. 87,6 Prozent – das ist wohl nicht das Ergebnis, das sich ein Parteichef und Ministerpräsident, der immer gerne mit seinen Beliebtheitswerten kokettierte, kurz vor der Bundestagswahl wünscht. Denn es zeigt auch: Nicht alle in der Partei stehen ohne Wenn und Aber hinter ihm – das dürfte verschiedene Ursachen haben. Eine davon: Sein Umgang mit dem gemeinsamen Kanzlerkandidaten, und dass so mancher Christsoziale ihm dennoch an den schlechten Umfragewerten für die CSU eine Mitverantwortung gibt– so sehr er auch versucht hat, diese von sich zu schieben.

Deshalb ist sein Wahlergebnis auch für Söder ein Signal, sich nun zusammenzureißen. Denn es ist nicht gegeben, dass bei einem schlechten Ergebnis für die Union und vor allem die CSU nicht auch der eigene Parteivorsitzende plötzlich stärker im Fokus steht, als ihm lieb ist.

Katharina Hamberger, Hauptstadtstudio (Deutschlandradio - Bettina Straub)Katharina Hamberger, Hauptstadtstudio (Deutschlandradio - Bettina Straub)Katharina Hamberger, Jahrgang 1985, hat Medienwissenschaft, Politikwissenschaft und Journalismus in Regensburg und Hamburg studiert. Während des Studiums arbeitete sie als freie Journalistin unter anderem für die "taz" und die "Passauer Neue Presse". Journalistische Erfahrung sammelte sie außerdem beim Bayerischen Rundfunk, der Talksendung "Anne Will" und dem "Hamburger Abendblatt". Seit Ende ihres Deutschlandradio-Volontariats 2012 arbeitet sie als freie Korrespondentin im Hauptstadtstudio von Deutschlandradio.

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