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StartseiteKommentare und Themen der WochePartei im Rekordtief feiert Parteichef Markus Söder 18.10.2019

CSU-ParteitagPartei im Rekordtief feiert Parteichef Markus Söder

Markus Söder kann weitermachen mit dem Umbau der CSU. Die Partei bestärkt ihn darin ausdrücklich. Doch, wenn er nicht bald Erfolge vorzuweisen hat, wird ihn die Partei auch ganz schnell wieder vom Podest stoßen. Eine CSU zwischen Klimaskeptikern und Angstmachern, meint Michael Watzke.

Von Michael Watzke

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18.10.2019, Bayern, München: Markus Söder bedankt sich auf dem CSU-Parteitag für seine Wiederwahl zum Vorsitzenden.  (dpa/ Matthias Balk)
Markus Söder bedankt sich auf dem CSU-Parteitag für seine Wiederwahl zum Vorsitzenden. (dpa/ Matthias Balk)

Ein kleines Bäumchen bekommt jeder Teilnehmer und jeder Zuschauer des CSU-Parteitags in München. Eine Mini-Buche als Gastgeschenk, kaum kniehoch. Von einem zarten Pflänzchen spricht auch CSU-Chef Markus Söder in seiner Parteitagsrede - er meint damit allerdings die Umfragewerte der CSU. Die liegen derzeit bei 37 Prozent, so desaströs niedrig wie bei Söders erster Landtagswahl in Bayern vor genau einem Jahr. Aus CSU-Sicht ist das kein Baum, sondern allenfalls eine Ginsterhecke. 

Die CSU-Delegierten stärken ihren Vorsitzenden ausdrücklich

Trotzdem haben die CSU-Delegierten heute nicht am Watschenbaum gerüttelt, wie man in Bayern sagt. Sie haben ihrem Vorsitzenden Markus Söder nicht die Äste gestutzt, sondern ihm die Wurzeln gestärkt - mit einem Wiederwahl-Ergebnis von 91 Prozent. Das sind vier Prozent mehr als bei der letzten Wahl vor neun Monaten. Dieses Ergebnis bedeutet: für Söder wachsen die Bäume zwar nicht in den Himmel, aber es sägt auch niemand am Stamm.

Und das ist vernünftig. Denn Söder hat einen Plan. Er will die CSU als Volkspartei erhalten, indem er ihre Wurzeln verbreitert. Nicht nur auf dem Land, sondern auch in den Städten soll die Partei wählbar bleiben. Indem sie sich modernisiert, jünger wird, mehr Frauen und mehr zugezogene Neubayern anspricht. Dass die CSU dazu auch grüner werden muss, ist nur folgerichtig. Sie darf aber nicht versuchen, die Grünen zu kopieren. Sie muss die Balance halten zwischen Klimawandel-Leugnern und Angstmachern. Zwischen "Morgen geht die Welt unter" und "CO2 sieht man nicht, also gibts das nicht." 

Markus Söder macht bisher alles richtig

Zwischen diesen beiden Extremen wächst ein Wählerpotential, mit dem die CSU wieder aufblühen kann. Söder ist dafür der richtige Gärtner. Er packt zu, ist fleißig und hat ein gutes Gespür dafür, woher der Wind bläst, ohne ein Windrädchen zu sein. Bisher hat Söder keine großen Fehler gemacht, und seine Partei gibt ihm die nötige Zeit. 

Zu Füßen liegt ihm die CSU-Basis aber nicht. Wenn der Söder-Baum nicht bald wächst, wenn die Kommunalwahlen im nächsten Frühjahr verloren gehen, wenn die Umfragewerte auf Ginsterhecken-Niveau bleiben - dann ist nicht auszuschließen, dass Söder innerparteilich zurechtgestutzt wird. In der CSU, dieser anarchischen Partei, kreischt bei andauernder Erfolglosigkeit schnell die Kettensäge. 

Das kleine Buchenbäumchen-Geschenk vom Parteitag trägt übrigens einen Hinweis: regelmäßig gießen und gut pflegen. Das sollte sich Söder auch in Sachen CSU-Basis merken.

Michael Watzke  (©Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Michael Watzke (©Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Michael Watzke, geboren 1973 in Remscheid, absolvierte die Deutsche Journalistenschule. Er studierte Politik und Soziologie in München und Washington DC. Nach Stationen bei SZ und BILD arbeitete er als Chefreporter für Antenne Bayern. 2003 gewann er den Axel-Springer-Preis. Danach Ausbildung an der Drehbuch-Werkstatt der HFF München. Als Autor des TV-Dramas "Das letzte Stück Himmel" (Regie: Jo Baier) erhielt er den Robert-Geisendörfer-Preis und war für den Deutschen Fernsehpreis nominiert. Arbeit als Regisseur und Produzent. Seit 2010 berichtet er für Deutschlandradio als Bayern-Korrespondent aus München.

 

 

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