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StartseiteKommentare und Themen der WocheEin Geist von Harmonie, ein Geist von Frieden05.01.2019

CSU-Winterklausur in SeeonEin Geist von Harmonie, ein Geist von Frieden

Unterschiedliche Meinung, aber weniger Streit - CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer und CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt sind zuversichtlich für 2019. Der positive Geist von Seeon sei aber vor allem ein Zweckoptimismus, kommentiert Tobias Krone die neue Partnerschaft der Unionsschwestern.

Von Tobias Krone

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Kramp-Karrenbauer und Dobrindt in Winterjacken nehmen sich seitlich und lachend in den Arm, es schneit. Auch zwei weitere Teilnehmer dahinter lachen. (Lino Mirgeler / dpa)
So viel Schmusekurs war selten: Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) und Alexander Dobrindt (CSU) Arm in Arm in Seeon. Doch die Zeichen der Zeit stehen weiter auf Sturm. (Lino Mirgeler / dpa)
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Deutschlands Konservative sprechen von einem Neuanfang – mit dem Ende der Klausurtagung in Seeon. Atmosphärisch ist er tatsächlich gelungen. Doch gerade in Bayern kann man skeptisch fragen: Wie viel Optimismus erträgt die Realität, die weiterhin schwierig bleibt? Zunächst: Die Akteure der bayerischen CSU dürften vor allem deshalb so optimistisch gestimmt sein, weil sie in diesem Jahr die Chance haben, ihre persönlichen Kernkompetenzen auszuspielen. Oder sich glaubhaft neue zuzulegen. Zu letzterer Gruppe gehört Markus Söder. Nach seinem aggressiven Landtagswahlkampf, der verloren ging, muss, darf und will der Ministerpräsident nun in die Rolle des Landesvaters hineinwachsen. Diesen Rollenwechsel hat ihm bisher niemand abgenommen. Doch er bemüht sich, und betont, manchmal ein wenig zu bemüht, dass das Aufregerthema Asyl die Bürger derzeit vor allem nervt. Söder will nun also ausgleichender werden, das Hardliner-Image loswerden. Kein Jahr wäre dafür besser geeignet als dieses, in dem sich die CSU für die Europawahl gemäßigte Töne und Harmonie mit der Schwesterpartei verordnet hat.

Endlich Harmonie statt Polarisierung

Ebenfalls gut damit fahren dürfte Generalsekretär Markus Blume. Er kann sowohl seine Fähigkeiten als Parteistratege ausspielen als auch sein Profil: Er ist kein Schreihals, dafür Großstädter, liberal und kirchlich engagiert: genau die Milieus, in denen die Christsozialen wieder Boden gut machen wollen. Noch-Parteichef und Innenminister Horst Seehofer könnte vielleicht immerhin die Weisheit erlangen, sich nicht permanent mit der Kanzlerin zu bekriegen – denn sowohl ihm als auch ihr dürfte die Macht aus der Partei fehlen. Und Alexander Dobrindt? Der Landesgruppenchef der CSU im Bundestag hat sich alle Mühe gegeben, einen positiven Spirit zu inszenieren, den er heute historisch etwas großformatig als "Geist von Seeon" verstanden wissen wollte – ein Geist von Harmonie, ein Geist von Frieden.

Zweckoptimismus ist der Geist von Seeon

Mutig ist das insofern, als die Realität so schwierig ist wie drei Tage zuvor: Für die Europawahl bekäme die CSU derzeit noch dürftige 36 Prozent, die Beliebtheits-Werte der Großen Koalition in Berlin sind verheerend. Dobrindt sollte klar sein, dass der Geist von Seeon vor allem ein Zweckoptimismus ist.

Doch es gibt auch Anzeichen für Realismus bei der CSU. So will man sich in der Migrationspolitik auf das Machbare beschränken. Was das heißt, hat Innenminister Horst Seehofer inzwischen schon bewiesen. Seine Zustimmung zum Fachkräftezuwanderungsgesetz vor Weihnachten – gegen seine CSU-Landesgruppe – war so ein Zugeständnis an die Machbarkeit von Politik in einer Großen Koalition. Und es war richtig so. Auch die Lautstärke zu den mutmaßlichen Prügelattacken von Amberg blieb in Seeon während der Klausur in Maßen, auch das ist ein Zeichen dafür, dass man die Notwendigkeit eines Themenwandels verstanden hat. Alexander Dobrindt dagegen hielt es offenbar im Bereich des Machbaren, in seinem diesjährigen Essay den Grünen Parallelen mit der AfD zu unterstellen: eine sehr gewagte These, spätestens nach der bayerischen Landtagswahl im vergangenen Jahr, bei der viele CSU-Wähler den Grünen ihre Stimme gaben, weil in ihren Augen die CSU zu viele Parallelen mit der AfD aufwies.

Immerhin: Ein gelungener Auftakt

Doch eines muss man Dobrindt lassen, er hat die CSU in Seeon in ein neues, helleres Licht gehoben. Er hat die neue Vorsitzende der Schwesterpartei eingeladen – und zusammen mit ihr glaubhaft eine neue Phase der Partnerschaft eingeläutet. Annegret Kramp-Karrenbauer hat es geschafft, mit ihrer Frische den Streit, die persönlichen Anschuldigungen und den Besuch von Victor Orbán an derselben Stelle vor einem Jahr – zumindest für die nächsten Monate vergessen zu machen. 

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