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StartseiteKommentare und Themen der WocheDeutschland muss sich besser gegen digitale Angriffe schützen11.10.2018

Cyber-Attacken Deutschland muss sich besser gegen digitale Angriffe schützen

Die Gefahr durch Hacker-Angriffe in Deutschland steigt, das zeigt ein aktueller Bericht der Bundesregierung. Aber dass diese Bedrohung zunimmt, sei keine neue Erkenntnis, meint Gerwald Herter. Das Problem stecke vielmehr in der deutschen Bürokratie.

Von Gerwald Herter

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Eine Cyberattacke treibt die Bundesregierung um (imago stock&people)
Bundesregierung sieht wachsende Gefahr durch Cyber-Attacken (imago stock&people)
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Nicht allein die Zahl sogenannter Cyberattacken auf Ziele in Deutschland hat deutlich zugenommen, auch das Bewusstsein ist gewachsen - für die Gefährlichkeit von digitalen Angriffen auf Behördenrechner, Netzwerke von Kraftwerksbetreibern oder die Infrastruktur von Wasserwerken. Die deutsche Politik hat viel Geld in die Hand genommen und Arbeitsaufträge erteilt um Abwehrmechanismen zu stärken. Womöglich dürfen deutsche Behörden sogar bald zum Gegenangriff übergehen. Noch wird über sogenannte "Hackbacks" heftig debattiert. Ziel ist es dabei häufig, Server zu löschen, die für Angriffe genutzt werden.   

Unklare Zuständigkeiten werden zum Problem

Das große deutsche Problem bei der Abwehr digitaler Angriffe liegt aber anderswo: Wer ist eigentlich für Cyberabwehr zuständig? Diese nur scheinbar so einfache Frage warf vor einem Jahr Thomas de Maiziere auf, als er noch Bundesinnenminister war. Und sie ist immer noch nicht beantwortet. Vielleicht passiert in diesem Bereich derzeit sogar zu viel, jedenfalls passiert zu viel in zu vielen unterschiedlichen Behörden - also im Bund, im Verantwortungsbereich verschiedener Ministerien und auch in den Ländern. So hat das Bundeskriminalamt vor zwei Wochen sein "Bundeslagebild Cybercrime 2017" vorgestellt, heute präsentierte das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik seinen Bericht zur "Lage der IT-Sicherheit in Deutschland 2018". Die Inhalte sind nicht absolut deckungsgleich, aber es gibt doch große Schnittmengen. Beide Papiere enthalten Zahlen zu Hackerangriffen.

Jeder macht sei eigenes Ding

Noch bemerkenswerter ist es, dass Bayern seit Ende letzten Jahres ein eigenes "Landesamt für Sicherheit in der Informationstechnik" in Nürnberg betreibt, dessen Strukturen die des Bonner BSI zum Teil spiegeln. Außerdem wäre da noch die Bundeswehr: Im April 2017 wurde das "Kommando Cyber- und Informationsraum" in Dienst gestellt, auch dort fühlt man sich für Cyberabwehr zuständig. Weder der Militärische Abschirmdienst, noch Verfassungsschützer in Bund und Ländern oder der Bundesnachrichtendienst wollen im Gegenzug jedoch auf ihre Mittel und ihre Kompetenzen in diesem Zukunftsbereich verzichten. Fast allen genannten Behörden ist außerdem gemein, dass sie IT-Spezialisten benötigen, aber nicht immer finden. Kein Wunder, wenn alle gleichzeitig suchen.       

Bei den wenigsten Hacks steht von vorneherein fest, ob die Urheber wirtschaftliche, also kriminelle Interessen verfolgen, ob es militärische Ziele sind oder ob Nachrichtendienste an geheime Informationen herankommen wollen: Die deutsche Cybersicherheitsarchitektur hat sich darauf bisher kaum eingestellt. Effektivität sieht anders aus. Eine Lizenz für "Hackbacks" würde daran nichts ändern.

Gerwald Herter (Deutschlandradio - C. Kruppa)Gerwald Herter (Deutschlandradio - C. Kruppa)Gerwald Herter studierte Geschichte und Internationale Beziehungen in München und Straßburg. Tätigkeit im Institut für Zeitgeschichte, freie Mitarbeit bei ARTE und beim ARD-Fernsehen. Volontariat beim Bayerischen Rundfunk. BR-Korrespondent zunächst in Bonn, dann in Brüssel, anschließend Leiter des ARD-Studios Südosteuropa, später ARD-Terrorismusexperte. Ab 2011 Leiter der Dlf-Redaktion Europa und Außenpolitik in der Abteilung Hintergrund. Seit Juli 2017 Dlf-Sicherheitsexperte.

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