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StartseiteVerbrauchertippInternet-Schäden sinnvoll absichern28.02.2019

CyberversicherungenInternet-Schäden sinnvoll absichern

Wenn vom eigenen Rechner Schadsoftware versendet wird oder mit einer gestohlenen Adresse Waren bestellt werden, kann es teuer werden. Verbraucher können sich gegen dieses Risiko mit einer Privathaftpflichtversicherung absichern. Auch Hausratversicherungen bieten Internetschutz. Ein Überblick.

Von Detlev Karg

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Mann mit Kapuzenpullover sitzt im Schatten eines Tunnels an einem Laptop (imago / Jochen Tack)
Die Chance, in der Cyber-Welt einen Schaden zu erleiden oder selber einen solchen zu verursachen, ist nicht geringer geworden (imago / Jochen Tack)
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Eine der größten Schwachstellen bei der Internet-Nutzung sind die vielen Passworte. Die Vorsichtsmaßnahmen sind hinlänglich bekannt, doch die einen machen Fehler oder sind nachlässig und andere nutzen das dann aus. Beispiel Adressdiebstahl: Bei vielen Onlineshops sind Mail-Adressen und Passwörter ihrer Kunden der Schlüssel zur Bestellung. Möglich ist aber auch, eine weitere Lieferadresse einzugeben, mit falschem Namen etwa. Da oft auch das Zahlmittel, etwa die Lastschrift, schon hinterlegt ist, lässt sich so eine vielleicht teure Bestellung zu Lasten des Kundenkontos umleiten. Versicherer reagieren daher jetzt zunehmend auf mögliche Cyber-Schäden:

"In der klassischen Hausratversicherung sind Internet-Schäden tatsächlich nicht abgedeckt. Wir spüren aber sehr stark, dass sich im privaten Bereich ein Markt und ein Bedarf für Cyberversicherungen entwickelt, ganz einfach weil sich immer mehr Menschen der potentiellen Gefahren bewusst werden. Und deshalb werden wir ab April auch unseren Privatkunden die Möglichkeit bieten, zusätzlich zur Hausratversicherung einen Baustein Internetschutz abzuschließen."

Preise für Zusatzversicherungen im einstelligen Euro-Bereich

Sagt Florentin Bub, Sprecher bei der Gothaer Versicherung. Ob und in wieweit ein solcher Zusatzschutz Sinn macht, muss jeder Verbraucher wie bei allen Zusatzversicherungen für sich entscheiden. Preise diverser Versicherer dafür bewegen sich im einstelligen Euro-Bereich. Doch auch anders herum wird für Verbraucher ein Schuh daraus - etwa wenn ich selber mit meinen Passwortdaten zu leichtfertig umgehe und daraus nachweislich anderen ein Schaden entsteht. Da es kein "Internet-Recht oder –Gesetz" im eigentlichen Sinne gibt, greifen hier die Paragraphen des Bürgerlichen Gesetzbuchs, wie der Kölner Anwalt Manuel Schindler erklärt:

"Bei geleakten real existierenden Nutzerkonten müssen die Betroffenen nachweisen, dass sie selber Opfer sind und den Leak auch nicht durch unsachgemäßen Umgang mit ihren Zugangsdaten zu vertreten haben. Das entspricht den gängigen Beweislastregeln. Hieran wird sich im Hinblick auf die Zuordnung von Lebensrisiken, so denke ich, auch nichts Wesentliches ändern."

Tendenz für Schäden in der Cyber-Welt steigend

Wenn dann vom eigenen Rechner Schadsoftware versendet wird oder mit einer gestohlenen Adresse Waren bestellt und versendet werden, kann es teuer werden. Denn wer einem anderen Schaden zufügt, muss laut gesetzlicher Haftpflicht Schadensersatz leisten. Gegen dieses Risiko können sich Verbraucher mit einer Privathaftpflichtversicherung absichern. Es sei aber definitiv wichtig, in den Versicherungsbedingungen nachzuschauen, ob eine Deckung für elektronische Datennutzung bzw. Internetnutzung vorhanden ist, rät etwa die Gothaer Versicherung den Verbrauchern. Dem stimmt Rechtsanwalt Manuel Schindler zu:

"Viele Schäden sind schon durch traditionelle Versicherungsprodukte abgedeckt, die eigentlich ein Muss sind. Ob darüber hinaus noch eine Absicherung für Fremdschäden, Eigenschäden oder sogar psychologische Betreuung etwa bei Identitätsdiebstahl benötigt werden, hängt von dem bereits bestehenden Versicherungsschutz ab. Da lohnt sich ein Blick in die Policen und eine Prüfung der Angebote.

Die Chance, in der Cyber-Welt einen Schaden zu erleiden oder selber einen solchen zu verursachen, ist jedenfalls nicht geringer geworden. Das Hasso-Plattner-Institut verzeichnet auf seiner Homepage derzeit über 8,1 Milliarden Fälle geleakter Nutzerkonten, Tendenz steigend.

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