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StartseiteKommentare und Themen der WocheAppell für Multilateralismus06.06.2019

D-Day-GedenkfeiernAppell für Multilateralismus

Der gemeinsame Auftritt von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron mit US-Präsident Donald Trump stand im Mittelpunkt der zentralen Gedenkfeier zum D-Day in der Normandie. Macron nutzte den Anlass für einen geschickten Appell für mehr internationale Zusammenarbeit, kommentiert Jürgen König.

von Jürgen König

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Das Foto zeigt Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und der US-Präsident Donald Trump, umgeben von Veteranen, bei der Gedenkfeier zum 75. Jahrestag des D-Day in Colleville Sur Mer. (picture alliance/dpa/Stéphane Geufroi)
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und der US-Präsident Donald Trump bei der Gedenkfeier zum 75. Jahrestag des D-Day in Colleville Sur Mer (picture alliance/dpa/Stéphane Geufroi)
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Die gestrigen britischen Gedenkfeiern zum 75. Jahrestag der Landung in der Normandie würdigten auf eindringliche, auch bewegende Weise die Soldaten, die 1944 im Kampf gegen das Nazitum ihr Leben einsetzten. Die Feierlichkeiten verliefen harmonisch. Zuvor schon hatten sich die anwesenden 13 Staats- und Regierungschefs in einer gemeinsamen Erklärung zur Zusammenarbeit verpflichtet, um Bedrohungen von Sicherheit, Stabilität und Frieden gemeinsam zu begegnen. Das mag lapidar klingen und ist doch nicht wenig angesichts der gegenwärtigen Spannungen in der Welt.

Nach so viel Glanz in Portsmouth fielen die heutigen Feierlichkeiten in der Normandie deutlich bescheidener aus. Es entsprach politischem Kalkül, dass Präsident Emmanuel Macron gar nicht erst versucht hatte, mit dem britischen Aufgebot an politischer Prominenz zu konkurrieren. Stattdessen unterstrich er die Bindung an zwei Partner, die sich gerade von Europa entfernen: Briten und Amerikaner.

Gemeinsames Gedenken, unterschiedliche Schlüsse

Gemeinsame Auftritte gab es nur mit Premierministerin Theresa May und US-Präsident Donald Trump. Er stand im Mittelpunkt der zentralen Gedenkfeier auf dem amerikanischen Soldatenfriedhof von Colleville-sur-Mer. Um die Beziehungen zwischen Frankreich und den USA stand es zuletzt schlecht: in der Handelspolitik, beim Klimaschutz, in der Iran-Politik ist man sich zutiefst uneins. Angesichts der "Gelbwesten"-Proteste hatte Donald Trump die französische Staatsführung auf Twitter offen verspottet. Also ging Macron in die Offensive.

Bei den US-Veteranen bedankte er sich auf Englisch "im Namen der französischen Nation", fünf von ihnen erhob er wegen besonderer Verdienste in den Stand eines "Ritters der Ehrenlegion". Damit stellte er sie in eine der ehrwürdigsten Traditionslinien Frankreichs und dürfte sich – indem er amerikanische Soldaten zu französischen Patrioten erklärte – wie nebenbei auch seine Präsenz im amerikanischen Fernsehen für einige Tage gesichert haben. Dieser Würdigung folgte sogleich die Aufforderung, sich "dem Versprechen der Normandie würdig" zu erweisen – nämlich: Europas Partnerschaft mit den USA zu pflegen.

Macrons Appell für Multilateralismus

Macron sang das Loblied auf die "Allianz der freien Völker". Amerika sei "niemals größer, als wenn es für die Freiheit anderer" kämpfe, sagte er, direkt an den "lieben Präsidenten Trump" gerichtet. Das gemeinsame Vorgehen der Alliierten im Zweiten Weltkrieg sei der Anfang einer neuen Friedensordnung gewesen, betonte Macron. Donald Trump hingegen wertete den Erfolg in der Normandie vor allem als Beweis amerikanischer Größe. Heute sei "Amerika stärker als jemals zuvor", hieß es am Ende seiner Rede. Klarer hätten die unterschiedlichen Haltungen nicht zutage treten können.

Es waren würdige Feierlichkeiten – auch in Frankreich. Emmanuel Macron hat sich wieder einmal als geschickter Diplomat erwiesen, seine politischen Signale waren eindeutig. Bei der Kürze der Gästeliste fiel auch gar nicht auf, dass Deutschland bei den Feierlichkeiten in Frankreich nicht vertreten war.

(©Deutschlandradio / Bettina Straub)Jürgen König (©Deutschlandradio / Bettina Straub)Jürgen König, geb. 1959, Journalist, Autor, Moderator. Studierte Musikwissenschaft und Neue deutsche Literatur in Hamburg und Berlin. Von 1991 bis 1996 freier Kulturkorrespondent in Paris, seither für Deutschlandradio tätig als Redakteur und Moderator, Kulturkorrespondent im Hauptstadtstudio von 2010 bis 2013, im Anschluss Redaktionsleiter von "Studio 9 - Kultur und Politik". Seit Januar 2016 Korrespondent in Paris.

  

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