Donnerstag, 19. Mai 2022

Wahl in Schleswig-Holstein
Mit Daniel Günther wird auch Friedrich Merz zu rechnen haben

Die CDU könne Wahlen gewinnen – wenn die Personen zum Programm passen und Menschen ohne Allüren pragmatisch entscheiden, kommentiert Dlf-Chefredakteurin Birgit Wentzien. Das habe der Wahlsieg von Daniel Günther erneut gezeigt. Günther sei jetzt der Mann hinter Merz.

Ein Kommentar von Birgit Wentzien | 08.05.2022

Gratulation für den Wahlsieger in Schleswig-Holstein, Daniel Günther (CDU).
Gratulation für den Wahlsieger in Schleswig-Holstein, Daniel Günther (CDU). (IMAGO/penofoto)
Das Hoch im Norden heißt Daniel Günther. Und der Mann hat freie Partnerwahl und er wird sich - wen wundert’s - Zeit lassen. Am kommenden Sonntag wählt Nordrhein-Westfalen und danach erst gibt’s „Zwischenzeugnisse“ für alle – für Landespolitiker hier wie dort und für Bundesregierung und Bundes-Opposition.
Daniel Günthers Sieg ist ein Sieg im Energie-Wendeland Nummer Eins. Schleswig-Holstein ist im höchsten Maße attraktiv für Unternehmensansiedlungen, obwohl genau betrachtet auch hier der Ausbau erneuerbarer Energien ein wenig stockte in den letzten Jahren. Das Land zwischen den Meeren liegt aber beim Tempo Längen vor allen anderen Bundesländern und Schleswig-Holstein liegt weit vor Nordrhein-Westfalen. Der Norden holt auf! Und die CDU – sie kann Wahlen gewinnen.
Wenn – wie bei der letzten Landtagswahl im Saarland und am Muster der dortigen Gewinnerin von der SPD, Anke Rehlinger – die Personen zum Programm passen. Wenn Menschen ohne Allüren pragmatisch entscheiden, klar sind in ihren inhaltlichen Botschaften und vor allem eines sein wollen: verlässlich.
Mit Daniel Günther wird auch Friedrich Merz zu rechnen haben. Beide verbindet alles andere als eine Männerfreundschaft. Günther ist ab sofort der Mann hinter Merz - und Hendrik Wüst in Nordrhein-Westfalen würde genau dies mit Sicherheit ebenfalls gerne werden, auch nächsten Sonntag.
Und – im Bund und mit dem Krieg in der Ukraine flimmert derzeit die Ampel aus SPD, Grünen und FDP. Die Bundesregierung hatte sich Klimaschutz und die Modernisierung des Landes auf die Fahnen geschrieben und sie steht in der Zeitenwende vor so ganz anderen Herausforderungen: Verteidigungsfähigkeit stärken, Energieversorgung sichern, Inflation dämpfen oder zumindest abmildern. Alle drei Anteilseigner im Bund haben immense Aufgaben zu schultern. Sie ringen mit sich, sie zögern und zweifeln und suchen nach einer nachvollziehbaren und zugleich vermittelbaren Strategie in einer Situation ohne Beispiel und mit überhaupt nicht absehbarem Ausgang.
Distanz ist spürbar längst zwischen grünen Regierenden und grünen Wählern- und Mitgliedern. Die Waffen-Entscheidungen für die Ukraine rütteln am Selbstverständnis der Partei. Und die SPD hadert, auch und vor allem mit dem eigenen Kanzler. Und der FDP – jetzt in Schleswig-Holstein – kehren die Wähler den Rücken zu auch mit Blick auf die Staatsschuldenberge, die nur eines tun: Wachsen.
Schleswig-Holstein – so betrachtet – ist dagegen Bullerbü. Immerhin – ein Muster hoch im Norden – sei auch im Bund und vielleicht ja auch nächsten Sonntag in Nordrhein-Westfalen – empfohlen. Der Erfolg ist danach! Verantwortlich und ohne Allüren sein, klar in den Inhalten und verlässlich. So gelang – das Hoch im Norden!
Chefredakteurin Deutschlandfunk
Chefredakteurin Deutschlandfunk
Birgit Wentzien wurde 1959 in Hamburg geboren. Sie absolvierte eine Ausbildung an der Deutschen Journalistenschule in München sowie ein Studium der Kommunikationswissenschaften und Politologie an der dortigen Ludwig-Maximilians-Universität. Es folgte 1985 bis 1986 ein Volontariat beim SDR in Stuttgart, wo sie bis 1992 als Redakteurin, Moderatorin und Autorin im Bereich Politik tätig war. 1993 ging sie als Korrespondentin nach Berlin, wo sie ab 1999 als stellvertretende Leiterin, ab 2004 als Leiterin des SWR-Studios Berlin amtierte. Seit 1. Mai 2012 ist Birgit Wentzien Chefredakteurin des Deutschlandfunk.