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StartseiteUS-WahlblogDas Beach House01.11.2012

Das Beach House

Nana Brink über Kindheitserinnerungen an endlose Strände und ein altes Holzhaus

Oohhh Sandy, - ja ich weiß, das sollte man jetzt vielleicht nicht so tralala singen. Aber ich musste es mir noch mal anhören, so richtig schön greasy: "Sandy can't you see I'm in misery..." Okay.

Von Nana Brink

"Sandy" hat zugeschlagen: Zerstörte Strandpromenade in Seaside Heights, New Jersey. (picture alliance / dpa / Michael Reynolds)
"Sandy" hat zugeschlagen: Zerstörte Strandpromenade in Seaside Heights, New Jersey. (picture alliance / dpa / Michael Reynolds)

Heute früh erreichte mich der Anruf meiner Tante. Sie wohnt seit über 50 Jahren in Philadelphia und hat – ungefähr genauso lange – ein Ferienhaus in Delaware, nahe Ocean City, direkt an der Küste. Ja, genau da, wo Sandy an Land gegangen ist. Die Fernsehbilder sehen unheimlich aus. Schäumende Fluten, ein aufgewühlter Strand und sich biegende Bäume.

Ich ertappe mich dabei, dass ich das "Haus an der Beach" suche, so heißt es bei uns in der Familie, in den Fernsehbildern. Das erste Mal war ich Ende der 70er-Jahre dort. Ein einfaches Holzhaus mitten zwischen riesigen Bäumen, vorne eine große Veranda mit Fliegengitter, unterm Dach die Stockbetten für die Kinder und winzige Badezimmer. Meistens haben wir draußen geduscht, unter einer uralten verbogenen Dusche, die an der Holzwand klemmte. Es war Sommer und der Strand nicht weit entfernt. Rechts raus, 200 Meter geradeaus, über den Coastal Highway 1 – und dann ins Meer.

Kilometerlang zieht sich hier der Strand. Ein Bild, dass sich mir tief eingeprägt hat, ein Bild aus Amerika, vermischt mit Kindheitserinnerungen: Das Meer, der Sandstreifen, die Strommasten, der Highway. Meer, Sand, Straße. Den Geruch habe ich heute noch in der Nase: Eine Mischung aus Salzwasser, Sonnencreme, feuchtem Holz und Steak vom Grill.

Was wollte ich erzählen? "Oohh Sandy" ... also der Anruf meiner Tante. Was ist mit dem Beach-Haus? Steht es noch? Ist ein Baum drauf gefallen? Bis wohin ist das Wasser gekommen? Sie lacht und fragt, warum ich so aufgeregt bin. Ich? Wieso ist sie so ruhig? (Dabei müsste ich meine Tante eigentlich kennen). Ja, also sie müsse dann wohl mal vorbeifahren die Tage. Aufräumen. Es lägen jede Menge Äste und Müll um das Haus. Auch bei den Nachbarn. Sonst nichts? Wie meinst Du das, fragt sie mich. Ach der Sturm. Ja, der war auch da. Und hat die Dusche mitgenommen. Aber wir brauchten eh mal eine neue.

Sie lebt schon über 50 Jahre in Amerika.


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