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StartseiteLange NachtDas diamantene Auge der Wirklichkeit29.03.2014

Das diamantene Auge der Wirklichkeit

Eine Lange Nacht über Bohumil Hrabal

Er liebte Katzen und Bier, arbeitete als Altpapierpacker und schrieb. Am liebsten träumte der in einer Brauerei aufgewachsene Bohumil Hrabal in Schenken und Kneipen und lauschte dem von Alkohol befeuertem Redestrom der Gäste. Was er hier an Witz, Weisheit und Wahnsinn aufsog, fand Eingang in Texte, die er zunächst nur für die Schublade schrieb und allenfalls engen Freunden vorlas.

Von Florian Ehrich

Der bekannte Autor Bohumil Hrabal. (picture-alliance / dpa / CTK / Karel Kestner)
Der bekannte Autor Bohumil Hrabal wäre am 28.3.2014 einhundert Jahre alt geworden. (picture-alliance / dpa / CTK / Karel Kestner)

In den 60-Jahren dann, im Zuge einer liberalisierten Kulturpolitik in der Tschechoslowakei, wurde Bohumil Hrabal zu einem der meistgelesenen Autoren seines Landes, erfolgreich verfilmt und vielfach übersetzt. In Hrabals Prosa finden sich Slapstickmotive, der anekdotische Reichtum und anarchische Humor von Jaroslav Hašek und die Absurdität des Surrealismus. Bei aller Heiterkeit seiner Kneipen- und Kleinstadtgeschichten ist sein Blick auf die Welt jedoch alles andere als gemütlich. Die sinnlichen Beschreibungen der Wirklichkeit, die wenig mit einem verordneten sozialistischen Realismus zu tun hatten, zeigen das Grauen gleichberechtigt neben dem Schönen.

1914 geboren, erlebte der studierte Jurist alle Umbrüche, Katastrophen und Revolutionen seines Landes vom Ende der Donaumonarchie über die Okkupationszeit bis hin zum Fall des Kommunismus. Zwischen Suff und Meditation pendelnd, schuf dieser große Dichter Werke, in denen sich auch sein ständiges Ringen um ein Gleichgewicht der Gegensätze - gewissermaßen eine böhmische Erleuchtung - zeigt. Am 28. März 2014 wäre Bohumil Hrabal 100 Jahre alt geworden.

Diese Lange Nacht können Sie nach der Sendung sieben Tage lang in unserem Audio-on-Demand-Angebot nachhören.

Bohumil Hrabal wurde am 28. März 1914 im tschechischen Brünn (Brno) geboren und starb am 3. Februar 1997 in Prag. Mehr über den Autor und seine zuletzt erschienenen Werke bei seinem Verlag Suhrkamp.

Auszug aus dem Manuskript:

Monika Zgustová: "Bohumil Hrabal. Im Paradiesgarten der bitteren Früchte."

"Es ist Erster Mai, Anfang der fünfziger Jahre. Das Städtchen Nymburk in Böhmen feiert - ebenso wie alle Städte in diesem Teil Europas, in dem vor wenigen Jahren die Kommunisten die Macht übernommen haben - den Tag der Arbeit. Die Arbeiter aus den Fabriken und die Angestellten der Staatsbetriebe haben ihre Sonntagskleider angelegt, sich in Reihen aufgestellt und schreiten erhobenen Hauptes durch die festlich geschmückten Straßen voller Fähnchen und Papierblumen. Den Abschluß des Umzuges bilden Schüler und Studenten, die die Uniformen der kommunistischen Jugend tragen: blaue und weiße Hemden und ein rotes, um den Hals gebundenes Tuch.

Der Umzug kommt durch die Hauptstraße, biegt dann nach rechts in eine der Seitengassen ein, und hier schleicht sich plötzlich Chaos in die strenge Ordnung; die Menschen tuscheln, zeigen mit dem Finger, kichern, die Schüler und Studenten brüllen vor Lachen und springen in die Höhe, um besser über die Köpfe der Erwachsenen zu sehen. Aus der Seitenstraße ist gerade ein Mann mittleren Alters gekommen, in einem karierten Hemd, einem Monteuranzug und mit einer flachen Schildmütze; am Ende der langen Stange, die er geschultert hat, hängt ein Kübel, dem der bestialische Gestank von Fäkalien entsteigt: Der Mann räumt heute die Jauche aus der Senkgrube aus. Er geht durch die Straßen, vorbei an den feierlich gekleideten Bürgern, der Kübel schaukelt von einer Seite zur anderen, und die Teilnehmer des Umzugs vergessen vor lauter Schreck, zu winken und Hurra zu rufen, mit offenem Mund starren sie auf die Quelle des Gestanks und tasten nach einem Taschentuch. Als wäre er weit und breit allein, biegt der Mann mit dem karierten Hemd und den aufgekrempelten Ärmeln in eine Gasse ein, die hinausführt aus der Stadt, der Kübel schaukelt hinter seinem Kopf, betont langsam und erhaben geht er mit seiner Ladung in die Felder. Wie ein König seine Schleppe zieht dieser Mann mit dem Kübel einen Schleier des Gestanks, seinen besonderen Schatten, hinter sich her. Auch er feiert, seinen privaten Feiertag: Das Hinaustragen der Fäkalien ist für ihn eine philosophische Messe, in der er der Priester ist und den Kreislauf der Menschheit zelebriert und das Menschliche dorthin bringt, von wo es gekommen ist. Er trägt Kübel um Kübel hinaus auf die Felder und gießt den Inhalt bedachtsam, feierlich als Dünger auf die Erde. Er ist bezaubert von der Schönheit seines alljährlichen Rituals, und in diesem Moment scheint ihm auch das menschliche Schicksal mit all seinen Metamorphosen herrlich.

Der Mann, der immer am Morgen des Ersten Mai die Senkgrube reinigte und in dem Kübel auf der Stange die Fäkalien auf die Felder hinaustrug, war Bohumil Hrabal."

Bohumil Hrabal ist ein Kronzeuge des menschlichen Schicksals mit all seinen Wendungen im 20. Jahrhundert. Am Vorabend des Ersten Weltkriegs bei Brünn geboren, erlebt er als Kind die erste Republik der Tschechoslowakei und als Student den Einmarsch der deutschen Truppen 1939. Beim Staatstreich der kommunistischen Partei im Februar 1948 arbeitet er als Handelsreisender und schreibt für die Schublade. Zwanzig Jahre später ist er in seiner Heimat ein gefeierter Autor, der vielfach übersetzt und verfilmt wird. Die Niederschlagung des Prager Frühlings 1968 schließt ihn erneut für Jahre vom Publizieren in seinem Land aus. Über den Zusammenbruch des Regimes 1989 schließlich berichtet der alte Dichter in einem letzten lyrischen Text, der von Todesahnungen durchzogen ist.

Bohumil Hrabal: "Wir leben in einem Jahrhundert in welchem die Wirklichkeit manchmal übertrifft die Fantasie, und das ist für mich verblüffend, wenn ich gerade begegne einer Wirklichkeit, welche ist voll von Fantasie. Und gerade diese Wirklichkeit ist für meine Fantasie ein Beleg, dass das wirklich ist, dass meine Fantasie ist nicht nur ein Schloss aus Gläsern, sondern das ist der Abglanz des menschlichen Lebens. Und diese Wirklichkeit ist für mich maßgebend, und diese Wirklichkeit ist auch für mich Begrenzung meiner Fantasie."

Warum schreibt ein Mensch? Bohumil Hrabal hat diese Frage mehrfach und unterschiedlich in Interviews, Selbstbeschreibungen und autobiografischen Texten beantwortet. In einem Gespräch im Jahr 1969 findet er eine sehr einfache und schöne Erklärung für den Drang zum Schreibtisch:

Bohumil Hrabal: "Ich hatte keine Ambitionen. Aber bei uns in Nymburk war es so schön, dass ich auf einmal ein Gedicht schrieb. Wer sich zum ersten mal verliebt und Briefe schreibt, strahlt auf alle Seiten Liebe aus. Ja, und ich musste schreiben."

Verwendete Literatur:

Im Paradiesgarten der bitteren Früchte.
Bohumil Hrabal. Leben und Werk.
Monika Zgustová
Übersetzer: Johanna Posset
Suhrkamp, 2001

Die Schur.
In: Bohumil Hrabal.
Die Romane
Übersetzer: Franz Peter Künzel
Suhrkamp, 2008

Schöntrauer.
In: Bohumil Hrabal. Die Romane
Bohumil Hrabal
Übersetzer: Franz Peter Künzel
Suhrkamp, 2008

Jarmilka.
In: Der Tod des Herrn Baltisberger. Erzählungen.
Bohumil Hrabal
Übersetzer: Karl-Heinz Jähn
Volk und Welt, 1970

Das Haus der Freude.
In: Die Bafler. Erzählungen.
Bohumil Hrabal
Übersetzer: Franz Peter Künzel
Suhrkamp, 1966

Allzu laute Einsamkeit.
In: Die Romane
Bohumil Hrabal
Übersetzer: Peter Sacher
Suhrkamp, 2008

Tanzstunden für Erwachsene und Fortgeschrittene.
In: Die Romane
Bohumil Hrabal
Übersetzer: Franz Peter Künzel
Suhrkamp, 2008

Moritat von der öffentlichen Hinrichtung.
In: Erzählungen, Moritaten und Legenden.
Bohumil Hrabal
Übersetzer: Franz Peter Künzel
Suhrkamp, 1982

Interview.
In: Die Katze Autitschko
Bohumil Hrabal
Übersetzer: Karl-Heinz Jähn
Insel, 2001

Ich dachte an die goldenen Zeiten.
In: Die Romane
Bohumil Hrabal
Übersetzer: Susanna Roth
Suhrkamp, 2008

Ein Heft ungeteilter Aufmerksamkeit.
Bohumil Hrabal
Übersetzer: Susanna Roth
Suhrkamp, 1997

Vita Nuova.
In: Die Romane
Bohumil Hrabal
Übersetzer: Susanna Roth
Suhrkamp, 2008

Wer ich bin.
In: Hommage á Hrabal.
Herausgegeben von Susanna Roth
Übersetzer: Susanna Roth
Suhrkamp, 1988

Auszug aus dem Manuskript:

Bohumil Hrabal: "Ich liebe Kneipen. Restaurants ist für mich ein Nonsens. Ich liebe immer nur das Leben und die Leute, ganz gewöhnliche Leute, die Leute dort sind herzlich, und sie könne wirklich so spontan erzählen, also ich habe immer das Gefühl dass die Leute in einem Gasthaus immer frei sind. Und dort möchten sie auch einige Sachen sagen, unter Einfluss auch des Bieres, dass sie den zweiten Tag ganz nervös sind, was haben sie alles gesagt? Aber diese Nervosität, was haben sie gesagt, das ist manchmal auch gegen die guten Sitten oder auch gegen die Moralität, und das ist es ja, was mich interessiert, das ist dasselbe wie der Sigmund Freud über die Fehlleistungen ... Der Mensch sagt etwas aus sich was manchmal seine Grundlage ist. Also mein Leben beginnt nicht wenn ich auf meiner Maschine schreibe, das ist nur der Abglanz, das sind nur meine Marginalia, aber die Wirklichkeit, das wirkliche konkrete Leben, voll von Poesie, voll von Anekdoten, voll von Ironie, manchmal voll von Wehmütigkeit, das ist für mich wie Gorki oder für Isaak Babel, oder für Tschechow, Tschechow ist mein Liebling - also das ist für mich eine Universität. Also wo viele Leute sind und wo herrscht eine Kommunikation."

Auszug aus "Wer ich bin" von Bohumil Hrabal:

"Manchmal sitze ich da und schweige verstockt, überhaupt gebe ich beim ersten Bier ganz klar zu verstehen, daß es mir unangenehm ist, irgendwelche Fragen zu beantworten, so sehr freue ich mich auf dieses erste Bier, und es dauert eine gewisse Weile, bis ich mich an diese tyrannisch laute Kneipe gewöhne, bis ich mich auf so viele Gäste, so viele Gespräche einstelle, es ist, als wollte jeder, daß das, was er sagt, gehört wird, jeder denkt in dieser Kneipe, daß das, was er gerade sagt, beachtenswert sei, und so posaunt er seine banale Botschaft hinaus, auch ich gehöre zu diesen Schreihälsen, nach dem zweiten Bier halte ich gleichfalls das, was ich sage, für ungemein wichtig, und daher schreie ich, ich habe ein geschärftes Auge und gröle meine Sätze in der törichten Annahme, nicht nur mein Tisch, nein, die ganze Welt müsse sie hören.

Neben mir unterhielten sich einige Gäste über Pilze, über den Reizker, ich wartete, bis sie das Wesentliche sagen würden, aber keiner sagte das Wesentliche über den Reizker, also erlaubte ich mir zu sagen ... Meine Herren, der Reizker ist ein mystischer Pilz, die Ringe enthalten die mystische Botschaft dieses Pilzes, denn diese grünlichen, sich verengenden Kreise drechseln bei jedem Reizker einen grünen Nabel heraus, den Mittelpunkt dieser sich konzentrisch verkleinernden Kreise, und dieser Punkt inmitten des Huts ist der Mittelpunkt des Denkens, er ist das, was die buddhistischen Mönche betrachten, der Bauchnabel, durch den sie sich an der Nabelschnur zurück spulen bis zum ersten Bauch unserer Urmutter, der ersten Frau mit glattem Bauch, dem Anfang des Menschengeschlechts, das alles, meine Herren, sage ich, lässt sich als Botschaft aus den konzentrischen grünen Kreisen des rötlichen Pilzes herauslesen, aus diesen Ringen, die das reinste, wesentlichste Symbol des menschlichen Anfangs und der menschlichen Gegenwart enthalten ... Aber meine Herren, Sie die Sie so gern essen, ich verrate Ihnen ein Rezept, wie die spanischen Holzfäller den Reizker im Wald zubereiten. Eine Schicht Wurst, eine Schicht Reizker, dann in Streifen geschnittene Paprika, eine Schicht Speck, dann in Scheiben geschnittene Tomaten und dann eine Schicht Reizker, und so eine Schicht auf die andere, erst zuoberst wieder Wurst, alles wird über dem Feuer gebraten, und wenn es fertig ist, kann man es mit geriebenem Käse bestreuen. Und ich schrie diese beiden Botschaften hinaus, da man mich sonst nicht gehört hätte und ich außerdem den Eindruck hatte, daß ich so schreien müsse, damit es nicht nur in Prag, sondern im ganzen Bezirk, im ganzen Land in ganz Europa gehört werde, darum schreie ich Tor immer so gern, weil ich glaube, daß das, was in mir ist, allen gehört ... Und ich saß im Goldenen Tiger, blickte in die Gesichter der Gäste, und ja, nicht Gefasel, nicht Geschwätz, manchmal, Herr Vaclav Cerný, ist so eine heiser geschriene Kneipe eine kleine Universität, wo die Leute sich unter dem Einfluss des Bieres Geschichten und Begebenheiten erzählen, die die Seele verletzen, und über den Köpfen schwebt in Form von Zigarettenrauch das große Fragezeichen des Absurden und Wunderbaren im menschlichen Leben ... Ich verstummte, dieser Reizker und die konzentrischen grünen Kreise, dieser grüne Punkt mitten auf dem rötlichen Hut des Pilzes, Omphalos, der Nabel der Welt, durch den hindurch man bis zum glatten Bauch der Urmutter Eva gehen kann ... und so lief ich mitten im Gespräch gedankenverloren bis in die Kindheit zurück, als ich zum ersten Mal in einem Gasthaus war, das mich dermaßen bezauberte, daß die Kneipe zu meinem Schicksal wurde."

Hrabals Stammkneipe ist der "Goldene Tiger" in Prag. In seinen letzten Lebensjahren muss er jedoch eine Vertreibung aus dem Paradies erleben. Es spricht sich herum, dass Hrabal, nachdem er in Kersko seine Schar Katzen gefüttert hat, jeden Abend in den "Tiger" einkehrt, um sich dort, je nach Befinden, mit den Gästen zu amüsieren oder mürrisch in sein Bier zu starren. Es kommen nicht nur lästige Verehrer des Dichters, die um Signierung seiner Bücher bitten, sondern organisierte Touren mit ganzen Busladungen voller neugieriger Touristen, die einen Blick auf die alte Sphinx erhaschen wollen. Die Kellner versuchen, ihren berühmten Gast zu schützen, aber für einige Zeit ist der Andrang so groß, dass der große Lobsänger des Bieres in eine andere Kneipe umziehen muss. 1994 besucht der amerikanische Präsident Bill Clinton Prag und lässt sich von dem verehrten Václav Havel auch in den "Goldenen Tiger" führen. Unter den ausgewählten Stammgästen, die anwesend sein dürfen, befindet sich auch Bohumil Hrabal, der Clinton das schöne Kompliment macht, wenn er so furchtlos durch die Kneipe schreite, sehe er aus wie Gary Cooper ...

Die Gasse Am Damm in Prag-Liben, wo Hrabal 25 Jahre lang wohnte, feierte, soff und schrieb ehe er in einen Neubau umzog, fiel dem Bau eines Busbahnhofs neben der städtischen Metro zum Opfer. An Stelle des Hauses Nr. 24 parken jetzt Autos, dahinter steht eine hohe Betonmauer, die ein großflächiges Wandgemälde ziert. Bohumil Hrabal überlebensgroß inmitten seiner Katzen, mit Textauszügen des Dichters und seiner alten Schreibmaschine Marke Perkeo. Ein eher trauriger Ort.

In Nymburk erklärt ein großer Stadtplan am Marktplatz auf Knopfdruck in verschiedenen Sprachen, wo die Hrabals gelebt und gearbeitet haben. Das kleine Museum zeigt Fotos, Dokumente und persönliche Gegenstände des Mannes, der als kleiner Junge in einer schon fernen Zeit auf eigene Faust das Städtchen an der Elbe erkundete.

Immerhin, ein Rundgang durch die Nymburker Brauerei, deren alte Bausubstanz im Kern erhalten ist, lässt die Düfte von Hrabals Kindheit in die Nase steigen: den leicht süßlichen Geruch der großflächig auf dem Malzboden gestreuten Gerste und den herberen der Gärung des schaumbedeckten Bieres in großen Wannen. Die kleine Brauerei nennt ihr Bier "Postrižinské" nach Hrabals Erzählung "Die Schur", und bewirbt das Gebräu mit dem Konterfei des berühmten Sohnes, der eine kleine Gedenktafel an dem Gebäude nur akzeptieren wollte, wenn sie so niedrig angebracht wird, dass vorbeistreunende Hunde sie anpinkeln können ...

Aus dem "Heft ungeteilter Aufmerksamkeit von Bohumil Hrabal:

"Ich bin ein bedeutungsloser Sklave des Unendlichen. Jeden Tag werde ich geköpft, jeden zweiten Tag erstehe ich von den Toten auf, einmal in der Woche fahre ich gen Himmel und werde in den Himmel gehoben, einmal im Monat feiere ich die Verkündigung, einmal pro Quartal werde ich vom Heiligen Geist heimgesucht, jeden zweiten Tag werde ich gefoltert und seliggesprochen, und ein mal pro Jahr bin ich nüchtern. Ist das nicht alles, wenn auch in Miniatur, ein Beweis dafür, daß ich trotz allem ein Geschöpf Gottes bin?"

Und das Ende? In seinem Werk taucht immer wieder die Möglichkeit des Freitodes auf, besonders die Fensterstürze haben es ihm angetan. Am 3. Februar 1997 stürzt Bohumil Hrabal, vereinsamt und von chronischen Schmerzen gepeinigt, aus dem 5. Stock eines Prager Krankenhauses. Er ist 82 Jahre alt. Tod beim Taubenfüttern, so die offizielle Version. Weil Hrabal Legenden liebte, fragen wir nicht weiter nach.

Bohumil Hrabal: "Habe ich auch einige Mollen mit Korn getrunken, einmal, zweimal, also ich war hier glücklich. Dankeschön."

Verwendete Musik:

Finnländischer Reitermarsch
Sven Ake Johanssons Marschorchester
Komponist: Johansson

Red Carpet
Jiri Slitr und Jiri Sust
Jiri Slitr, Jiri Sust
Label: Finders Keepers Records

Jäger aus Kurpfalz
Sven Ake Johanssons Marschorchester
Komponist: Johann Gottfried Rode

Tango für Klavier. Fassung für Akkordeon
Stefan Hussong (Akkordeon)
Komponist: Igor Strawinsky
Label: THOROFON

The Butterfly Cabinet
Jiri Slitr und Jiri Sust
Label: Finders Keepers Records

Dead Men tell no tales
Jiri Slitr und Jiri Sust
Label: Finders Keepers Records


Impro - Ne nehledey
Iva Bittova (Violine, Stimme)
Komponist: Iva Bittova
Label: Ariola

The Juggler
Interpret: Jiri Slitr und Jiri Sust
Label: Finders Keepers Records

Sugar Stealers
Interpret: Jiri Slitr und Jiri Sust
Label: Finders Keepers Records

Strp-teas
Jiri Slitr und Jiri Sust
Label: Finders Keepers Records

Funny Miss
Iva Bittova (Violine,Stimme)
Komponist: Iva Bittova
Label: Pavian Records

Scissors
Interpret: Jiri Slitr und Jiri Sust
Label: Finders Keepers Records

aus: Slawische Tänze Fassung für Orchester, op. 46 (B 83) (Orig. für Klavier zu 4 Händen, B 78), Nr. 5: Skocná A-Dur. Allegro vivace [3'10]
Orchester: Chamber Orchestra of Europe
Dirigent: Nikolaus Harnoncourt
Komponist: Antonin Dvorák
Label: TELDEC CLASSICS

Rhythm is our business
Duke Heitger & His Swing Band
Komponist: Saul Chaplin, James Melvin "Jimmie" Lunceford
Label: Fantasy (amerikanisch)

Man with a Typewriter
Jiri Slitr und Jiri Sust
Label: Finders Keepers Records

Ich koch mir ne Kartoffelsuppe
Insterburg & Co
Komponist: Karl Dall
Label: Philips

Man kann sein Herz nur einmal verschenken
Rudi Schuricke
Komponist: Franz Grothe
Label: Zyx-Records

aus: Konzert für Violoncello und Orchester h-Moll, op. 104 (B 191),
2. Satz: Adagio ma non troppo [11'32]
Pierre Fournier (Violoncello)
Orchester: Berliner Philharmoniker
Dirigent: George Szell
Komponist: Antonín Dvorák
Label: Deutsche Grammophon

aus: Concerto grosso Nr. 6 für Klavier, Violine und Streichorchester,
1. Satz: Andante - Allegro
Orchester: Royal Stockholm Philharmonic Orchestra Streicher
Dirigent: Gennadij Roschdestwjenskij
Komponist: Alfred Schnittke
Label: CHANDOS

Jäger aus Kurpfalz
Sven Ake Johanssons Marschorchester
Komponist: Johann Gottfried Rode

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