Mittwoch, 21.11.2018
 
Seit 20:30 Uhr Lesezeit
StartseiteComputer und KommunikationGut und Böse in der Computerwelt03.11.2018

Das digitale LogbuchGut und Böse in der Computerwelt

Sie wissen, wo wir sind, was wir fühlen, was wir denken: Google, Facebook & Co. Während WhatsApp die kompletten Adressbücher seiner Kunden ausliest, hört sich heute fast romantisch an, wie Monopolisten wie die Deutsche Post oder AT&T in den 80ern die Gemüter erregten, meint Maximilian Schönherr.

Von Maximilian Schönherr

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Das Logo von Google spiegelt sich am 28.06.2013 in Münster (Nordrhein-Westfalen) im Auge des Betrachters. Foto: Friso Gentsch/dpa (picture alliance / dpa / Friso Gentsch)
Auf dem Weg zur totalen Verhaltenskontrolle? Internet-Giganten wie Facebook oder Google wissen wo wir sind, was wir denken und fühlen. (picture alliance / dpa / Friso Gentsch)
  • E-Mail
  • Teilen
  • Tweet
  • Drucken
  • Podcast
Mehr zum Thema

Cory Doctorow im Gespräch Die Zukunft des Daten-Barons

20 Jahre Google Umschlagplatz für unsere Daten

Daten und Demokratie Internetkonzerne unter verschärfter Beobachtung

Algorithmen in der Sozialverwaltung Warum Daten keine Verantwortung übernehmen können

Schaar zur DSGVO "Müssen uns auch selbst darum kümmern, dass unsere Daten sicher sind"

In der Computerwelt gibt es wie auch sonst wo Gute und Böse. Als wir die Computersendung im Deutschlandfunk in den 1990er Jahren starteten, war der Böse Microsoft und der Gute Apple. Apple hatte schon 1984 die Maus, Ordner und Fenster, englisch Windows, eingeführt. Aber obwohl Microsoft das nur schlecht kopierte, kauften 90 Prozent der Kunden Computer mit Microsoft-Windows darauf - weil sie viel billiger waren.

Kompatibel und nicht kompatibel

Microsoft war nicht der Erste, der als markdominierend, also böse, wahrgenommen wurde. IBM hatte einen ähnlichen schlechten Ruf, weil der Konzern in den 1980er Jahren anfing, die Betriebssysteme an seine PCs zu binden. Es gab damals nur die IBM-Kompatiblen und die Nicht-IBM-Kompatiblen, wie zum Beispiel Atari und Commodore.

Erst gut, dann böse - und noch böser

Google war um 2000 herum ein Geheimtipp, eine Suchmaschine, die alle anderen abhängte und statt alles mit Werbung vollzupflastern, eine aufgeräumte weiße Fläche präsentierte. Verdiente daran nichts, war von Grund auf gut. Inzwischen ist Google marktbeherrschend bei Mobiltelefon-Betriebssystemen, als böse, und noch böser wegen Google Maps, sprich: Niemand weiß so genau wie Google, wo wir gerade sind, also auch, mit wem wir gerade zusammen sind. Und das geht Google überhaupt nichts an.

Gläserne Nutzer, goldene Daten

Neu ist allerdings am Gut und Böse, dass es zwei Böse gleichzeitig gibt. Der eine weiß, wo wir sind, der andere weiß, wie wir sind, wie wir uns fühlen, was wir denken: Facebook. Facebook lässt es zu, dass reiche und mächtige Einzeltäter demokratische Wahlen beeinflussen, Facebook verscherbelt die Daten über uns an noch Bösere. Über Whatsapp weiß Facebook nicht nur, wer gerade mit wem eine neue WhatsApp-Gruppe bildet, sondern kennt auch alle Kontakte, die nicht bei WhatsApp sind, weil es die kompletten Adressbücher seiner Kunden ausliest.

Es hört sich heute fast romantisch an: Eine Deutsche Post, die einst das Monopol über alle Telefone und Modems hier Lande hatte; und AT&T in den USA, das 1984 wegen seiner Marktmacht in sieben Trümmerteile zerschlagen wurde, mit putzigen Namen: Baby Bells. Baby Googles und Baby Facebooks klingt nicht so gut. Müssen wir noch nachdenken.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk