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StartseiteKalenderblattDas Ende der Welt ist Donnerstag19.05.2005

Das Ende der Welt ist Donnerstag

Der Halleysche Komet löste 1910 in Europa Weltuntergangsängste aus

Der Halleysche Komet ist seit Hunderten von Jahren einer unserer treuesten Begleiter im Universum. Im regelmäßigen Abstand von 76 Jahren erscheint er an unserem Himmel und fasziniert die Menschen mit seinem Schweif. Früher galten Kometen als Unglücksboten und sorgten deswegen für Angst und Schrecken. Am 19. Mai 1910 erreichte der Halleysche Komet mal wieder seine größte Annäherung an die Erde und sorgte damit weltweit für Aufregung.

Vom Autorenkollektiv Hörwerk

Der Halleysche Komet  bei seinem jüngsten Besuch der Erde im Jahr 1986 (AP Archiv)
Der Halleysche Komet bei seinem jüngsten Besuch der Erde im Jahr 1986 (AP Archiv)

Diesmal sollte das Ende der Welt auf einen Donnerstag fallen. Davon waren viele Menschen rund um den Globus überzeugt. Auslöser dafür war das Erscheinen des Halleyschen Kometen, der am 19. Mai 1910, eben einem Donnerstag, seine größte Annäherung an die Erde erreichte. Schon Wochen vorher war der Komet am Nachthimmel sichtbar und wurde zum gesellschaftlichen Ereignis. So berichtete die Londoner Zeitung:

In Amerika haben verschiedene Luftschiffer Ballonpartien zur Beobachtung des Kometen arrangiert, und auf den Dächern der Wolkenkratzer sind zahllose Kometengesellschaften arrangiert worden.

Von New York bis Konstantinopel fanden Kometenpartys statt. Unzählige Menschen verbrachten die Nächte damit, den Sternenhimmel zu beobachten. Teleskope und Operngläser waren ausverkauft. In Boston versprach der Bürgermeister den Feueralarm auszulösen, sobald der Komet zu sehen wäre, damit die Bewohner der Stadt nicht die ganze Nacht auf den Dächern verbrachten. In Deutschland waren Kometenansichtskarten, Kometenseife und echte Braunschweiger Kometenwurst Verkaufsschlager. Den Kölner Jecken wurde sogar erlaubt, außer der Reihe Karneval zu feiern.

Jenseits dieser Feststimmung löste die Vorstellung, dass die Erde durch den Schweif des Kometen wandern könnte, die wildesten Spekulationen aus. Giftige Gase, die sich im Schweif befänden, sollten zum Auslöschen der gesamten Menschheit führen. Zeitungsberichte aus dem Jahr 1910 dokumentieren die Auswirkungen dieser Massenhysterie:

Sauerstoffflaschen in Paris ausverkauft. - Bauern in Russland legen die Arbeit nieder und erwarten in Leichenhemden den Weltuntergang. - Kalifornischer Bergarbeiter schlägt sich selbst ans Kreuz. - Exsultan Abdul Hamid verweigert Schlaf und Nahrung und erwartet mit bewaffnetem Auge den Kometen. - New York: Passagiere eines Schiffes springen aus Angst vor dem Kometen über Bord und ertrinken.

Angeheizt wurde diese Endzeitstimmung durch Spekulationen über eine Blausäurevergiftung, die der Kontakt mit dem Kometenschweif verursachen sollte. Über die Gefahren eines solchen Kontaktes und die damaligen Prognosen Hans Friedger Lachmann vom Zeiss-Großplanetarium in Berlin:

" Das war Spekulation, selbst wenn das passiert wäre, wäre auch nichts passiert, weil wir eine Erdatmosphäre haben, die ja Teilchen zunichte macht, im Grunde genommen. Auch die kleinen Teilchen die ein Komet natürlich immer auf seiner Bahn verstreut, wenn die in die Erdatmosphäre gelangen, haben wir viele Sternschnuppen und das war's."

Der alle 76 Jahre wiederkehrende Halleysche Komet war 1910 besonders eindrucksvoll, denn er fiel in dem Jahr durch einen sehr langen Schweif auf. Alte überlieferte Ängste vor Kometen als Unglücksboten taten ihr Übriges.

" Das ist wie bei der Astrologie im Allgemeinen, eine Verwechslung von Ursache und Wirkung. Es fand ein negatives Ereignis statt und man sah zufällig am Himmel eine auffällige Erscheinung, einen Kometen zum Beispiel, und daraus zog man einen falschen Schluss, immer wenn Kometen am Himmel erscheinen, dann gibt es unangenehme Erscheinungen. Und so hat sich das offenbar festgesetzt."

So war es wohl eine Mischung aus überliefertem Aberglauben und wissenschaftlichen Spekulationen, die zu einer solchen Verunsicherung führen konnte. Dass es auch möglich war, einen kühlen Kopf zu bewahren, bewies der damalige Leiter der Berliner Sternwarte F.S. Archenhold:

" Es ist sicher, das ein Spinnenfaden einem Elefanten im rasenden Laufe gefährlicher werden kann als die Schweifteilchen eines Kometen der sie durcheilenden Erde schaden können."

Archenhold sollte Recht behalten. Die Menschheit überlebte den 19.Mai 1910.

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