Mittwoch, 19.12.2018
 
Seit 10:10 Uhr Länderzeit
StartseiteHintergrundDas Ende des Geldsegens08.01.2010

Das Ende des Geldsegens

Die Exit-Strategien der Banken

Nach der Lehman-Pleite haben die nationalen Notenbanken enorme Geldmengen in ihre Bankensysteme gesteckt, um Geldinstitute vor dem Zusammenbruch zu bewahren. Jetzt gilt es zu beweisen, dass sie nicht nur Geld mit vollen Händen ausgeben, sondern es auch wieder einsammeln können.

Von Christoph Birnbaum

Zuviel Geld schadet der Wirtschaft. (Stock.XCHNG / Sanja Gjenero)
Zuviel Geld schadet der Wirtschaft. (Stock.XCHNG / Sanja Gjenero)
  • E-Mail
  • Teilen
  • Tweet
  • Drucken
  • Podcast

Mehr als eine Billion Dollar. 1000 Milliarden. Eine eins mit zwölf Nullen. Diese Summe hat die US-amerikanische Notenbank, die "Federal Reserve Bank" – kurz: Fed genannt – im Jahr Eins nach der Lehman-Pleite in das amerikanische Bankensystem gepumpt. Das ist rund drei Mal so viel, wie der gesamte deutsche Bundeshaushalt in einem Jahr ausmacht. Und mehr als die Fed normalerweise in ihren Bilanzen stehen hat. Ihre Bilanzsumme hat sich binnen eines Jahres mehr als verdoppelt: von knapp 800 Milliarden auf rund zwei Billionen US-Dollar. Mit dem Geld hat die "Fed" amerikanische Banken vor dem Zusammenbruch bewahrt, marode Wertpapiere aufgekauft und vor allem den Banken Geld bereitgestellt, um den Interbankenhandel wieder zum Laufen zu bringen. Denn vom Handel mit Geld zwischen den einzelnen Banken hängt am Ende das gesamte Wohl und Wehe der Realwirtschaft ab – in Amerika, genauso wie in Europa.

Das Gleiche macht übrigens auch die "Bank of England", und auch die Europäische Zentralbank in Frankfurt handelt ähnlich. Überall auf der Welt fluteten die Notenbanken die Geldmärkte mit vielen Milliarden Dollar, Euro und Yen, um die Finanzmärkte in der schwersten Rezession seit 1947 vor dem Austrocknen zu bewahren. Gleichzeitig senkten die Notenbanken weltweit die Zinsen auf historische Tiefststände. Heute liegt der Leitzinssatz in Europa bei einem Prozent, in den USA gibt es Geld faktisch für umsonst.

An dieser Stelle zeigt sich der Widersinn der augenblicklichen Finanz- und Wirtschaftskrise: Während die Volkswirtschaften von Amerika, Japan über Europa bis hin zum reichen Dubai sich im Rekordtempo verschulden und nicht mehr wissen, wie sie ihre Haushalte ausgleichen sollen, schwimmt die Finanzwirtschaft zur Zeit in so viel Geld wie noch nie. In viel zu billigem Geld – genauso wie zu Beginn der Finanzkrise.

Besonders problematisch ist, dass die Banken zurzeit das meiste Geld, das sie von den Notenbanken bekommen, auf Konten der Notenbanken bunkern und nicht wieder in den Wirtschaftskreislauf zurückgeben. Und so entsteht, was Wirtschaft und Politik als "Kreditklemme" beklagen und Anfang Dezember auf einem "Kreditgipfel" im Bundeskanzleramt zu lösen versuchten. Aus Sicht der Banken hingegen ist dieses Verhalten nicht nur logisch, sondern zwingend erforderlich, um die dünne Eigenkapitaldecke der Banken weltweit zu verbessern.
Finanz- und Volkswirtschaftler wie Manfred Jäger vom Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln beobachten die Entwicklung mit zunehmender Sorge. Denn wenn der Interbankenhandel – also die Geschäfte zwischen einzelnen Banken - ins Stocken gerät, wird es problematisch:
"Eigentlich funktioniert das wie ein System kommunizierender Röhren, wo die Zentralbank an irgendeiner Stelle Geld einfügen kann und über die Kommunikation der Röhren gleicht sich dann der Wasserstand aus. Wenn die kommunizierenden Röhren aber nicht funktionieren, weil die Banken untereinander keinen ordentlichen Bankenmarkt durchführen, dann haben die einzelnen Banken halt Interesse daran, jede für sich, nach relativ viel Geld zu fragen – also: Wasser zu fragen."

Was aber passiert, wenn vor allem institutionelle Anleger, zum Beispiel Banken, das viele billige Notenbankgeld, renditeträchtiger anlegen wollen? Derzeit liegt dieses Geld nur als Buchwert bei den Zentralbanken. Im Ernstfall müssen die aber richtige Banknoten drucken.

Vor der Krise wussten Zentralbanker in den großen Industriegesellschaften ziemlich genau, wie viel Geld für das Funktionieren einer Volkswirtschaft benötigt wurde. Die gesamte Geldmenge – also, das "fiktive" Geld, das bei der Zentral- und Bundesbank auf Konten liegt, die Geldmenge "M-0", und das Geld, das wir als Verbraucher im Portemonnaie mit uns herumtragen, die Geldmenge "M-1" - war stets oder annähernd gleich groß.
Das ist heute aber radikal anders. Noch einmal Manfred Jäger vom IW Köln:

"Die Geldmenge, mit der Sie und ich bezahlen, ist in der Tat langsamer gewachsen. Das ist die Geldmenge M1. Die Geldmenge M0, die also das Basisgeld darstellt, also Banknoten und insbesondere das, was die Banken bei der Zentralbank haben, die ist explodiert. Dieses Basisgeld, das ist in der Tat enorm gewachsen, aber es wird dem Wirtschaftskreislauf noch nicht zugeführt, oder nur unzureichend zugeführt, sondern die Banken halten es sozusagen unter dem Kopfkissen."

Deshalb nimmt seit Beginn der Finanzkrise weltweit die Geldmenge besonders auf den Konten der Zentralbanken weit stärker zu als das Wirtschaftswachstum. Vor allem in Amerika. Die Bilanzsumme der US-Notenbank hat sich auch deshalb in den letzten zwölf Monaten mehr als verdoppelt, weil die US-Geschäftsbanken binnen kürzester Zeit ihre bei der Fed gehaltenen Einlagen von 0,3 Prozent auf fast sechs Prozent erhöht haben. Damit gehört die amerikanische Zentralbank zu den am rasantesten wachsenden Unternehmen in Amerika. Mit zum Teil absurden Folgen:

Eigentlich leiht sich ein Staat, wenn er Geld braucht, dieses Geld von Geschäftsbanken. Die aber können das Kapital im Moment nicht zur Verfügung stellen. Und so erwarb die Fed für mehrere Hundert Milliarden Dollar auch US-Staatsanleihen. Der Staat kaufte also seine eigenen Schuldscheine zurück, um die langfristigen Zinsen künstlich nach unten zu drücken.

Das gleiche gilt für Europa. Auch die Europäische Zentralbank ist kein unbedingter Hort der Stabilität mehr. Die Geldmenge im Euro-Raum steigt, obwohl diesem Anstieg kein vergleichbarer Warenwert gegenübersteht. Anfang 2002 waren Eurogeldscheine im Wert von 225 Milliarden Dollar im Umlauf. Im Juni des vergangenen Jahres saugten die Kreditinstitute dann von der Frankfurter Notenbank Einjahreskredite in Höhe von 442 Milliarden Euro ab, um durch eine größere Eigenkapitaldecke mehr Sicherheiten vorweisen zu können und dadurch den Interbankenhandel wieder zum Laufen zu bringen. Ende 2009 waren so rund 770 Milliarden Euro in Umlauf beziehungsweise auf EZB- und Bundesbankenkonten gelagert.

Das kann schon bald zu einem ernsthaften Risiko für die Stabilität der Geldwirtschaft werden, wenn dieses Geld nicht rechtzeitig wieder eingefangen wird. Das es zu einer gewaltigen Inflation kommt, ist zwar - bisher zumindest – wenig wahrscheinlich. Die Wirtschaft ist zu schwach und die Arbeitslosigkeit hoch. Viel größer ist die Gefahr einer Vermögenspreisblase, also einer Ansammlung von Kapital vor allem bei institutionellen Anlegern, wie Banken, die nach renditestarken Anlagen in Aktien, Immobilien und Rohstoffen suchen. Denn in der Summe führt das viele Geld, das die Banken bei den Zentralbanken zurzeit geparkt haben, zu einer gewaltigen globalen Überschussliquidität. Geldmarktexperte Manfred Jäger vom Institut der deutschen Wirtschaft in Köln:

"Bisher gehen die Banken davon aus, dass sie das Geld nur bekommen haben aus Sicherheitsmotiven und nicht eben, um eine Blase anzufachen. Die Frage ist natürlich, ob die Banken glauben, dass die Zentralbank glaubwürdig das Geld rechtzeitig entzieht."

Wenn nicht, dann hätten wir eine vergleichbare Situation, wie zu Beginn der letzten Finanzkrise: Zu viel billiges Geld sucht sich lukrative Renditen – in zweifelhaften Immobiliengeschäften wie dem welthöchsten Wolkenkratzer in Dubai oder in überhitzten Rohstoffmärkten, die den Mineralöl- oder Goldpreis nach oben jagen und damit am Ende die globale Weltwirtschaft erneut in eine – weitaus größere Krise – stürzen könnten.

Doch die Risiken eines solchen Ausstiegs aus der Geldschwemme sind enorm. Noch einmal Manfred Jäger:

"Es ist eben auch ein Spiel, das zwischen den Banken und Zentralbanken gespielt wird und wenn es dann irgendwann einmal unglaubwürdig werden würde, das die EZB ihr Geld auch wieder schnell entzieht dann würde es in der Tat zu einem zu leichten Geld führen, und dann müssten wir uns Sorgen machen."

Deshalb redet besonders die EZB immer wieder über eine "Exit-Strategie. Geldpolitisch steht somit der eigentliche Test erst noch bevor. Besonders für Ben Bernanke, den Chef der amerikanischen Notenbank Fed. Er muss in seiner zweiten Amtszeit, die im Februar beginnt, beweisen, dass er nicht nur Geld mit vollen Händen ausgeben, sondern es auch wieder einsammeln kann. Damit dies gelingt, kommt es auf das richtige Timing und das richtige Volumen an.

Wird er beim ersten Anzeichen eines wirtschaftlichen Aufschwungs kräftig und nachhaltig die Zügel anziehen, um zu verhindern, dass die Wirtschaft mit zu viel geldpolitischem Schub in eine inflatorische Überhitzung steuert? Oder wird er spät und vorsichtig agieren, aus Angst, einen einsetzenden Aufschwung abzuwürgen und möglicherweise die Wirtschaft erst recht in eine tiefe Rezession zu schicken?

Für Roland Vaubel, der Volkswirtschaft an der Universität Mannheim lehrt und sich besonders mit internationaler Währungspolitik und der politischen Ökonomie von Zentralbanken beschäftigt, ist dies eine der entscheidenden Fragen der nächsten Monate überhaupt.

"Wir haben ja schon einen Präzedenzfall dieser Art gehabt. Das war nach dem Platzen der IT-Blase 2002. Da hat die amerikanische Notenbank es nicht geschafft, den Exit rechtzeitig einzuleiten und auch dann fortzusetzen. Und das lag daran, dass 2004 ein Wahljahr war. Und in einem solchen Fall ist es sehr schwer für die Zentralbank, sagen wir auch schon im Vorjahr – 2003 – die Zinsen zu erhöhen. Die Fed hat dies nicht geschafft, aus politischen Rücksichten heraus, und genau diese viel zu expansive Geldpolitik im Jahr 2003 und 2004 waren dann eine ganz wichtige Ursache für die Entstehung der Immobilienblase, die zu der Krise geführt hat. Wir haben diese Krise, weil die Exit-Strategie das letzte Mal nicht geklappt hat und das darf sich auf gar keinen Fall wiederholen."

Erinnern wir uns: Die letzte Finanzmarktkrise mit der Lehman-Pleite hatte zwei Ursachen. Das viele billige Geld, das vor allem Alan Greenspan, der frühere Chef der FED in Umlauf gebracht hat, um die Wirtschaft nach dem Platzen der Internetblase zu stabilisieren, löste eine globale Jagd nach Rendite aus. Befeuert wurde dies durch die skrupellose Gier der Banken, die immer komplexere Verbriefungsprodukte ohne sorgfältige Bonitätsprüfung auflegten.

Heute scheint es wieder nur eine Frage der Zeit zu sein, bis vor allem institutionelle Investoren sich nicht mehr mit den niedrigen Renditen auf ihre hohen Liquiditätsbestände bei den Notenbanken zufriedengeben werden. Sobald sich der Wirtschaftsausblick aufhellt, wird – so schätzen Experten - das Geld wieder in die Aktien-, Immobilien- und Rohstoffmärkte fließen und könnte so neue Spekulationsblasen füllen.

Fest steht: Blaupausen für den geordneten Rückzug werden dringend gesucht. Es gilt, die überschüssige Liquidität wieder kontrolliert abzubauen - ohne die fragile Balance erneut zu gefährden.

Dabei ist das Zurückfahren der Geldmenge technisch gesehen eigentlich kein großes Problem. Denn die Notenbanken können einfach das Geld, das sie den Banken zur Verfügung stellen peu à peu wieder verknappen.
Doch mit dem Auslaufen einiger Liquiditätsprogramme wird es wohl kaum getan sein. Schon im Frühjahr, erwarten Experten, müssten die Notenbanken radikalere Maßnahmen ergreifen - bis hin zu einer Erhöhung des Leitzinses. Das Geld würde teurer, die Kreditzinsen für Firmen, Verbraucher und vor allem den größten Schuldner, den Staat, würden anziehen.

Doch für eine solche Entscheidung benötigt die EZB ein vernünftiges Maß an Zuversicht, dass die Wirtschaftserholung nachhaltig ist. Schwächelt die Wirtschaft auch im kommenden Jahr, wird die Zentralbank den Schritt weiter hinauszögern müssen. Denn niemand wird leichtfertig einen beginnenden Aufschwung mit einer verfrühten Verschärfung der Geldpolitik gefährden wollen. Auf der anderen Seite kann ein Aufschwung, der nur vom Wiederaufbau der Lagerbestände und einer expansiven Finanzpolitik lebt, nicht von Dauer sein. Denn warten die Zentralbanken zu lange ab, wächst die Ungeduld der institutionellen Anleger, das billige Geld andernorts anzulegen.

Es gilt also, den richtigen Moment zu erwischen. Und Alleingänge einzelner Zentralbanken zu verhindern. Denn ein Vorpreschen etwa der Europäischen Zentralbank könnte die Konkurrenzfähigkeit der europäischen Banken gegenüber den Wettbewerbern aus den USA oder aus Asien entscheidend schwächen.

Allerdings: Den richtigen Zeitpunkt zu bestimmen, könnte sich noch als Problem erweisen. Besonders da eine ganze Reihe von Regierungen an dieser Entscheidung beteiligt sein werden, für die auch "sachfremde Erwägungen" eine Rolle spielen werden. Denn die Versuchung ist groß, der eigenen Volkswirtschaft auf Kosten der anderen einen zusätzlichen Vorteil zu verschaffen. Der Bonner Volkswirt Manfred Neumann vom Institut für Internationale Wirtschaftspolitik:

"Das Problem einer vernünftigen Exit-Strategie ist, sich zu überlegen, wie schaffe ich das politisch. Denn, wie gesagt, technisch ist das nicht so schwierig, wie politisch. Politisch ist das immer so, dass die Exit-Strategie bedeutet, man muss das Zinsniveau herauf schleusen – und das kann natürlich auch wieder technisch geschehen – aber, es wird natürlich auch Druck seitens der Regierungen auf ihre Zentralbankpräsidenten geben: Bitte stimmt da nicht in Frankfurt einer Zinserhöhung zu."

Denn jede Anhebung des Leitzinses hat weitreichende Auswirkungen auf die in Rekordhöhen verschuldeten westlichen Industriestaaten. Schon heute braucht der Bund jeden vierten Euro in seinem Haushalt, um die Kreditzinsen für die Staatsverschuldung zu bezahlen. Jede Leitzinserhöhung um einen Prozentpunkt führt so im Haushalt zu neuen Milliardenlöchern. Trotzdem ist Manfred Neumann der Ansicht, "dass wir Anfang des Jahres sicherlich mit den Zinssteigerungen beginnen können. Dann ist es natürlich so, dass dann immer Druck kommt: Ja, bitte noch nicht, wir haben eine zu hohe Staatsverschuldung. Sie wissen ja, dass in allen Ländern der Eurozone, aber nicht nur da, sondern auch außerhalb der Eurozone, die Staatsverschuldung jetzt krisenbedingt sehr stark angestiegen ist und das kostet sehr viel Geld."

Und das gilt nicht nur für Europa, wo sich mittlerweile alle großen Volkswirtschaften einem EU-Defizit-Verfahren gegenübersehen. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble muss die Maastricht-Kriterien schon wieder im Blick haben.

Auch und vor allem die amerikanische Volkswirtschaft mit ihrer historischen Rekordverschuldung steht vor gewaltigen Herausforderungen.

Die Kernfrage ist: Wann wird der Notenbankchef die Zinsen für kurzfristige Kredite, die derzeit bei nahe null liegen, wieder anheben? Experten vermuten, dass die US-Notenbank diesen Hebel so schnell nicht antasten wird, da es gerade die kurzfristigen Gelder sind, die die zerbrechliche Konjunktur am Laufen halten. So könnte noch ein knappes Jahr vergehen, bis an dieser Zinsschraube wieder gedreht wird.

Für Roland Vaubel von der Universität Mannheim ist deshalb auch hier wieder besonders die amerikanische Zentralbank, die Fed, in der Pflicht. Kann sie sich aus den Zwängen der amerikanischen Innenpolitik befreien? Schafft sie den Exit diesmal besser, als in den Jahren der IT-Blase?

"Sehr stark beunruhigt wäre ich, wenn die Krise, sagen wir mal, im Jahr 2011 erst sich deutlich entspannen würde. Denn 2011 ist wieder das Jahr vor der nächsten Wahl. Dann kriegen wir dieselben Probleme wieder. Man kann nur hoffen, dass die Krise im nächsten Jahr – 2010 – im Wesentlichen überstanden ist und das die Exit-Strategie – sagen wir – Ende 2010 volllaufen kann."

Nach allem, was man bisher von der Exit-Strategie der Fed weiß, wird aber genau das nicht passieren. Im Gegenteil: Bernankes Strategie sieht vor allem vor, die Programme über die nächsten Jahre hinweg langsam auslaufen zu lassen, sodass die Fed-Bilanz von selbst abschmilzt. Die amerikanische Notenbank würde sich danach aus der Finanzkrise heraus zu schleichen versuchen. Eine Strategie, die nicht ohne Risiko ist, denn wenn zu viel Geld über längere Zeit im Markt bleibt, führt das nicht nur zu möglichen Blasenbildungen, sondern auch womöglich zu inflationären Tendenzen.

Deshalb haben einzelne kleinere Notenbanken auch bereits angekündigt, dass sie einen solchen Kurs nicht fahren werden. In Europa hat vor kurzem als Erstes die norwegische Zentralbank, die Norges Bank, den Leitzins erhöht. Vorher hatte schon die australische Notenbank als erste Institution in den G-20-Ländern den Refinanzierungssatz erhöht. Es kommt also Bewegung in die Geldpolitik.

Entscheidend wird aber sein, was in den Vereinigten Staaten passiert. Droht uns von hier die größere Gefahr? Manfred Jäger vom Institut der deutschen Wirtschaft ist da geteilter Meinung:

"Ich mag das immer nicht, wenn wir darauf hinweisen, dass die Amerikaner alle so unsolide Sachen gemacht haben und möglicherweise schon wieder so unsolide Sachen machen. Wir müssen bei der Finanzkrise immer darauf achten, dass sie nur entstehen konnte, weil die ganze Welt – also insbesondere China und Europa – diese amerikanischen Wertpapiere gekauft haben. Aber in der Tat, die Verwerfungen, das Ungleichgewicht gehen von den USA aus und auch die wirtschaftspolitischen Maßnahmen in den USA sind besonders aggressiv. Und das weiß man nun nicht genau, wie in der Krise und nach der Krise diese wirtschaftspolitischen Maßnahmen dann auch wirken werden."

Notenbanker wie Politiker sollten ihren Bürgern klarmachen, dass es nach dem Fast-Zusammenbruch keine schnelle Rückkehr zu alter Wachstumsherrlichkeit geben wird und dass die Volkswirtschaften nur langsam aus dem tiefen Tal herausfinden können, wenn diese Erholung von Dauer sein soll. Und vor allem, das neuerliches Doping mit Rekordsummen an Notenbankgeld und Staatsschulden nur in einem baldigen Crash enden wird. Schlimmer als je zuvor.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk