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StartseiteSport am WochenendeSüdafrikas "Weiße Elefanten"15.12.2018

Das Erbe der Fußball-WM 2010Südafrikas "Weiße Elefanten"

Flaggen, gelb-grüne Menschenmeere und Vuvuzelas: Das waren die Bilder der Fußball-WM 2010 in Südafrika. Heute sieht es nicht mehr so rosig aus. Von den zehn WM-Stadien in Südafrika fahren neun Verluste ein. Der Preis für die erste WM auf dem afrikanischen Kontinent wird immer noch gezahlt.

Von Jana Genth

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Das Cape Town Stadium in Südafrika. (imago stock&people)
Das Cape Town Stadium macht jedes Jahr Verluste. (imago stock&people)
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Sie ist noch wach, die Erinnerung an 2010. Dieser Passant in Johannesburg bringt es auf den Punkt: "Alle kamen zusammen. Ich meine, hier schauen weiße Leute nicht so oft Fußball. Während der WM taten sie das. Die Bars waren voller Männer, Frauen, alle Hautfarben. Alle waren da, um eine gute Zeit zu haben."

Die WM-Stadien stehen noch, und auch acht Jahre danach sehen sie gut aus. Aber: das täuscht. "Das Stadion in Kapstadt macht jedes Jahr Verluste, das Stadion in Nelspruit führt Verluste ein, Verluste macht auch das Stadion in Durban". Humphrey Tlhobelo managt die Großveranstaltungen in den Stadien. Er nimmt kein Blatt vor den Mund. Ein Minus auch in Durban am Indischen Ozean, wo sogar Touristenbetrieb herrscht.

Zukunftskonzepte fehlen

Dort gibt es auf dem Bogen über dem Stadion nicht nur eine Aussichtsplattform, sondern auch den sogenannten Big Rush - dort kann man Bungee springen und über dem WM-Rasen pendeln. "Halt dich hier mit einer Hand fest, die andere ist egal. Jetzt an den Rand gehen, und ich zähle: 3-2-1, Sprung." Ganz so aufgelöst wie bei diesem Bungee-Springer ist die Stimmung bei den Stadionbetreibern nicht. 35.000 Leute sind seit 2010 in Durban Bungee gesprungen. Umgerechnet gut 45 Euro zahlt man dafür.

Allein für die Wartung des Stadions müssen aber jährlich Hundertausende ausgegeben werden. Was von Anfang an gefehlt hat, waren Zukunftskonzepte, sagt Gladwin Khangale, der für die südafrikanischen Stadien zuständig ist: "Vor allem die Verantwortlichen in den Stadien, die neu gebaut wurden, sagten 'Wow!'. Dann war 2010 vorbei, und alles ging den Bach runter. Die machen keine Gewinne, da passiert einfach gar nichts mehr."

Johannesburg ist einzige Ausnahme

Die einzige Ausnahme ist Soccer City, das Finalstadion von 2010 in Johannesburg. So voll wie damals ist es nicht mehr, aber: Die Kaizer Chiefs, ein örtlicher Fußball-Verein, haben hier 14 Heimspiele pro Saison. Große, internationale Konzerte gibt es, Kirchen mieten das Stadion und mehr noch. "Wir haben unser Konzept. Wir verkaufen Werbung hier im Stadion. Hier werden aber auch Werbespots fürs Fernsehen gedreht. Neben dem Stadion gibt es auch mal Motorsport mit Rennautos. Wir machen also auch ganz andere Sachen", so Tlhobelo.

Immerhin. Und die Südafrikaner schauen auch nach Russland. Das stolze Gefühl bei ihnen selbst ist weg, aber Fußball spielt natürlich eine Rolle. Diese Passantin sagt: "Das ist das gleiche Gefühl, glaube ich, ob es nicht hier ist. Die WM ist immer ein Fest."

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