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StartseiteForschung aktuellRaumfahrtfirmen wollen Hubble retten05.11.2015

Das ewige TeleskopRaumfahrtfirmen wollen Hubble retten

Die Uhr ticket für das Weltraumteleskop Hubble. Seit 1990 im All nähert sich seine Lebenszeit dem Ende. Anfang des nächsten Jahrzehnts dürfte es in der Erdumlaufbahn verglühen. Es zeichnet sich aber vielleicht Rettung für Hubble ab, in Form mindestens einer, wenn nicht gar einer ganzen Reihe weiterer Reparaturmissionen.

Von Guido Meyer

Das Hubble-Weltraumteleskop im Orbit (NASA)
Das Hubble-Weltraumteleskop im Orbit (NASA)
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Sechs-ein-halb Jahre sind es mittlerweile her, seit die amerikanische Raumfähre Atlantis von ihrer letzten Wartungsmission zum Weltraumteleskop Hubble zurückgekehrt ist. Hubbles eigentliche Zeit der Entdeckung beginne gerade erst, so der Sprecher der US-Raumfahrbehörde NASA damals, im Mai 2009. Anfang 2020 wird sie jedoch auch schon wieder zu Ende gehen, wenn bis dahin Hubble nicht auf eine höhere Umlaufbahn gehoben worden ist, auf der das Fernrohr sicher ist vor der Bremswirkung der Atmosphäre.

"Es wäre ein Unding, Hubble aufzugeben. Alle Astronomen wollen mehr Beobachtungszeit. Das Teleskop ist zu etwa tausend Prozent überbucht. Wir brauchen kein Space Shuttle, um es zu reparieren, und auch keine große Ladebucht."

Tim Kyger kennt den Raumfahrtbetrieb in der US-Hauptstadt Washington, D.C., von beiden Seiten, war dort sowohl am Hauptsitz der NASA tätig als auch auf Gesetzgeberseite als Mitglied des Unterausschusses für Wissenschaft, Technologie und Weltraum des amerikanischen Senats.

"Die NASA hat kein Geld. Sie muss derzeit den Bau und später den Betrieb des James Webb Weltraumteleskops finanzieren. Die NASA sagt seit 20 Jahren, dass sie mit der Inbetriebnahme von James Webb Hubble aufgeben will."

Und so sind sowohl SpaceX wie auch Sierra Nevada hellhörig geworden. Beide konkurrieren um Aufträge der NASA zum Personen- und zum Lastentransport zur Internationalen Raumstation. Da wäre eine erfolgreiche Wartungsmission zu Hubble ein gewiefter Schachzug, der einen Wettbewerbsvorteil liefern könnte. Doch dazu müssten die Dragon-Kapseln fast doppelt so hoch fliegen wie bislang, zur ISS - was sie derzeit nicht können.

Ein gewiefter Schachzug

Auch verfügen sie nicht über Stauraum für die neuen wissenschaftlichen Instrumente, mit denen Hubble versorgt werden muss. Was den Dragon-Kapseln außerdem fehlt ist eine Luftschleuse, durch die Astronauten und Hardware in den offenen Weltraum gelangen. Momentan liegt der Wettbewerbsvorteil daher bei der Sierra Nevada Corporation in Colorado mit ihrem Dream Chaser.

"Unser Dream Chaser ist so ausgelegt, dass er seine Höhe ändern und so verschiedene Umlaufbahnen ansteuern kann. Dazu gehört auch der Orbit von Hubble. Der Dream Chaser wird am Heck um eine Luftschleuse erweitert. Durch sie kann ein Astronaut das Raumschiff verlassen, Wartungsarbeiten durchführen und wieder einsteigen."

Mark Sirangelo, der Vizepräsident der Sierra Nevada Corporation. Im kommenden Jahr soll der Dream Chaser zu seinem ersten Flug ins All starten, zunächst unbemannt. Ob eines seiner Ziele das Hubble-Weltraumteleskop werden wird, liegt bei dessen Besitzerin, der NASA.

"Das hängt davon ab, ob sich die NASA für solch eine Mission entscheidet. Falls ja, könnte eine Wartungsmission zu Hubble ganz vorne im Flugplan stehen."

Bemannte Testflüge denkbar

Gelingen auch die bemannten Testflüge mit dem Dream Chaser, könnten in wenigen Jahren zwei Astronauten mit diesem Mini-Shuttle zum Teleskop fliegen. Ein Roboterarm am Heck des Dream Chaser würde Hubble dann packen.

Auf der Plattform am Ende eines zweiten Roboterarms stehend könnte sich ein Astronaut zum Weltraumfernrohr hieven lassen und die Wartungsarbeiten durchführen. Und, so Raumfahrtberater Tim Kyger: Was einmal funktioniert, könnte danach beliebig oft wiederholt werden.

"Eine erste privat durchgeführte Reparatur von Hubble könnte also das Prinzip demonstrieren, dass auch private Anbieter dazu in der Lage sind - wenngleich jede weitere Wartungsmission andere Aufgaben hätte und jeweils andere Bauteile ausgetauscht werden müssten."

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