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StartseiteWissenschaft im BrennpunktWie die Frauen die Sterne entdeckten10.12.2017

Das Glas-UniversumWie die Frauen die Sterne entdeckten

Dava Sobel hat ein sicheres Gespür für Geschichten und außergewöhnliche Personen. Das beweist sie erneut mit ihrem neuen Buch, dem "Glas-Universum". Wie schon in "Galileos Tochter" widmet sie sich mit großem erzählerischen Können der oft unterbewerteten Rolle der Frauen in der Wissenschaftsgeschichte.

Von Dagmar Röhrlich

Ein Teleskop (Imago | UPI Photo)
Früher galten Frauen, die am Harvard College Observatory arbeiteten galten nicht als Astronominnen, sondern als begabte Assistentinnen (Imago | UPI Photo)
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Die Damen, die im späten 19. Jahrhundert und frühen 20. Jahrhundert am Harvard College Observatory als "Computer" arbeiteten, galten nicht als Astronominnen, sondern als begabte Assistentinnen. Ihre Aufgabe war es, all' die Sterne zu studieren, zu klassifizieren und zu katalogisieren, die die "richtigen" Wissenschafter auf Tausenden von Glasplatten fotografiert hatten. Jede dieser lang belichteten Platten zeigte schwache Lichtpunkte, die kein Mensch zuvor gesehen hatte. Und Prismen in den Teleskopen zerlegten dieses Sternenlicht in seine Spektren, die aus den Punkten Sonnen machten, weil sie Auskunft gaben über die chemische Zusammensetzung ihrer Atmosphäre.

Es war eine ebenso akribische wie sterbenslangweilige Arbeit, die die Frauen da leisteten, und sie mussten sehr um ihre Anerkennung kämpfen: ein Kampf, bei dem ihnen die Leiter des Harvard College Observatory - Edward Pickering und später sein Nachfolger Harlow Shapley - zur Seite standen. Beide förderten ihr zur damaligen Zeit ungewöhnliches Team nach Kräften - wenn auch vielleicht nicht ganz uneigennützig. Denn zum einen erledigten die "weiblichen Computer" ihre Arbeit viel besser als die männlichen, und zum anderen war das Thema ungleiche Bezahlung für gleiche Arbeit damals noch akuter als heute - und das Observatorium brauchte erfahrene Mitarbeiter, litt jedoch unter chronischem Geldmangel.

Die Entfernung zum All

Wie dem auch sei: Was die Frauen herausfanden, war verblüffend. So entdeckte Williamina Fleming, die als Dienstmädchen zu den Pickerings gekommen war und die zu den angesehensten Astronomen ihrer Zeit gehören sollte, die erste Nova, die auf einer fotografischen Platte zu finden war. Und die Erkenntnisse ihrer Kollegin Henrietta Swan Leavitt nutzte kein Geringerer als Edwin Hubble, um Entfernungen im All zu messen.

Mit dem "Glas-Universum" ist Dava Sobel eine komplexe, biographische Erzählung gelungen, die Schicksalswege, Forschung und wunderbar-überflüssiges Trivialwissen miteinander verwebt. Wussten Sie dass es im Lowell Observatorium in Arizona eine Milchkuh namens Venus gab? Es ist ein Sachbuch wie ein Roman: spannend, mitreißend, persönlich - und voll Bewunderung für die Menschen, die es porträtiert.

Autorin: Dava Sobel
Titel: "Das Glas-Universum: Wie die Frauen die Sterne entdeckten" 
Übersetzung Thorsten Schmidt und Christiane Wagler
Berlin Verlag, 464 Seiten, 26,00 Euro
ISBN: 978-3-8270-1214-2

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