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StartseiteCorsoKunst muss sich nicht erklären27.10.2018

Das neue Album von Soap&SkinKunst muss sich nicht erklären

Künstlerin oder nur leere Pose? Diese Frage wurde öfter diskutiert, wenn es um die Musik von Anja Plaschg alias Soap&Skin geht. Nun ist das dritte Album der Österreicherin erschienen. Darauf zeigt die Musikerin, was für ein unabhängig-kreativer Kopf sie ist – mit einer ganz eigenen Sicht auf die Welt.

Von Juliane Reil

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Soap & Skin 2018 (Evelyn Plaschg)
Sogar in den Texten leuchtet manchmal ein Hoffnungsschimmer auf (Evelyn Plaschg)
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"Ich wollte eine Welt schaffen, die es so nicht gibt" - Anja Plaschg alias Soap&Skin. Die Frau, die 2012 eine Schokolade mit Schweineblut kreierte. Das Plattencover zu ihrem neuen Album "From Gas To Solid/You Are My Friend" wirkt wie eine Weltraumaufnahme, die der Erde täuschend ähnlich sieht. Aber der Eindruck trügt: "NASA-Bilder vom All und verschiedenen Oberflächen waren schon die Inspiration. Auch dass sich Größenverhältnisse auf diesem Anblick der Welt verschieben, war mir wichtig. Es ist zwar nicht für jeden sichtbar, aber das in der Mitte, wo es so grünlich ist - das ist eigentlich eine Makroaufnahme von Schimmel –  und Wasser einfach als Symbol für Leben."

Schrei  der Erlösung

Vergänglichkeit zieht sich wie ein roter Faden durch ihr Werk. "Thanatos" hieß ein Song auf ihrem Debüt. Auf ihrem letzten Album sang sie davon, dass sie eine Made im Leichnam ihres Vaters sein wollte. Inzwischen ist die 28-Jährige Mutter geworden. Vielleicht klingt deshalb "From Gas To Solid/You Are My Friend" etwas wärmer und weniger morbid. Sogar in den Texten leuchtet manchmal ein Hoffnungsschimmer auf.

Die Angst ist immer dagewesen, aber jetzt nicht mehr. Das singt Soap&Skin in dem Song "Heal". Der Schrei darin klingt wie eine Erlösung. Bei ihrem neuen Album sei es ihr zum ersten Mal wichtig gewesen: "...raus aus meinen emotionalen Kreisen zu gehen und eine Verbindung zur Welt zu schaffen und mich als einen Teil von einem riesigen Ding zu sehen. Ich hab mich einfach verliebt in etwas, was organisch ist."

Perfekte Illusion

Auf jeden Fall klingt die Österreicherin weniger elektronisch als früher. Akustische Instrumente von Streichern über Trompete und Flügelhorn bis zu Klavier und Orgel dominieren. Selbst die Perkussion – absolut neu für Soap&Skin – ist oftmals nicht nur elektronisch. Aber – was vollkommen überrascht, weil die Illusion perfekt ist – fast alle akustische Instrumente beruhen auf Samples, die Soap&Skin teilweise wie mit dem Skalpell in winzige Mikropuzzleteile geschnitten und neu zusammengesetzt hat.

"Wenn ich im Prozess drin bin, und ich höre im Kopf eine Geige oder ein Blasinstrument und dann will ich das einfach sofort da haben. Dann suche ich in meinen Samples und dann reicht mir auch kein MIDI-Instrument, dass ich das schnell aufnehme. Ich will einfach, dass es gut klingt. Ich will, dass es so klingt, als würde es wirklich dafür gespielt sein. Deshalb arbeite ich mich stundenlang in einzelne Töne hinein, wie sie gestrichen oder geblasen (sind), wie der Akzent ist und so weiter."

Sehnsuchtsort der Kunst: Italien 

Imitation - oder sagen wir mal "Fake" - so kunstvoll, das das Artifizielle daran selbst im Verborgenen bleibt. Das ist ein Grundsatz, der so alt ist wie die Kunst selbst. Mit ihrer ausgereiften Produktionstechnik integriert Soap&Skin diesen Ansatz ganz beiläufig in die Popmusik. Der Song "Italy" – angelehnt an "Dream Baby Dream" der New Yorker Artrock-Band "Suicide" - wird bei ihr zu einer Art sanften Wiegenlied. Über den Sehnsuchtsort der europäischen Kunst schlechthin: Italien.  

Musik: Soap&Skin - Italy & Palindrome ("In Girum imus nocte et consumimur igni.")

In Girum imus nocte et consumimur igni. Nachts gehen wir in den Kreis hinein und werden vom Feuer verzehrt. Das bedeutet die gesungene lateinische Sentenz übersetzt. Was das genau heißen soll, Soap&Skin weiß es nicht. Es sei eine mystische Wahrheit für sie. Bei diesem Choral riecht man förmlich den Weihrauch in der Luft. Am Ende der Platte überrascht die Künstlerin mit einem relativ handfesten Bekenntnis zur Welt.

Musik: Soap&Skin What A Wonderful ("I see skies of blue and clouds of white, The bright blessed day, the dark sacred night, And I think to myself what a wonderful world.)

Soap&Skin steckt tief in ihrer eigenen Welt. Man muss sie nicht verstehen, aber ihren unabhängigen kreativen Geist anerkennen!

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