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StartseiteCorso"Das Requiem haut mich immer noch um!"29.11.2011

"Das Requiem haut mich immer noch um!"

Mein Klassiker: Feridun Zaimoglu über Mozart

Die Liebesgeschichte zu einer Frau war schuld, dass Feridun Zaimoglu ein Fan von Mozart wurde. Doch während die Liebste längst passé ist, geht dem Schriftsteller immer noch das Herz auf, wenn Mozarts Requiem erklingt.

Der Schriftsteller Feridun Zaimoglu (AP-Archiv)
Der Schriftsteller Feridun Zaimoglu (AP-Archiv)
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"Mein Name ist Feridun Zaimoglu, mein Klassiker ist Mozart.

Ich versteh ja nichts von Musik. Ich gehöre zu denen, denen man früher Mixtapes gegeben hat, weil sie peinlich auffielen. Mich weht immer eine Musik an. Ich gehe durch die Straßen, ich sitze in einem Club. Und dann hör ich etwas, eine Melodie oder ein Lied, und dann frag ich gleich nach. Das, was coole Menschen nicht machen. Mach ich aber gerne.

So war das vor ungefähr, ich glaube, so vor zwanzig Jahren. Natürlich steckt dahinter eine Liebesgeschichte, die nicht so gut ausging, viel zu früh endete. Ich konnte damals für einige Zeit der Prinz dieser Frau sein, das war für mich ein großes Geschenk. Und sie hat eines Abends, als ich bei ihr zu Besuch war, Mozarts Klavierconcerto gespielt.

Ich konnte die besagte Frau dann nicht fragen, weil es war dann Schluss. Und dann bin ich aber losgegangen und habe das Requiem gekauft.

Und ich weiß, wie ich wochenlang immer und immer wieder bestimmte Sätze aus dem Requiem gehört habe. Ich war hin und weg. Ich - war - hin -und -weg.

Mozart ist für mich - was ist da nicht alles enthalten. Es ist schön, ohne niedlich zu sein. Es ist rau, ohne gewaltsam zu sein. Und ich könnte jetzt so weiter machen, aber schon allein darüber, wie ich diese Musik beschreibe, merkt man, das mir die Worte fehlen eigentlich.


Ich habe mittlerweile, ich weiß jetzt nicht, angesammelt, insgesamt, glaube ich, zwanzig oder 25 CDs. Und immer wieder hör ich da rein. Es ist geblieben, es war keine Modeerscheinung. Man muss sich das ja auch so vorstellen. Man macht sich ja geradezu dann lächerlich oder ich mache mich geradezu lächerlich, wenn ich in Kulturkreisen von Mozart spreche. Die einen antworten mir: 'Mensch, das ist mir zu süß. Das ist zu sehr Publikumsgeschmack, das darf man ja nicht'. Andere sagen: 'Mensch, die Modernen! Bist du denn irgendwo stecken geblieben?' Dann gucken mich die Leute so an und denken: 'Ist das jetzt eine Art Koketterie oder was? Der trägt Metallschmuck und sieht eher aus wie ein gealterter Gruftie und spricht aber davon, dass er Mozart über alles liebt'. Aber es ist keine Koketterie. Und es ist mir auch egal, dass das dann vielleicht lächerlich wirkt.

Und mein Unwissen oder Nichtwissen, das geb ich ja zu. Aber darum geht es ja nicht. Ich höre immer wieder und wieder hinein. Und es haut mich um, um Gottes Willen, das Requiem haut mich immer noch um!"

Musik von Wolfgang Amadeus Mozart:
Ouvertüre "Entführung aus dem Serail" oder "Zauberflöte"
Klavierkonzert d-Moll, dritter Satz
Mozart: Requiem d-Moll, Dies Irae
Requiem, Introitus
Requiem, Confutatis oder Lacrimosa

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