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StartseiteKommentare und Themen der WocheNur eine kosmetische Verbesserung14.03.2019

Das Termin-Service-GesetzNur eine kosmetische Verbesserung

Das neue Gesetz von Union und SPD verspricht Geld für Ärzte und Zeit für Patienten. Das behandele damit womöglich ein Symptom, kommentiert Christoph Schäfer. Das Gesetz verfehle jedoch das tiefer sitzende Problem: Dass zu wenig von denen da sind, die uns behandeln können - Ärzte.

Von Christoph Schäfer

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Wartezimmer in einer Arztpraxis (Sina Schuldt/dpa)
Das Termin-Service-Gesetz schafft mehr Sprechstunden und damit auch mehr Bürokratie (Sina Schuldt/dpa)
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Vier Monate auf einen Termin warten beim Arzt warten – nicht ungewöhnlich für gesetzlich Versicherte. Während privat Versicherte vielleicht bereits nächste Woche denselben Arzt aufsuchen können. Sowas ist einfach frustrierend. Da zahlen gesetzlich Versicherte eine menge Geld in das Gesundheitsystem – und warten. Das ist eine Zwei-Klassen-Gesellschaft in dem Lebensbereich, der besonders kostbar ist: unsere Gesundheit.

Die gute Nachricht erstmal: Union und SPD wollen dieses Problem angehen. Mit dem neu beschlossenen Terminservice- und Versorgungsgesetz. Oder in schön: Das "Mehr Geld, weniger Wartezeit-Gesetz."

Denn damit gesetzlich Versicherte dann doch nicht vier Monate auf eine Magenspiegelung warten müssen, soll es für die Ärzte Geld geben. Neupatienten gegen Geld - das könnte Anreize schaffen.

Denn das neue Gesetz soll bewirken, dass Ärzte zusätzliche Sprechstunden in der Woche anbieten: Hausärzte und Fachärzte – für gesetzlich Versicherte.

Das klingt soweit ganz gut. Das Gesetz wird für Patienten einen Effekt haben.

Den Ärztemangel kann Bürokratie nicht beheben

Aber übersehen Union und SPD nicht etwas?

Erstens: Dort wo viele Menschen leben, sind die Wartezimmer einfach überfüllt. Dass gesetzlich Versicherte zur vereinbarten Uhrzeit von Ärzten behandelt werden, ist selten. Verärgerung ist da angebracht, aber ja, auch Ärzte – in der Regel - geben ihr Bestes und sind am Limit. Arzt sein ohne Überstunden? Fraglich. Mehr Sprechstunden und damit mehr Bürokratie helfen da kaum – auch nicht für Geld.

Zweitens: Selbst die größten Zuschläge und der heftigste Geldregen für Ärzte wird für Patienten im ländlichen Raum vermutlich nichts ändern: Dass es dort kaum Ärzte gibt. Zumal es sich auch um einen Wohnort handelt, wo weniger Menschen und potentielle Patienten leben. Dort eine Praxis eröffnen? Fraglich.

Das neue Gesetz von Union und SPD verspricht Geld für Ärzte und Zeit für Patienten. Und behandelt damit womöglich ein Symptom. Aber das Gesetz verfehlt das tiefer sitzende Problem: Dass wir einfach zu wenig von denen haben, die uns behandeln können. Ärzte.

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