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StartseiteHintergrundDas verheizte Klima22.11.2007

Das verheizte Klima

Optionen einer sparsamen Energiepolitik der Zukunft

Wohnen, Verkehr, Industrie – Erdöl erscheint als ein nicht wegzudenkender Energieträger. Doch schon in 20, 30 Jahren wird sich die weltweite Energieversorgung drastisch verändert haben.

Von Sönke Gäthke

Ein Tankwagenfahrer beliefert in Bremen einen Privathaushalt mit Heizöl. (AP)
Ein Tankwagenfahrer beliefert in Bremen einen Privathaushalt mit Heizöl. (AP)
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Das verheizte Klima

"22. November 2032. Es ist 18.40 Uhr. Deutschlandfunk - die Nachrichten. Der Nordpol ist zugefroren. Nachdem in diesem Sommer die Arktis zum ersten Mal eisfrei war, hat sich in den vergangenen zwei Monaten wieder eine dünne Eisschicht über dem Meer gebildet. Das Eis ist stellenweise rund 30 Zentimeter dick, eine Behinderung für die Schifffahrt besteht jedoch nicht."

So könnten die Meldungen in 25 Jahren klingen. Davon ist Claudia Kemfert überzeugt.

"Wenn wir heute, 2007, praktisch 20 Jahre in die Zukunft schauen, denke ich, wird sich nicht allzuviel geändert haben. Wir werden alle noch genauso viel Energie verbrauchen, wir werden weiterhin entsprechend Kohle nutzen, die sehr viel CO2-Emmission verursacht, und wir werden noch genauso die Mobilität, die wir heute kennen, so nutzen und auch nicht unabhängig vom Öl sein. Und all dies führt natürlich dazu, dass wir den Klimawandel in 20 Jahren noch genauso weiter vorantreiben, nichts dagegen getan haben und dann praktisch in der Zukunft nach 20, 25 Jahre, dann auch mit einem erheblichen Klimawandel werden leben müssen."

Neue Techniken für die Energieversorgung einzuführen, erfordert deutlich mehr Zeit als 25 Jahre, so die Energieexpertin vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung. Dennoch werden sich bis 2032 einige Veränderung zeigen. Zum Beispiel beim Wohnen: Heute erzeugt jeder Einwohner Deutschlands im Schnitt elf Tonnen Kohlendioxyd im Jahr. Rund vier davon gehen auf das Konto der Heizung. Die lassen sich jedoch verhältnismäßig einfach vermeiden - und schnell.

"Und was man auch geschafft haben wird, dass man, wenn man neue Häuser baut, also ganz neu baut, dass diese keine Energie mehr verbrauchen, sondern tatsächlich selbst Energie produzieren."

Das gilt jedoch nur für die Neubauten. Die weitaus meisten Häuser sind jedoch alt - auch im Jahr 2032.

"Ein Abriss kompletter Städte oder Stadtteile wie in Stockholm in den 60er Jahren geschehen dürfte kaum infrage kommen. Doch der ist auch nicht nötig: Auch Altbauten lassen sich so sanieren, dass sie mit Neubauten in punkto Energieverbrauch konkurrieren können."

"Ja, zu einem sage ich, je älter, desto besser, dass heißt, wenn ich Gebäude hab, die 80 gebaut worden sind, dann ist es schon einmal nicht ganz so einfach, wenn ich Nachkriegsgebäude habe 1960, 1970, das ist ein gefundenes Fressen für Energieberater, und da kann ich tatsächlich den Verbrauch um 75 Prozent reduzieren, wenn ich Glück habe, also auf 25 Prozent","

so Hans Hertle, Institut für Energie und Umweltforschung, Heidelberg.

Ein Beispiel für eine gelungene Sanierung in diesem Sinne steht im Stadtteil Köln-Zollstock:

""Das ist eine Seniorenwohnanlage, gebaut 1973/74 in Plattenbauweise West mit schönen Waschbetonplatten und Stahlrahmenfenstern, dieses Gebäude hatte einen Heizenergieverbrauch von 300 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr und war damit auffällig geworden."

Gudrun Langmack, Architektin aus Erftstadt bei Köln. Seit 15 Jahren saniert sie Altbauten so, dass diese zum Drei-Liter-Haus werden. Jetzt blickt sie auf das terrakottafarbende Haus am Ende der Sackgasse - von Waschbeton keine Spur.

"Ja, das Haus hat einen Pullover bekommen, so wie ich das immer formuliere, es hat eine Fassadendämmung bekommen, das Dach ist neu gedämmt, die Fenster ausgetauscht, die Fenster sind dreifach verglast, die Kellerdecke ist gedämmt worden, also rundum wurde das Gebäude eingepackt. Mit Dämmstandards, die zum Zeitpunkt, als wir sie ausgeführt haben, 2003/2002 noch nicht ganz gängig waren, die aber in Zukunft üblich sein werden."

Dazu zählt auch noch ein automatisches Lüftungssystem. Und als wäre es nicht genug, lässt die Architektin das Haus auch noch Energie erzeugen.

"Das Dach hat zusätzlich auf die ganze Fläche eine Dachbegrünung bekommen und eine Fotovoltaik-Anlage mit 16,8 Kilowatt Peak, das ist eine sehr schöne Anlage, und hier vorne sehen sie auch, im Solarpaneel die Leistung, der Ertrag ist inzwischen auf 54.050 Kilowattstunden geklettert, selbst jetzt läuft die Anlage noch mit 60 Watt, also die Sonne ist schon fast untergegangen, und die Tagesleistung waren heute bei diesem bedeckten Tag 16,3 Kilowattstunden."

300 Kilowattstunden Verbrauch pro Jahr hatte der Plattenbau vor der Sanierung. Heute sind es nur noch 38. Ein ähnliches Haus keine 200 Meter entfernt kommt gar nur auf 26. Das ist Niedrigenergiehaus-Standard.

"Das muss kommen. Ja, ich denke, dass das gravierend wird. Wer heute nicht saniert, dem ist der Werterhalt seines Gebäudes nicht mehr garantiert."

Würden alle Altbauten auf diese oder ähnliche Weise saniert, bräche der Energieverbrauch fürs Heizen ein - auf 10 bis 20 Prozent der heutigen Mengen, eine ungeheure Einsparung.

Claudia Kemfert: "Das ist eine Herausforderung, die wir vielleicht schaffen, aber ich glaube nicht bis zu dem Zeitpunkt von 2030."

Die Sanierungen dürften dann noch in vollem Gange sein. Ganz ähnlich wie auf einem anderen Sektor: der Energieversorgung des Jahres 2032, die auch dann noch die Nachrichtensendungen füllen wird.

"In Bergen wurde heute das Nordseenetz an das Norwegische Stromversorgungsnetz angeschlossen. Damit ist der Aufbau des europäischen Windstrom-Netzes abgeschlossen. Höchstspannungs-Gleichstromleitungen verbinden die 10 Windenergieparks in der Irischen See mit den 8 der Nordsee und 9 weiteren im Mittelmeer, sowie mit den großen Wasserspeicherkraftwerken in Norwegen. Die Stromproduktion aus Windkraftanlagen wird damit nach 12 Jahren Bauzeit ähnlich berechenbar wie die in Kohle- oder Atomkraftwerken. Die Europäische Union hofft damit, alte Kohlekraftwerke künftig ohne Ersatz abschalten und somit den Kohlendioxydausstoß weiter reduzieren zu können. Bei Auseinandersetzungen in der irakischen Hauptstadt Bagdad ..."

Claudia Kemfert: "Die Idee ist ganz ähnlich dahinter, ob jetzt von Nordeuropa kommend oder von Südeuropa, diese Großnetze werden sowieso die Zukunft sein, das wird man eh planen-"

Auch der Strukturwandel der Stromerzeugung dürfte 2032 angelaufen ein. Davon ist die Energieexpertin Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin überzeugt:

"Ich denke nur, dass der Mittelmeerraum gerade für großflächige Energieerzeugung besonders interessant sein wird, also neben Nordeuropa, wo großflächig Windanlagen natürlich genutzt werden können, ist es aber so, dass gerade Afrika, oder Nordafrika für die europäische Energieversorgung der Zukunft deutlich an Bedeutung gewinnen wird."

Während der Norden den Kontinent mit CO2-freiem Windstrom versorgt, kommt aus der Sahara Solarstrom. Geleitet wird dieser Strom über neue Höchstspannungsgleichstromnetze, sogenannte Supergrids. Die Technik wird heute schon genutzt. Sie ermöglicht verlustarmen Stromtransport über weite Strecken.

"Sie liegen richtig, dass das in der Forschungswelt so diskutiert wird, weil, ja, weil man erkannt hat, dass, dass das ganz System eigentlich in großen Teilen an seiner Lebensgrenze, seine Lebensdauergrenze erreicht hat, dass man Schwierigkeiten mit Primärenergien hat und insofern anfängt, das ganze System neu zu denken und jetzt mit die Basis zu legen für: Wo gehen wir hin?","

sagt Antje Orths, Energieforscherin von energinet.dk, dem staatlichen Stromnetzbetreiber in Dänemark.

""Da ist man in der Forschungswelt mit diesem Supergrid, was von Afrika bis Norwegen reicht und Gleichstrom ist und die verschiedenen erneuerbaren Energien fortleitet, beschäftigt, aber auch auf der anderen Seite mit diesen Smartgrids, das geht mehr in Richtung lokale Netze, also Ausbalancieren von Last und Erzeugung auf lokaler Ebene, und Funktionieren eines Netzes als Unterhalt von Hochspannung, dass dort die Balance jederzeit stimmt und dass diese Netze sich im Fehlerfall trennen können und selbstständig fahren und auch startfähig sind."

Smartgrids - das sind, im Unterschied zu den Supergrids, lokale Stromnetze, die sich auch lokal versorgen,- zum Beispiel mit zwei Windrädern, einigen Solarzellen, einem Mini-Blockheizkraftwerk und einer Batterie, die automatisch eine handvoll Häuser versorgen.

Der Vorteil: Die Versorgung ist sicherer - europaweite Blackouts sind so undenkbar - und sparsamer, weil Verluste beim Stromtransport gar nicht erst entstehen.

Im dänischen Energieforschungszentrum Risö wird so ein lokales Netz getestet. Das Projekt hört auf den Namen Syslab und wird von Oliver Gehrke und Henrik Bindner betreut.

Hendrik Bindner zeigt auf die Schaltschränke. Die verbinden die lokalen Energieversorger. Die Dänen setzen zwei Windräder, Solarzellen und einen Motor ein. Die Technik versucht, eine ständige Balance zu halten zwischen der Energieerzeugung und dem Verbrauch eines Bürohauses.

Auch das Auto zählt zum Projekt, erklärt Oliver Gehrke:

"Das ist ein Hybridauto. Die Batterie ist Teil des Netzes. Der Fahrer kann dem Stromnetz sagen: Von Mitternacht bis sechs brauche ich das Auto nicht. Dann kannst du die Batterie nutzen, um Stromschwankungen auszugleichen. Nur am Morgen muss die Batterie geladen sein."

Der Energieforscher stellt den Wagen vor den Büros ab. Eine graue Holzbaracke, innen verlegen Handwerker neue Kabel. Oliver Gehrke:

"Es ist das einzige Haus mit elektrischer Heizung hier, ideal für uns. Alle Räume sind mit Sensoren gepflastert. Alle Strom verbrauchenden Geräte haben Fernsteuerungen und werden vom Stromnetz kontrolliert."

Eine flexible Heizung soll helfen, das Stromnetz stabil zu halten. Weht nur ein wenig Wind mehr, als für die Stromerzeugung notwendig, kann das Netz die Büros ein bisschen stärker heizen und verbraucht damit den überschüssigen Strom. Fehlt dagegen etwas Wind und damit Strom, wird es kühler.

Doch auch für größere Schwankungen der Energieversorgung sorgen die Wissenschaftler vor - mit einem Energiespeicher.

"Wir bekommen noch eine Vanadium-Reddox-Flow-Batterie. Die funktioniert ähnlich wie eine Brennstoffzelle, nur das sie statt Wasserstoff mit flüssigem Metallsalzen arbeitet. Die Technik ist effizienter als Wasserstoff und zuverlässiger als eine konventionelle Batterie."

Ähnliche Projekte für Smartgrids werden derzeit überall in Europa verfolgt. Das Problem allerdings ist die Zeit. Denn es ist fraglich, ob diese Techniken in 25 Jahren ausgereift sein werden.

Claudia Kemfert: "Ja, man muss sehen: Energietechniken brauchen von der Erforschung bis zur Markteinführung, bis hin, dass sie auch wirklich in den Markt hineinkommen und sich weltweit etablieren, mindestens 20 Jahre, wenn nicht sogar länger. Dass heißt, die Energietechniken, die wir in 20 Jahren hätten, müssten wir heute sozusagen erforschen, an den Markt bringen und auch schon wissen, was das sein kann."

Deshalb, ist die Energieexpertin überzeugt, wird es im Jahr 2032 auch noch keine Kohlekraftwerke mit Kohlendioxydabscheidung geben, werden die konventionellen Kraftwerke immer noch genauso viel CO2 erzeugen wie heute. Und das gilt auch für den Verkehr.

Öl wird nach wie vor die wichtigste Energiequelle für den Transport sein.

Claudia Kemfert: "Da muss man aber auch sehen, dass in der Vergangenheit ja auch kaum wirklich richtig ernsthaft an Alternativen geforscht wurde, man hat die Gelder an die Forschung und Entwicklung von Alternativen zum Öl reduziert anstelle sie zu erhöhen, einzelne Unternehmen haben schon neue Techniken entwickelt wie zum Beispiel das Wasserstoffauto, das scheinbar auch zum Einsatz kommen kann. Das Problem im Moment ist noch, dass Wasserstoff produziert werden muss, dazu brauchen sie Energie - hoffentlich keine Kohle, Energie, und es muss transportiert und gespeichert werden, und das alles ist noch nicht wirklich endgültig gelöst."

Die Folgen dieser Politik werden sich 2032 sehr wahrscheinlich eingestellt haben.

"200 Euro pro Barrel Rohöl. Das Energieministerium in Berlin lehnt Rationierungen von Benzin und Diesel weiter ab. Ein Sprecher des Ministeriums sagte, ein staatliches Eingreifen sei nicht notwendig und begründete dies mit dem stark sinkenden Verbrauch in Deutschland. Benzin kostetet derzeit im Schnitt rund 12,40 Euro pro Liter, Diesel 16,11. Großbritannien, Frankreich, Spanien und Dänemark rationieren seit dem Sommer letzten Jahres Diesel und Benzin, die Niederlande, Belgien, Schweiz und Österreich Diesel. Im Länderspiel Deutschland gegen Kosova hat die Auswahl der Albaner die Nationalelf."

Claudia Kemfert: "Ich denke, 2032 wird es nicht mehr genügend Öl geben, schon lange nicht mehr, 2020 wird der Punkt schon erreicht sein, wo das globale Ölangebot nicht mehr ausreicht, um die immer weiter steigende Nachfrage zu denken."

Diese Auffassung teilt auch Matthew Simmons, Investmentbanker aus den USA und Autor des Buchs "Wenn der Wüste das Öl ausgeht."

"Die Energy Watch Group in Deutschland hat errechnet, dass die Rohöl-Förderung bereits 2006 ihren Höhepunkt erreicht hat. 2030 werden wir nur noch 39 Millionen Barrel am Tag fördern. Wir werden die größte Rationierung seit dem Zweiten Weltkrieg erleben - oder den Dritten Weltkrieg."

Die Vorstellung einer Rationierung von Benzin oder Diesel klingt zwar nach Schreckenszenario, dürfte aber realistisch sein. Davon ist die Energieexpertin Claudia Kemfert überzeugt:

"Also in der Übergangszeit wird Öl sicherlich rationiert, weil Öl auch wichtige volkswirtschaftlich Prozesse begleitet. In der Medizin, in der Kunststoff-Herstellung, in vielen Bereichen wird Öl genutzt, und muss auch weiter genutzt werden, dass heißt, hier wird man sicherlich Prioritätenlisten erarbeiten, wo Öl dann noch eingesetzt wird."

Und auf dieser Liste dürfte der Verkehr weit unten rangieren. Das wird eine Herausforderung für die Transportwirtschaft, die heute noch auf den Lkw setzt. Den wird es 2032 wohl nicht mehr geben.

Claudia Kemfert: "Also nicht so, wie wir ihn heute kennen, weil der Lkw-Verkehr an sich ist ja eigentlich auch schon völlig überdimensioniert, man könnte viele Lieferungen, die mit dem Lkw getätigt werden, auch durchaus reduzieren, wenn nicht sogar ganz verändern."

Wie er stattdessen laufen könnte, erproben derzeit Forscher an der Ruhr-Universität in Bochum.

"Wir sind hier in einer Halle der RWE Power AG, wir haben hier unsere Modellstrecke Maßstab eins zu zwei aufgebaut, auf dieser Modellstrecke wollen wir die technischen Fragestellungen erproben und testen","

sagt Dietrich Stein, Initiator des Projekts Cargo Cap.

Im Augenblick laufen auf röhrenförmigen Schienen zwei Test-Gefährte immer im Kreis herum. Wenn diese Geräte die Anforderungen der Wissenschaftler erfüllen, soll darauf ein völlig neues Transportsystem aufgebaut werden.

""Wir wollen das unterirdisch machen, automatisch, mit individuell, angetriebenen, intelligenten Fahrzeugen, den sogenannten Caps, das ganze System ist so bemessen, dass ein Cap zwei Europaletten aufnehmen kann für den Transport, damit haben wir auch eine gemeinsame Grundlage für alle anderen Verkehrsträger, dass heißt, wir sind kompatibel, wir können also uns direkt einschalten und auch dazu beitragen, diese System miteinander besser zu vernetzen, als es bis dato möglich ist."

Es ist eine Vision, aber eine, die geteilt wird von der Industrie: Die Gelder für die Forschung stammen zum guten Teil aus der Wirtschaft, die Halle wurde vom RWE-Konzern zur Verfügung gestellt, die Industrie- und Handelskammer sowie die Bauwirtschaft unterstützten die Entwicklung ebenfalls. Nur die Politik zögert noch.

Setzen sich Dietrich Stein und seine Unterstützer durch, dürfte es schon weit vor 2032 deutlich weniger Lkw auf den Straßen des Ruhrgebiets geben. Das ist jedoch für Autofahrer kein Grund zum Jubeln. Denn einen vollständigen Ersatz für das Öl wird es für sie in den kommenden 25 Jahren nicht geben.

Für den Treibstoff gilt die gleiche Regel wie für die Kohle: Es dauert mindestens 20 Jahre, bis sich eine Alternative durchgesetzt hat. Eine derartige Alternative müsste also bereits heute marktreif sein, um Benzin und Diesel in den kommenden Jahrzehnten abzulösen.

Claudia Kemfert: "Dass heißt, 2032 haben wir Alternativen sicherlich, das können alternative Kraftstoffe sein, auch aus Bioenergie gewonnen oder Wasserstoff oder die Brennstoffzelle, die wir nutzen werden, und die aber, ich glaube nicht, so flächendeckend eingesetzt wird, dass wir tatsächlich so die Mobilität aufrecht erhalten können wie heute, Stichwort Billigflieger. Oder ich fahre - viele Freizeitfahrten - in der Gegend herum, das glaube ich, wird es in dem Umfang nicht mehr geben."

Auf diese Weise könnte der Markt also etwas Gutes tun: Steigen die Preise für Mobilität so stark an, dass Billigfliegerei und Freizeitfahrten reduziert werden, dann sinkt auch der Kohlendioxydausstoß. Es sei denn, das Öl Arabiens würde ersetzt durch schweres Öl aus Venezuela oder aus den Ölsanden Kanadas. Das wäre dann eine umweltpolitische Katastrophe.

Doch für all diese Überlegungen gilt, was der Thermodynamiker und Motorenentwickler Stefan Pischinger über die Entwicklung neuer Motorentechnik sagt:

"Das ist halt die Extrapolation. Wenn hervorragende neue Dinge entdeckt werden, dann kann das sich auch schnell wieder ändern."

Soll heißen: Neue Techniken oder politische Grundsatzentscheidungen könnten die Entwicklung vollkommen anders verlaufen lassen, als es heute vorstellbar ist und den nächsten 25 Jahren ein ganz anderes, heute noch nicht vorhersehbares Gesicht verleihen.

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