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StartseiteKommentare und Themen der WocheWeckruf für mehr Cybersicherheit04.01.2019

DatendiebstahlWeckruf für mehr Cybersicherheit

Die Veröffentlichung privater Daten von Politikern und anderer Prominenter zeigt die Angreifbarkeit unserer digitalen Identität, kommentiert Stefan Römermann. Um Cyberangriffen vorzubeugen, müsse jeder Internet-Nutzer mehr Verantwortung übernehmen - aber auch die Politik muss aktiv werden.

Von Stefan Römermann

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Zahlenkolonnen laufen auf einem Computerbildschirm. (dpa / Alexey Malgavko)
Zahlenkolonnen laufen auf einem Computerbildschirm. (dpa / Alexey Malgavko)
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Immerhin: der ganz große Daten-Super-GAU war es wohl nicht, der da jetzt bekannt geworden ist. Es war nicht eine einzelne, große Datenquelle die angezapft wurde, und wohl auch kein Regierungs- oder Bundestags-Server der gehackt wurde. Die Daten stammen aus unterschiedlichsten Quellen: Aus Benutzer- und E-Mail-Konten bei verschiedenen Anbietern – und zum Teil auch aus öffentlich zugänglichen Webseiten. Sie wurden akribisch zusammengetragen und aufgelistet – möglicherweise um unliebsame Politiker und Prominente einzuschüchtern.

Doch was auch immer hinter diesem Angriff auf deren Privatsphäre auch stecken mag: Er ist ein Weckruf für mehr Cybersicherheit und zeigt die Angreifbarkeit unserer digitalen Identität. Schließlich finden sich beispielsweise in vielen E-Mail-Postfächern längst brisante und intime Informationen, die niemand von sich selbst in der Öffentlichkeit sehen möchte.

Internet-Nutzer müssen mehr Verantwortung übernehmen

Trotzdem kümmern sich die meisten Deutschen viel zu wenig um den Schutz ihrer digitalen Identität. Unsichere Passwörter sind immer noch der Normalfall: Ziffernfolgen wie "123456", oder das besonders kreative Passwort "Passwort" gehören auch heute zu den beliebtesten Benutzerdaten überhaupt. Wer solche Passwörter benutzt lädt Hacker geradezu ein. Hier müssen viele Internet-Nutzer zukünftig selbst mehr Verantwortung übernehmen.

An anderer Stelle wird es schwieriger für den durchschnittlichen Verbraucher: Denn immer mehr Elektrogeräte enthalten inzwischen Online- und Netzwerk-Funktionen. Doch mit jedem Internet-Radio, jedem Smart-TV und jedem intelligenten Kühlschrank schleichen sich neue Angriffspunkte ins heimische Netzwerk. Denn die Software dieser Geräte hat oft genug schon beim Kauf unbekannte Sicherheitslücken. Über diese Sicherheitslücken können Cyberkriminelle später die Geräte kapern – und sie als Zwischenstation für Cyberangriffe nutzen oder um weitere Geräte in meiner Wohnung auszuspähen.

Die Politik muss aktiv werden

Deshalb muss auch die Politik aktiv werden und endlich die Geräte-Hersteller und Dienste-Anbieter stärker in die Haftung nehmen. Sicherheitsupdates sollten bei allen Geräten mit Netzwerkfunktionen für die gesamte Lebensdauer verpflichtend vorgeschrieben werden. Und Internetdienste verpflichtet werden, zum einen ihre Server ausreichend gegen Hacker-Attacken abzusichern – aber auch einzelne Benutzerkonten besser vor dem Ausspähen von Daten zu schützen. Die Möglichkeit für wiederholtes Ausprobieren von unterschiedlichen Passwörtern sollte genauso tabu sein wie vermeintliche Sicherheitsabfragen nach dem Geburtsnamen der Mutter oder dem Namen des Haustieres. Schließlich sind diese Fragen sind oft unsicherer als das ursprüngliche Passwort selbst. Hier müssen die Regeln für die Produkthaftung dringend verschärft werden und im Zweifelsfall sollten hohe Strafen dafür sorgen, dass die Firmen endlich mehr Geld in den Schutz unserer Daten stecken.

Stefan RömermannStefan RömermannStefan Römermann, geboren 1977, hat an der Universität Leipzig Theaterwissenschaft und Anglistik studiert. Seit 2003 arbeitet er beim Hörfunk, vor allem für die ARD und den Deutschlandfunk. Seine Themenschwerpunkte sind Computer, Medien und Technik.

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