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StartseiteKommentare und Themen der WocheViel zu tun - für den Staat und jeden einzelnen08.01.2019

DatensicherheitViel zu tun - für den Staat und jeden einzelnen

Der aktuelle Fall von Datenklau zeige, wie berechtigt die Kritik von Experten an dem Niveau der Datensicherheit in Deutschland ist, meint Gudula Geuther. Er lasse aber auch erkennen, dass die Ermittlungsbehörden im Netz was können. Das größte Problem für Datensicherheit seien jedoch die Nutzer.

Von Gudula Geuther

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Ein Mann sitzt an einem Laptop und tippt auf der Tastatur (imago / ZUMA Press)
Die Bundesregierung erwägt als Reaktion auf den Datenklau weitere Maßnahmen (imago / ZUMA Press)
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Auch wenn der mutmaßliche junge Täter gefasst ist, es bleiben Fragen. Fragen nach der Tat. Aber auch nach der Aufklärung. Etwa zum sogenannten Adventskalender, in dem schon im Dezember tröpfchenweise Informationen veröffentlicht wurden: Warum hat keiner der Follower, die diese Veröffentlichungen mitgelesen haben, die Sicherheitsbehörden informiert? Oder wurden da Informationen nicht weitergegeben? Vieles wollen die Ermittler noch aufklären, hoffentlich auch solche Fragen.

Laien müssen besser informiert werden

Seit Langem kritisieren Experten das Niveau der Datensicherheit in Deutschland. Dieser Fall zeigt, wie berechtigt das ist. Er zeigt aber auch ganz anderes: Die Ermittlungsbehörden können was, auch im Netz. Und: Das größte Problem für die Datensicherheit sind - natürlich, das muss so sein - die Nutzer. Es muss so sein, weil die Nutzer Laien sind, und weil sie für einen ausreichenden Schutz ständig dranbleiben müssen. Wer aber Passwörter wie "I love you" oder die Zahlen von eins bis fünf verwendet, muss sich nicht wundern. Beide Beispiele stammen aus der heutigen Pressekonferenz.

Deshalb sind die beiden Maßnahmen, die die Bundesregierung jetzt als Reaktion auf diese Tat erwägt, richtig: Verbraucher müssen besser informiert werden. Auch darüber, dass sie mit Unachtsamkeit nicht nur sich, sondern auch ihre Kontakte gefährden: Freunde, Bekannte, Kollegen. Und die zuständigen Behörden brauchen ein Frühwarnsystem, um Informationen, wie das zuständige Bundesamt sie in diesem Fall über viele Monate bekommen hat, besser einordnen und verknüpfen zu können. Gleichzeitig kann man fragen - wenn das geht, warum erst jetzt? An vielem anderen arbeiten Justiz- und Innenministerium schon länger, Cybersicherheit steht hoch auf der Agenda der Koalition. Das Geld für mehr Mitarbeiter des Bundesamtes ist längst bewilligt, die Plattform, die die Sicherheitsbehörden koordiniert, soll längst verbessert werden, ein Gesetz ist in Arbeit.

Gefährdet ist jeder - und auch die Demokratie

Aber Horst Seehofer hat heute auch noch einmal klar gemacht, warum das so ist: Gefährdet ist jeder einzelne, aber gefährdet ist - etwa mit Blick auf die anstehende Europawahl und mögliche Beeinflussungen - auch die Demokratie.

Das Bild ist also gemischt. Es wird viel getan, es muss mehr geschehen. Nur darf man es sich mit den Forderungen hier auch nicht zu leicht machen. Wenn etwa die Linkspartei will, dass das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik mehr für den Schutz der Bürger zuständig ist, dann ist das berechtigt. Nur stelle sich darunter niemand vor, dass das Amt dann alle unbefugten Veröffentlichungen wie etwa einen solchen Adventskalender von sich aus erkennen würde. "Wir wollen keinen Überwachungsstaat, auch nicht aufgrund einer solchen Tat, das ist kein Weg." Das sagte heute nicht der Chaos Computer Club, sondern die zuständige Abteilungsleiterin im Bundeskriminalamt Sabine Vogt. Sie hat recht. Leider heißt das: Es wird weiterhin, und zwar auf Dauer, viel zu tun sein. Für den Staat und für jeden einzelnen. Das geht, wenn alle das wissen.

(Deutschlandradio / Bettina Straub)Gudula Geuther (Deutschlandradio / Bettina Straub)Gudula Geuther, Jahrgang 1970, studierte Rechtswissenschaften in München und Madrid. Nach Abschluss des Referendariats berichtete sie vom Rechtsstandort Karlsruhe erst unter anderem für Reuters und die taz, dann für das Deutschlandradio. Nach kurzer Zeit als Deutschlandradio-Landeskorrespondentin in Hessen arbeitet sie heute als Korrespondentin für Rechts- und Innenpolitik im Deutschlandradio-Hauptstadtstudio.

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