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StartseiteVerbrauchertippRecht auf Selbstauskunft bei Schufa und Co.07.12.2018

DatenspeicherungRecht auf Selbstauskunft bei Schufa und Co.

Wer Telefon- oder Mietverträge abschließen will muss damit rechnen, dass Daten über seine finanziellen Verhältnisse erhoben werden. Das machen Auskunfteien wie die Schufa, Creditreform und andere. Welche Möglichkeiten und Rechte hat jemand, der wissen möchte, was diese Organisationen über ihn gespeichert haben?

Von Annette Eversberg

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Antragsformular der Schufa (imago/Schöning)
Einmal jährlich besteht das Recht auf kostenlose Abfrage der gespeicherten Daten bei diversen Auskunfteien (imago/Schöning)
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Nicht alle Verträge, die Verbraucher abschließen, gehen problemlos über den Tisch. Manchmal wird bei Telefonverträgen, bei der Hypothek oder bei der Einrichtung eines Girokontos vorab die Kreditwürdigkeit der Kunden geprüft. Aufgrund der Daten, die der Händler oder Vertragspartner gerade übermittelt hat - oder aber auch anhand von Daten, die die Auskunfteien möglicherweise über ihn gespeichert haben, beispielsweise über das Zahlungsverhalten und sogar das Viertel, in dem man wohnt. Gerrit Cegielka von der Verbraucherzentrale Bremen.

"Im Grunde genommen, dürfen sie alle Daten speichern, soweit eine entsprechende Einwilligung der Betroffenen vorhanden ist, bzw. ein berechtigtes Interesse an der Speicherung und Verarbeitung besteht."

Nicht immer ist also eine Einwilligung nötig, beispielsweise bei Bankgeschäften, betont der Verbraucherschützer.

"Im Grunde genommen reicht ein berechtigtes Interesse an der Datenverarbeitung."

Datenspeicherung darf kein Geheimnis sein

Aber ob mit oder ohne Einwilligung – welche Daten gespeichert werden, das darf kein Geheimnis sein. Thomas Bürck, Datenschutzbeauftragter der Auskunftei Infoscore Consumer Data GmbH in Baden-Baden:

"Jede betroffene Person hat ein Auskunftsrecht nach der EU-Datenschutz-Grundverordnung, Artikel 15. Und im Rahmen dieses Auskunftsanspruches erteilen wir jeder betroffenen Person, die bei uns anfragt, die entsprechende vollumfängliche Auskunft, welche Daten bei uns gespeichert sind."

Die entsprechende Selbstauskunft kann bei den Auskunfteien einmal jährlich kostenlos angefordert werden. Grundsätzlich geht das formlos per Brief oder E-Mail, manchmal auch telefonisch. Alternativ gibt es vorformulierte Musterbriefe im Internet.

Teilweise verlangen die Firmen aber auch eine Personalausweis-Kopie oder einen Scan zur Identifikation. Dabei reichen dann Vor- und Nachname, Alter, Geburtsort, Anschrift und Gültigkeit des Ausweises. Personalausweisnummer und Zugangsnummer, die der Absicherung bei wiederholt falscher Pin-Eingabe in ein Kartenlesegerät dient, sollten dagegen geschwärzt werden, raten Verbraucherschützer.

Aufsichtsbehörde kann eingeschaltet werden

Grundsätzlich müssen die Selbstauskünfte, vollständig sein. Thomas Bürck:

"Wir sind verpflichtet, Ihnen vollständig mitzuteilen, welche Daten bei uns gespeichert sind. Und wenn Sie nun den Eindruck haben, die Auskunft ist unvollständig, wir würden irgendwie was verheimlichen, könnten Sie beispielsweise die entsprechende Aufsichtsbehörde einschalten, und die würde dann eine Untersuchung starten, und das Ergebnis der Untersuchungen würde Ihnen dann mitgeteilt werden."

Zur Vollständigkeit gehören auch die Informationen, an wen Daten übermittelt wurden. Also beispielsweise an welche Banken oder Telefongesellschaften.

Abfragen sollte man bei den Auskunfteien aber nicht nur die tatsächlich gespeicherten Daten selbst. Denn das wichtigste Produkt der Auskunfteien ist ein statistischer Wert, der daraus errechnet wird – das sogenannte Scoring. Das ist die Bewertung der eigenen Kreditwürdigkeit. Die zu erfahren - darauf hat der Verbraucher ein Recht, erklärt Verbraucherschützer Cegielka.

"Das ist grundsätzlich zulässig nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes. Letztendlich muss darüber aber auch Auskunft erteilt werden, welche Daten praktisch zum Scoring herangezogen werden."

Wer darüber hinaus Hilfe braucht, findet sie zum Beispiel bei Verbraucherzentralen und den Datenschutzbeauftragten der Länder.

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