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StartseiteKultur heuteMalen in Technicolor18.07.2019

David Reed-Ausstellung in NürnbergMalen in Technicolor

Von den alten Meistern über die abstrakten Expressionisten bis hin zur Fernsehserie "Miami Vice": All das dient dem US-amerikanischen Maler David Reed als Inspirationsquelle. Er entwirft abstrakte Gemälde mit makellosen Oberflächen - und hinterfragt die menschliche Wahrnehmung.

Von Barbara Bogen

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David Reeds Werk #660 im Neuen Museum Nürnberg (1975/2003-2006/2007-2011/2015-2016/2016-2019) © VG Bild-Kunst, Bonn 2019, Courtesy: Häusler Contemporary München | Zürich (Annette Kradisch)
Die Ausstellung "Vice and Reflection #2" im Neuen Museum Nürnberg zeigt vier monumentale Leinwände des Künstlers David Reed (Annette Kradisch)
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Es ist ein intellektuelles Vergnügen, den US-amerikanischen Künstler David Reed zu erleben, etwa während seiner Vorträge. Wie sorgfältig, wie ernsthaft er sich beschäftigt mit seinen künstlerischen Vorgängern, den großen Repräsentanten des abstrakten Expressionismus in Amerika: Robert Motherwell, Helen Frankenthaler, Barnett Newman oder Mark Rothko.

Fast rührend, wie David Reed ihren Malgestus untersucht, wie er Motherwell etwa aufgrund mangelnder Authentizität des Pinselstrichs kritisiert und dann doch die Kritik wieder zurücknimmt. Wie er abwägt, Argumente hin und her bewegt, so wie ein sensibler Intellektueller das eben tut. David Reed ist zugleich ein feinsinniger Kenner und Bewunderer altmeisterlicher italienischer Malerei, vornehmlich des Manierismus und des Barock, sagt Museumsleiterin Eva Kraus:

"Ja, er bezieht sich sehr stark auf den Manierismus und das Barock. Weniger eben wegen der Inhalte, sondern vor allem wegen der Farbe und des Lichts, das in diesen Malereien so emotional, so strategisch eingesetzt wurde. Und er hat angefangen daran zu arbeiten, wie die Farbe und wie das Licht auf die Leinwand gebannt werden kann."

Inspiriert von der Serie "Miami Vice"

Wie stark David Reed aber auch von den Medien, von Kino, Film und Fernsehen beeinflusst ist, sieht man seinen Bildern sofort an. Mit ihren glatten Oberflächen wirken sie künstlich, fast synthetisch. Als "Technicolor Paintings" hat ein Kollege Reeds Arbeiten einmal bezeichnet. In der Tat: Reed wurde nicht allein von Filmklassikern wie John Fords Monumentalwestern "Der schwarze Falke" inspiriert, sondern auch von der Trivialserie "Miami Vice", eine Serie aus den 80er Jahren mit staccato-artiger Schnitttechnik.

"Miami Vice" setzte dabei längst nicht mehr auf die klassische Erzählung, sondern auf Farben, Licht, Dynamik, Körper, Emotion. Das coole Outfit der Protagonisten war ungleich wichtiger als der Plot. Natürlich ist ein Künstler wie David Reed viel zu reflektiert, um sich von so viel Oberfläche ernsthaft blenden zu lassen, aber er begriff, dass die Serie auch einem neuen Zeitgeist entsprach, dem die Kunst etwas schuldig war.

Vier monumentale Leinwände hängen jetzt im Neuen Museum Nürnberg, 1,90 Meter x 4,60 Meter groß, drei Querformate, ein Hochformat. Darauf nichts als Linien, Wellen, Spritzer, Flecken, Fragmente. Farben wie Meer und Gischt an einem heißen Sommertag in Florida, blau und weiß. Superkomplex sind Reeds Arbeitsweisen, wie er sich selbst mit Motiven zitiert, wie er etwa mittels Schablonen Pinselstriche kopiert und sie auf neue Bilder überträgt. Der Pinselstrich, der "brushstroke" erhält nach derlei Reflexionen bei Reed kurzerhand eine völlig neue Bedeutung, sagt Kurator Thomas Heyden:

"Das Bemerkenswerte an der Malerei von David Reed ist eben, dass er diesen brushstroke analysiert und letztlich keine brushstrokes schafft, keine echten, sondern er schafft Darstellungen eines brushstroke. Also, das sind Zeichen für einen authentischen, einen echten brushstroke, der natürlich in der Malerei seiner Zeit nicht mehr möglich war."

Präsentation nicht ganz gelungen

Zu den vier Monumentalgemälden und einem von Reed digital manipulierten Video von "Miami Vice", in das er ein eigenes Bild integriert hat, reihen sich in der Ausstellung 26 Skizzenblätter, "working drawings", Reflexionen des Künstlers, festgehalten in gestochen scharfer Handschrift auf Millimeterpapier.

Es ist eine puristische, ungemein reduzierte Ausstellung. "Installation" nennen die Ausstellungsmacher sie. Allerdings laufen die wenigen Exponate in dem tageslichthellen Ausstellungsraum Gefahr, sich trotz ihrer Größe zu verlieren. Und durch ihre spartanische Präsentation, weiß grundierte Bildflächen auf großen weißen Stellwänden, geht auch viel von der Sinnlichkeit der Malerei verloren.

Sehenswert ist die Schau dennoch. Schon, weil Reed uns mit folgendem Gedanken konfrontiert: Am Anfang unserer Wahrnehmung steht längst nicht mehr das Wort, sondern das Medium, das uns die Bilder liefert. Sei es durch Fernsehen oder Internet. Der Künstler hinterfragt Szenen, die in unser kollektives Gedächtnis eingedrungen sind und die wir am Ende für ein Teil halten von uns selbst. 

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