Mittwoch, 08.07.2020
 
Seit 06:50 Uhr Interview
StartseiteKommentare und Themen der WocheDie Notlandung der Lufthansa05.06.2020

DAX-AbstiegDie Notlandung der Lufthansa

Der Abstieg aus dem DAX bedeute zwar einen schmerzlichen Reputationsverlust, doch das sei derzeit nicht einmal die größte Sorge der Lufthansa, kommentiert Brigitte Scholtes. Wenn die Kranichlinie jetzt aber das Sparprogramm intelligent umsetze, stehe einem baldigen Abheben auch an der Börse wenig im Weg.

Von Brigitte Scholtes

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Vier stillgelegte Passagiermaschine der Lufthansa stehen auf dem leeren Rollfeld des Flughafen Frankfurt. (dpa / picture alliance / Boris Roessler)
Die Lufthansa-Aktie sei immer schon Schwankungen ausgesetzt gewesen, meint Brigitte Scholtes (dpa / picture alliance / Boris Roessler)
Mehr zum Thema

Lufthansa-Rettung Klausel zum Klimaschutz fehlt

Lufthansa, Alitalia und die Staatshilfen EU will Zombie-Unternehmen verhindern

Der Abstieg des Kranichs war fast zwangsläufig, auch wenn die Lufthansa unverschuldet in diese Krise geraten ist. Wohnen statt Reisen war in den letzten Monaten angesagt, und so passt es, dass den Platz der Lufthansa im Deutschen Aktienindex nun die Deutsche Wohnen einnimmt. Dabei ist die Lufthansa nicht das erste Gründungsmitglied des DAX, das aus dem Leitindex absteigt.

Es ist jedoch besonders schmerzlich für ein Unternehmen, das in den vergangenen Jahren Milliardengewinne eingefahren hat und das noch im Herbst wohl nicht mit einem Abstieg gerechnet hatte.

Lufthansa-Flieger stehen still, 06. Mai 2020 in Frankfurt am Main (dpa / Boris Roessler) (dpa / Boris Roessler)Nach Kursabsturz - Lufthansa im Sinkflug aus dem Dax
Wegen der Corona-Pandemie hat die Regierung erst kürzlich ein Rettungspaket für die Lufthansa geschnürt. Weil der Kurs so stark eingebrochen ist, fliegt die Fluggesellschaft nun aus dem größten deutschen Aktienindex.

Stabilisierung durch den Staat ist überlebenswichtig

"Das tut weh", sagte Lufthansa-Chef Carsten Spohr deshalb vor wenigen Tagen, als er auf den drohenden DAX-Abstieg angesprochen wurde. Allerdings hat er derzeit andere Probleme, die er meistern muss. Viel Freude an der Lufthansaaktie werden die Anteilseigner nach dem Staatseinstieg ohnehin nicht haben, auch wenn der Kurs in den letzten Wochen wieder einen Teil der heftigen Verluste aufgeholt hat. Doch ohne die Stabilisierung durch den Staat würde die Fluggesellschaft schließlich gar nicht überleben.

Als Gründungsmitglied aus dem DAX abzusteigen ist dennoch ein Verlust an Reputation, und der Abstieg bedeutet meist auch weniger Aufmerksamkeit  vor allem der internationalen Anleger. Über mangelnde Aufmerksamkeit aber braucht sich die Kranichlinie nicht zu beklagen. Ihre Entwicklung wird – DAX-Zugehörigkeit hin oder her – intensiv beobachtet werden.

Maschinen der Fluggesellschaft Lufthansa stehen auf dem Areal des Hauptstadtflughafens Berlin-Brandenburg (BER) abseits der Start- und Landebahn.  (dpa / picture alliance / Tino Schöning) (dpa / picture alliance / Tino Schöning)Rettungspaket für die Lufthansa - Wie viel Staat muss sein?
Mit neun Milliarden Euro will die Bundesregierung die Lufthansa retten. Linken-Politiker Thomas Lutze begrüßte im Dlf das Hilfspaket. Der Bund müsse aber mehr Einfluss bekommen. Dem widerspricht Michael Theurer (FDP).

Schaut man sich den Aktienkurs der letzten Tage an, dann kann man den Eindruck bekommen, die Lufthansa hebe schon wieder stark ab. Aber in Börsenkursen schwingt auch immer viel Hoffnung auf die Zukunft mit. Tatsächlich war die Lufthansa-Aktie immer schon recht schwankungsanfällig und hat den Anlegern in den letzten Jahren nicht nur Freude gemacht. Denn die langwierigen Auseinandersetzungen mit ihren Gewerkschaften haben sie immer wieder auch gelähmt und zum Stillstand gezwungen.

Schrumpfen und Sparen statt Höhenflug

Nun aber ist erst einmal Schrumpfen und Sparen angesagt. Und das bedeutet: Sie muss sich mit ihren Mitarbeitern auf sozialverträgliche Lösungen einigen. Wenn ihr das bald gelingt, dann steht einem weiteren Abheben auch an der Börse wenig im Weg. Es sei denn, das Coronavirus kehrt mit Macht zurück und erzwingt einen weiteren Lockdown. Ein Wiederaufstieg in den DAX aber dürfte wohl, wenn überhaupt, erst in einigen Jahren möglich sein – falls alles gut läuft.
 

Brigitte Scholtes (©Deutschlandradio / Bettina Straub)Brigitte Scholtes (©Deutschlandradio / Bettina Straub)Brigitte Scholtes, Jahrgang 1958, studierte Wirtschaftsgeschichte und Anglistik in Aachen und Bonn mit dem Abschluss Lehramt für Gymnasien. Sie arbeitete zunächst für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung", die damals auch Hörfunksendungen für das Privatradio RPR produzierte, wechselte dann zur Nachrichtenagentur Bloomberg Business News. Seit 1992 Partnerin im Redaktionsbüro Business Report, das 1998 die Wirtschaftskorrespondenz aus Frankfurt für Deutschlandradio übernommen hat. 

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk