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StartseiteWirtschaftsgesprächCommerzbank - nicht mehr stark und wichtig genug06.09.2018

DAX-RauswurfCommerzbank - nicht mehr stark und wichtig genug

Nach dem gestrigen Börsenschluss wurde bekannt: Die Commerzbank muss aus der ersten Börsenliga absteigen. Ausschlag seien eine zu schwache Aktie gewesen sowie fehlendes Potenzial für die Zukunft, erläutert Dlf-Wirtschaftsredakteur Klemens Kindermann. Aus der Bank könne jetzt schnell ein Übernahmekandidat werden.

Von Klemens Kindermann

Das Logo der Commerzbank (dpa/picture alliance)
Die Altlasten der Commerzbank sind immens - ihre Zukunft ungewiss. (dpa/picture alliance)
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Jetzt ist es passiert: Die Commerzbank muss aus der ersten Börsenliga absteigen. Die Deutsche Börse hat das gestern Abend nach Börsenschluss mitgeteilt. Klemens Kindermann aus der Wirtschaftsredaktion mit Antworten und Einschätzungen zu den wichtigsten Fragen.

Wie konnte es soweit kommen?

Vereinfacht gesagt: Die Aktie der Commerzbank ist zu schwach auf der Brust und zweitens, es fehlt ihr an Potenzial. So sieht es jedenfalls der Arbeitskreis Aktienindizes der Deutschen Börse, der das zweitgrößte Bankhaus Deutschlands gestern Abend nach US-Börsenschluss aus dem deutschen Leitindex DAX verstoßen hat. Die Commerzbank, kann man sagen, ist nicht mehr stark und wichtig genug für den DAX.

Maßstab für die Stärke einer Aktie ist zum einen der Wert, den ein Unternehmen an der Börse besitzt, die sogenannte Marktkapitalisierung. Zum anderen aber auch ihr Potenzial, also die Frage, wie sehr Anleger sich mit dieser Aktie beschäftigen. Das wiederum kann man am Börsenumsatz ablesen, das ist das Handelsvolumen der Papiere.

Beides stimmt bei der Commerzbank nicht mehr, der Aktienkurs ist seit Jahren ein einziges Desaster. Aktuell ist die Bank nur noch etwa zehn Milliarden Euro wert. Zum Vergleich: Das wertvollste Unternehmen im DAX, SAP, ist 13mal so viel wert, also 130 Milliarden Euro.

Was bedeutet der Abstieg der Commerzbank für das Geldinstitut?

Einen ungeheuren Imageverlust! Die Commerzbank: 1870 in Hamburg gegründet, Gründungsmitglied des DAX, in den 30 Jahren bisher immer dabei. Daher findet Commerzbank-Vorstandschef Martin Zielke diesen Hinauswurf auch nicht schön: 

"Wenn Sie mich jetzt fragen: Finden Sie das schön? Nein, finde ich nicht schön. Für mich hat das eine andere Konsequenz, wenn ich darüber nachdenke, was das für mich bedeutet: dass wir als Banken unser Geschäftsmodell digitalisieren und die technischen Entwicklungen nutzen müssen."
 
Also: der Vorstandschef sieht im Abstieg auch schon wieder die Chancen, wie ein guter Fußballtrainer. Aber: Er wird sich mit den ziemlich schmerzhaften Folgen dieser Schmach herumschlagen müssen: Viele Fonds müssen Änderungen in der Zusammensetzung des Index abbilden. Das heißt: Sie werden Commerzbank-Aktien verkaufen und das wird den Kurs des Papiers und damit den Wert des Unternehmens weiter schwächen. Was letztlich dazu führen könnte, dass die Commerzbank ein Übernahmekandidat wird.

Wird sich die Commerzbank von diesem Rückschlag wieder erholen?

Das ist wirklich die Frage. Im Moment raten zwei von drei Analysten davon ab, die Commerzbank-Aktie zu kaufen. Weil nicht zu sehen ist, wo die Zukunft herkommen soll. Die Altlasten sind immens. Der Kardinalfehler der Commerzbank ist ganz sicher die Übernahme der Dresdner Bank von der Allianz gewesen, mitten in der sich anbahnenden Finanzkrise Mitte 2008. Der frühere Commerzbank-Chef Martin Blessing damals mit folgender grandioser Fehleinschätzung:
 
"Wir sind sicher, dass wir mit dieser einen Marke dann für unsere Kunden in einer klaren Positionierung Wert schaffen können."

Zwei Wochen nach Bekanntgabe stürzte die Finanzwelt in sich zusammen, die Pleite der Investmentbank Lehman Brothers vor zehn Jahren, wir werden im Programm in den nächsten Tagen darauf noch oft eingehen. Daraufhin musste die Commerzbank auch noch für die Verluste der Dresdner geradestehen. Mit den bekannten Folgen: die Teilverstaatlichung – noch immer hält der deutsche Staat einen Anteil von 15 Prozent, also auch der deutsche Steuerzahler – etwas überspitzt: Auch wir sind heute Nacht ein Stück weit aus dem DAX geflogen.

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