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StartseiteWirtschaft und GesellschaftVorstandsgehälter stiegen 2018 deutlich25.03.2019

Dax-UnternehmenVorstandsgehälter stiegen 2018 deutlich

Die Dax-Vorstände konnten im vergangenen Jahr ein deutliches Plus bei ihren Gehältern verbuchen. Zu diesem Schluss kommt eine aktuelle Studie. Im internationalen Vergleich sind die Gehälter jedoch eher moderat. In manchen Ländern verdienen Konzern-Vorstände mehr als das dreifache ihrer deutschen Kollegen.

Von Mischa Ehrhardt

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Sektgläser stehen im Handelssaal der Frankfurter Wertpapierbörse vor der Anzeigetafel mit der Dax-Kurve.  (picture alliance/Arne Dedert/dpa)
Dax-Vorstände können die Korken knallen lassen: Ihre Gehälter steigen um 3,5 Prozent (picture alliance/Arne Dedert/dpa)
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7,5 Millionen Euro sind es, die ein Vorstandsvorsitzender eines Dax-Konzerns im Durchschnitt im vergangenen Jahr verdient hat. Im Vergleich zum Vorjahr ist das eine Steigerung von gut 3,5 Prozent.

Dabei lässt sich an den ausgezahlten Boni die eingetrübte Wirtschaftsentwicklung ablesen, denn die gingen um rund 13 Prozent zurück. Dafür sind die Auszahlungen aus mehrjährigen Vergütungssystemen gestiegen, unter anderem, weil es geschäftlich in den Jahren zuvor sehr gut lief.

Diesen Trend begrüßt Michael Kramarsch von der Unternehmensberatung hkp group:

"Das ist gut so. Weil ich muss als Manager, als Vorstand eines Unternehmens, eben genau die Balance hinkriegen, auf der einen Seite operativ jährlich einen Gewinn zu produzieren, gleichzeitig aber auch das Unternehmen langfristig erfolgreich aufzustellen. Und genau diese Balance bieten Jahresboni und mehrjährige variable Vergütungen ab".

Unter Langfristvergütungen fallen beispielsweise über mehrere Jahre verteilte Zuteilungen von Aktien des eigenen Unternehmens. 23 der 30 Dax-Unternehmen sind in die Studie von Kramarsch und seinen Kolleginnen eingeflossen.

Wirecard und Linde haben die aktuellen Zahlen noch nicht veröffentlicht, bei den fünf übrigen nicht erfassten Unternehmen haben die Vorstände gewechselt. Deswegen konnte zu den Gehältern im Gesamtjahr 2018 keine Aussage getroffen werden.

Eingeflossen sind jeweils die unterschiedlichen Elemente der Vergütung: Neben dem Fixgehalt sind das etwa langfristige Zuflüsse, Nebenleistungen und Bezüge zur Altersvorsorge. Dabei hat auch im vergangenen Jahr der Trend angehalten, dass die Vergütung der Konzernchefs, von Ausnahmen abgesehen, mit der wirtschaftlichen Entwicklung des Unternehmens einhergeht.

Männerdomäne Vorstandvorsitz

Noch immer ist das Lenken der Dax-Konzerne Chef-Sache: Es findet sich in keinem der 30 größten Börsenunternehmen des Landes eine Vorstandsvorsitzende. Dafür immerhin ist der Anteil von Frauen auf den sonstigen Vorstandsposten leicht gestiegen. 

"Es ist ein wenig positiv zu sehen, aber wenn man die historische Entwicklung sich anschaut, dürfte ist noch viele Jahre dauern, bis man bis wir da eine Gleichberechtigung der Geschlechter in den Vorständen sehen können", sagt Regine Siepmann von hkp.

Nach Analyse von Siepmann und Kramarsch ist im vergangenen Jahr nicht mehr SAP-Chef Bill McDermott der Spitzenverdiener im Dax gewesen, sondern der Beiersdorf-Vorsitzende Stefan Heidenreich, der zum Jahresende seinen Hut nahm. Ihm flossen über 23 Millionen Euro zu. Dieser Ausreißer erklärt sich mit der Auflösung seines Vertrages und darin vereinbarten langfristigen Vergütungselementen für erfolgreiche Geschäftsjahre in der Vergangenheit.

Im internationalen Vergleich moderat

Im vergangenen Jahr hat ansonsten nur noch Allianz-Chef Oliver Bäte die 10-Millionen-Euro-Schallgrenze knapp überschritten. Im internationalen Vergleich vor allem mit den USA sind die Vorstandsvergütungen in den Dax-Konzernen noch als moderat zu bezeichnen.

Helmuth Uder von der Unternehmensberatung Willis Tower Watson:

"International, wenn man über Deutschland und Europa hinaus schaut, sprich USA, dort sieht es so aus, dass doch noch deutlich mehr verdient wird. Und das in erster Linie wegen der hohen Anteile an Long-Term-Incentives, das heißt Mehrjahresvergütungen".

So haben die US-Unternehmenslenker im Dow Jones Index vor allem durch langfristige Vergütungen und Boni im Schnitt mehr als das dreifacher ihre Kollegen hierzulande einheimsen können.

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