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Startseite@mediasresWeitersenden trotz Brexit13.02.2019

DAZN beantragt deutsche Lizenz Weitersenden trotz Brexit

Ein möglicher harter Brexit ist auch für Medienunternehmen eine Herausforderung, denn mit dem Ausstieg aus der EU verlieren viele britische Sender ihre Lizenz für die EU-Mitgliedsstaaten. Der britische Streamingdienst DAZN hat deshalb eine Sendelizenz in Berlin beantragt - ein Beispiel, das Schule machen könnte.

Von Philip Banse

Die Apps von DAZN, Sky und dem Eurosport-Player (Rolf Vennenbernd/dpa/picture-alliance)
Die Genehmigung einer deutschen Sendelizenz für DAZN gilt als so gut wie sicher (Rolf Vennenbernd/dpa/picture-alliance)
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Der Sportsender DAZN, geschrieben DAZN, überträgt jedes Jahr tausende Sportveranstaltungen - von Tischtennis und Basketball über Baseball und Fußball, darunter so attraktive Wettbewerbe wie die Champions League. Der Bezahl-Sender SKY verbreitet zwei DAZN-Kanäle, wichtig sind jedoch die Apps für Smartphones, Tabletts, Schreibtischrechner, Spielkonsolen und Fernseher, mit denen gegen Bezahlung die Livestreams und Aufzeichnungen zu sehen sind.

DAZN ist in der EU aktuell in Großbritannien, Deutschland, Schweiz, Österreich und Italien zu empfangen. Grundlage ist eine Lizenz der britischen Behörde Ofcom. Die EU-Richtlinie für audiovisuelle Mediendienste sieht nämlich vor: Hat ein Unternehmen in einem EU-Mitgliedsland eine Sendelizenz, dann darf das Programm des Veranstalters auch in den anderen EU-Mitgliedsstaaten rechtmäßig verbreitet werden. Aus Angst, nach einem Brexit die Senderechte in der EU zu verlieren, ist DAZN bei der Landesmedienanstalt Berlin-Brandenburg vorstellig geworden, sagt deren Justiziar Marco Holtz:

Weitersenden trotz Brexit

"DAZN hat im Dezember einen Antrag auf Zulassung gestellt für insgesamt fünf Programme. Und zwar für das DAZN-Angebot für Deutschland, Österreich und Italien."

Mit dieser Lizenz könnte DAZN nach einem Brexit weitersenden wie bisher, auch für Zuschauer würde sich hierzulande nichts ändern. Die Voraussetzungen des Rundfunkstaatsvertrages, um eine solche Lizenz zu erhalten, sind relativ gering:

"Der Veranstalter muss eben technisch, wirtschaftlich, organisatorisch in der Lage sein, ein Rundfunkprogramm zu veranstalten, muss zum Beispiel einen Jugendschutzbeauftragten benennen, einen Programmverantwortlichen benennen und auch inhaltlich uns darlegen, dass eben ein ordnungsgemäßer Betrieb möglich ist."

Gestern haben sich die Justiziare der zuständigen Landesmedienanstalten getroffen, um unter anderem über den Lizenzantrag von DAZN zu sprechen. Dabei - so ist aus den Landesmedienanstalten zu hören - hat es keine Einwände gegeben. Der Antrag sei "ganz vernünftig gestellt", heißt es. Es gebe keine Zweifel, dass DAZN die Voraussetzungen erfüllt. Endgültig über die Lizenzerteilung entscheiden müssen jedoch die Direktoren der Landesmedienanstalten, das ist für kommenden Dienstag geplant. Dass DAZN dann seine Post-Brexit-Lizenz für die EU bekommt, gilt als sicher.

Mehrere britische Unternehmen wollen deutsche Lizenz

Offen ist noch die Frage, warum DAZN die Lizenz in Berlin beantragt. Der Sender hat in der Hauptstadt zwar ein kleines Büro mit 15 Mitarbeitern, der größere Deutschland-Standort ist jedoch in Ismaning bei München. Der Justiziar der Berliner Landesmedienanstalt:

"Wir gehen davon aus, dass DAZN sich für Berlin entschieden hat, weil es hier einen gewissen Anknüpfungspunkt gibt. Aus welchen Gründen jetzt genau der Antrag in Berlin gestellt wurde, da müssten 

Ein Sprecher von DAZN Deutschland schreibt per E-Mail, dass sich das Unternehmen wegen des laufenden Verfahrens nicht äußern möchte. Insider gehen davon aus, dass DAZN seine Zukunft eher in Berlin sieht als in München.

Wegen der Bedeutung des deutschen Marktes hätte das Unternehmen wahrscheinlich ohnehin eine Lizenz in Deutschland beantragt - der drohende Brexit habe das lediglich beschleunigt. Und so spricht die Medienanstalt Berlin-Brandenburg bereits mit weiteren Medienunternehmen über einen Brexit-Lizenz - da sei aber noch nichts spruchreif, heißt es.

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