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StartseiteKommentare und Themen der WocheBahn muss auf die Spur23.11.2018

DB-Aufsichtsratssitzung Bahn muss auf die Spur

Zwei Tage lang hat sich der Aufsichtsrat der deutschen Bahn über die Probleme des Unternehmens gebeugt: Was hilft gegen Verspätungen, Zugausfälle, technische Defekte? Die Bahn ist ein wichtiger Baustein für die Klimapolitik, darum drängt die Zeit, kommentiert Nadine Lindner.

Von Nadine Lindner

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ICE-Züge am Flughafenbahnhof, Frankfurt am Main, Hessen, Deutschland, Europa | imageBROKER / picture alliance | Verwendung weltweit, Keine Weitergabe an Wiederverkäufer. (picture alliance / Imagebroker)
Der Verkehrssektor muss 40 Prozent CO2 bis 2030 einsparen, damit Deutschland seine Klimaziele erreichen kann - ohne den Verkehrsträger Bahn sei das utopisch, meint Nadine Lindner (picture alliance / Imagebroker)
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Es ist Freitag. Ein klassischer Bahnfahrtag. Wer es dann nach Hause in den Kreis seiner Lieben geschafft hat, hat ein verlässliches Smalltalk-Thema für die Runde beim Wein. Der Kanon der Klagen ist bekannt und wird gern geteilt: Die Verspätungen, die unfreiwilligen Aufenthalte in unbekannten, meist zugigen Bahnhöfen, die Bundespolizei, die einrücken muss, um völlig überfüllte Züge für die Weiterfahrt zu räumen. Man runzelt die Stirn, lacht, stößt an und geht zum nächsten Thema. Die Runde, die sich in den vergangenen zwei Tagen in Berlin getroffen hat, die 20 Aufsichtsräte der Bahn, hatte die gleichen Themen, aber sicherlich weniger Spaß. Denn der Schuh drückt an vielen Stellen. Zu wenige Züge, zu wenig Personal, ein enormer Investitionsstau, selbst gesteckte Pünktlichkeitsraten, die verfehlt werden.

Sparkurs rächt sich

Und die Probleme betreffen nicht allein den Fernverkehr. Auch im Schienennahverkehr und im Güterverkehr läuft längst nicht alles rund. Im Nahverkehr können Verspätungen nicht ausgeglichen  werden, weil Pufferzeiten im Fahrplan fehlen, so berichten es Betriebsräte. Im Güterverkehr ist Ersatzteilmangel nur eines von vielen Probleme. Nun rächt sich der Sparkurs der Vorjahre. Die Führungsetage der Bahn erkennt die Probleme immerhin an: "Wachstumsschmerzen" hat DB-Chef Richard Lutz in dieser Woche eingeräumt. Sie entstehen durch Kapazitätsengpässe, mehr Fahrgäste und zusätzlichen Güterverkehr. Die Probleme bei der Bahn sind nicht nur ein Alltagsärgernis für Kunden und Mitarbeiter. Die Bahn ist mehr als ein Fortbewegungsmittel, sie ist ein strategischer Baustein in der deutschen Klimaschutzpolitik.

Bahn will Fahrgastzahlen bis 2030 verdoppeln

Zwei Zahlen zeigen wie groß die Herausforderungen sind, die auf die Bahn bis zum Jahr 2030 zukommen. Eine Kennzahl kommt aus dem Koalitionsvertrag: sie besagt, dass sich die Zahl der Fahrgäste in den kommenden 11 Jahren verdoppeln soll. Die andere Zahl kommt aus dem Klimaschutzplan, in dem die Bundesregierung runtergerechnet hat, wie viel CO2 jeder Sektor einsparen muss, um die Klimaschutzziele aus dem Pariser Abkommen zu erreichen. Für den Verkehrssektor sind das stolze 40 Prozent bis 2030. Mindestens. Vielleicht auch zwei Prozent mehr. Angesichts des steigenden Individual- und Güterverkehrs auf den Straßen ist dieses Ziel ohne den Verkehrsträger Bahn völlig utopisch. Es ist ohnehin nur schwer zu erreichen.

Anpacken - auch für die deutsche Klimapolitik

Die Signale, die bislang aus dem Verkehrsministerium kommen, gehen wenigstens zaghaft in die richtige Richtung. Der CSU-Politiker Andreas Scheuer verspricht mehr Geld für die Bahn, einen grundlegenden Umbau im Fahrplan hin zu einem Deutschlandtakt, der lange Umsteigezeiten vermeidet. Das soll die Deutsche Bahn attraktiver machen. Jetzt muss angepackt werden, die Zeit drängt. Nicht nur für die Bahn, ihre geplagten Mitarbeiter und Kunden, sondern auch für deutsche Klimapolitik.

Nadine LindnerNadine LindnerNadine Lindner, Jahrgang 1980, studierte Politikwissenschaft, Afrikanistik und Journalistik in Leipzig und Lissabon. Nach Stationen beim Ausbildungssender der Universität Leipzig mephisto 97.6, der "FAZ" und dem MDR folgte ein Volontariat beim Deutschlandradio. Von 2013 bis 2015 war sie Landeskorrespondentin im Studio Sachsen. Heute arbeitet sie als Korrespondentin im Hauptstadtstudio und ist für die Grünen, Energie- sowie Umweltpolitik zuständig.

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