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StartseiteSport am Wochenende"Westdeutsche Sportler wurden als Abwerber dargestellt"26.12.2014

DDR-Fluchthelfer"Westdeutsche Sportler wurden als Abwerber dargestellt"

Die Flucht des DDR-Schwimmers Axel Mitbauer durch die Ostsee im Jahr 1969 ist berühmt. Doch bereits im Jahr davor wollten ihm die beiden westdeutschen Schwimmer Wolfgang Kremer und Werner Ufer helfen, in den Westen zu kommen. Doch dieser Fluchtversuch scheiterte - und hatte für Ufer katastrophale Folgen.

Wolfgang Kremer und Werner Ufer im Gespräch mit Andrea Schültke

Wachturm der ehemaligen Untersuchungshaftanstalt des Ministeriums für Staatssicherheit an der Genslerstraße in Berlin-Hohenschönhausen. (imago/Seeliger)
Wachturm der ehemaligen Untersuchungshaftanstalt des Ministeriums für Staatssicherheit an der Genslerstraße in Berlin-Hohenschönhausen. (imago/Seeliger)
Weiterführende Information

Schwimmer als DDR-Fluchthelfer - Brief mit verheerenden Folgen
(Deutschlandfunk, Sport am Wochenende, 14.12.2014)

Der westdeutsche Schwimmer Wolfgang Kremer wollte seinem DDR-Kollegen Axel Mitbauer bei der Flucht in den Westen helfen. Die Sportler wollten warten, dass ein internationaler Wettkampf stattfindet, damit Mitbauer dann ins westliche Ausland hätte ausreisen können.

Kremers Trainer Werner Ufer nahm zwei Briefe mit nach Ostberlin, wohin er mit seiner Verlobten reiste. Einer ging an Kremers Schwester, der andere an die Mutter von Alex Mitbauer. Doch die Briefe wurden auf dem Armaturenbrett von der DDR-Polizei entdeckt.

Neun Monate als politischer Gefangener

Ufer wurde nach Ostberlin in die Haftanstalt Hohenschönhausen gebracht, seine Braut kam am Abend wieder frei und kehrte nach Westberlin zurück. Beim Wettkampf, wo nun der Trainer fehlte, lautete die offizielle Version, Ufer sei erkrankt und abgereist.

Wolfgang Kremer (l.), Andrea Schültke (m.) und Werner Ufer beim Interview. (Werner Ufer)Wolfgang Kremer (l.) und Werner Ufer (r.) wollten Axel Mitbauer zur Flucht verhelfen. Doch Ufer wurde in Ostberlin verhaftet und verbrachte fast neun Monate im Stasigefängnis. (Werner Ufer)

Doch in Wahrheit musste er neun Monate lang täglich Verhöre im Stasi-Gefängnis Hohenschönhausen erdulden - man wollte herausfinden, wer aus der BRD Abwerbung von DDR-Sportlern betreibt, so Ufer. "Abwerbung" war auch der offizielle Vorwurf, der aus den Stasi-Akten Ufers und Kremers hervorging, wohingegen die Fluchtpläne Mitbauers offiziell nie existierten.

Herbert Wehner, damals bundesdeutscher Sportminister, erwirkte schließlich einen Gefangenenaustausch, Ufer kam nach einem Dreivierteljahr frei. Doch seine Braut war mit seinem Anwalt durchgebrannt.

Wiedersehen mit Mitbauer

Axel Mitbauer schwamm im Jahr darauf durch die Ostsee, ihm gelang die Flucht. "Das war eine riesengroße Überraschung, ich dachte nicht, dass das gelingen könnte", sagte Wolfgang Kremer. Im Anschluss meldete sich Mitbauer bei Kremer, die beiden trafen sich in Bremen und schwammen später sogar in Bonn in der gleichen Trainingsgruppe. Doch: "Man hatte sich gar nicht viel zu sagen. Uns hat menschlich nichts verbunden, trotz der ganzen Sache", sagte Kremer.

Werner Ufer spricht noch heute ungern über die Zeit in Hohenschönhausen. Er sagte: "Diese Haft hat mich ein bisschen verändert. Noch einmal könnte ich sowas nicht aushalten."

Das vollständige Gespräch können Sie mindestens fünf Monate als Audio-on-Demand nachhören.

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