Donnerstag, 13.05.2021
 
Seit 07:05 Uhr Information und Musik
StartseiteKommentare und Themen der WocheNun wird es hektisch und konfus05.04.2021

Debatte über Corona-MaßnahmenNun wird es hektisch und konfus

Der von CDU-Chef Armin Laschet jetzt vorgeschlagene "Brücken-Lockdown" ist zwar richtig, kommt aber zu spät, kommentiert Theo Geers. Von Führung in der Krise und durch die Krise, wie es die Mehrheit im Lande erwarte, sei immer weniger zu spüren.

Ein Kommentar von Theo Geers

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Armin Laschet, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, spricht während einer Pressekonferenz im Aachener Impfzentrum. (picture alliance/dpa | David Young)
Nach einer Phase des Nachdenkens schlug der CDU-Chef und mögliche Kanzlerkandidat Armin Laschet am Ostermontag einen "Brücken-Lockdown" vor (picture alliance/dpa | David Young)
Mehr zum Thema

Bundestagswahl Die Union im K-Frage-Dilemma

Die Pressekonferenz als Bühne "Nach meiner Kenntnis ist das sofort, unverzüglich"

Coronamaßnahmen in Deutschland Was regelt das Infektionsschutzgesetz und wer kann es ändern?

Mit dem Einschenken von reinem Wein ist es so eine Sache. Vor allem, wenn Politiker die Flaschen und Bürger die Gläser in Händen halten. Denn um schöne Worte für unangenehme Dinge sind Politiker selten verlegen. CDU-Chef und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet ist auch so ein Politiker, obwohl er - dies vorweg - die richtigen Dinge vorschlägt.

Interaktive Karte mit COVID-19-Statistiken vom Zentrum für Systemwissenschaft und Systemtechnik der Johns Hopkins University in Baltimore (picture alliance / dpa / Ostalb Network) (picture alliance / dpa / Ostalb Network)Was die Neuinfektionen für die kommenden Wochen bedeuten 
Eine Epidemie bedeutet ständige Veränderung. Die Situation ist im Fluss, doch wohin? Zahlen bieten Orientierung, aber sie verwirren auch. Ein Wert alleine wird der Dynamik nicht gerecht. Ein Überblick über Zahlen und Trends.

Ein "Brücken-Lockdown" soll jetzt helfen, das Land, seine Bürger und seine Wirtschaft hinüberzuretten in die Zeit, in der die aktuelle Virusmutante niemanden oder zumindest nur noch wenigen ernsthaft etwas anhaben kann. Wer nun beim Wort "Brücken-Lockdown" erst einmal zusammen zuckt, weil das irgendwie an den ebenso schön klingenden "Wellenbrecher-Lockdown" von Ende Oktober, Anfang November erinnert, der sollte sich Laschets Ideen genauer anschauen.

Hart soll er sein, der Lockdown

Schnell wird deutlich: Es liegen Welten zwischen den halbherzigen Maßnahmen, die im November begannen und ebenso halbherzig später noch einmal verlängert und verschärft wurden, und dem, was nun kommen soll. Laschet meint es offenbar ernst mit dem Lockdown. Hart soll er dieses Mal sein, Kontakte im privaten Bereich und am Arbeitsplatz regelrecht nach unten prügeln, Schulen und Kitas nicht außen vor lassen und all denen, die, wie die Gastronomen, ohnehin zu haben, noch mal eine Verlängerung bescheren.

Es wäre zwar immer noch nicht das ganz große Besteck, das da ausgepackt würde - was das bedeutet konnte man zuletzt in Paris oder Lissabon beobachten - aber das große Besteck ist es schon. Ausgangssperren am Abend und über Nacht, mehr Homeoffice und damit weniger Fahrten zum Arbeitsplatz, das würde viel bewirken. Vorausgesetzt alle ziehen mit. Doch Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) ist jetzt schon dagegen – zumindest dagegen, dass ein solcher Lockdown, wie Laschet es vorschlägt, vorzeitig auf einer Ministerpräsidentenkonferenz beschlossen wird.

Das kann ja lustig werden

Müller hat keine Eile, will es, anders als Laschet, beim 12. April, dem bislang gültigen Termin für das nächste Treffen, belassen. Das kann ja lustig werden. Wenn man sich zwischen Aachen und Berlin noch einmal über die Dringlichkeit eines Beschlusses einig ist, wie will man sich da auf einen harten Lockdown einigen, an den sich hinterher auch noch alle halten. Dabei ist unbestreitbar: Das was Armin Laschet jetzt vorschlägt, ist zwar richtig, kommt aber zu spät. Das alles hätte schon viel früher beschlossen werden müssen und nicht erst an dem Tag, an dem Zahl derjenigen, die auf Intensivstationen um ihr Leben kämpfen und dabei von überlasteten Heldinnen und Helden auf diesen Stationen versorgt werden, stramm auf die Zahl 5.000 zumarschiert.

Soweit hätten es die Laschets, Söders, Schwesigs oder Günthers dieser Republik nie kommen lassen dürfen. Sie haben es aber so weit kommen lassen, sie haben eine Kanzlerin, die strengere Maßnahmen wollte, immer wieder ins Kiesbett laufen lassen, zuletzt mit der Notbremse, deren Eingreifschwelle vorher aber noch schnell auf 100 heraufgesetzt wurde. Und egal, ob es Besserwisserei beim einen, Angst vor der AfD beim Zweiten oder Ambitionen auf eine Kanzlerkandidatur beim Dritten waren – sie alle hätten es schon längst anders machen müssen. Und "anders" heißt hier "besser."

Nun, wo die Zahlen katastrophal werden, wo man mit dem Impfen noch nicht hinterherkommt, wird es plötzlich hektisch, ja sogar konfus. Von Führung in der Krise und durch die Krise, wie es die Mehrheit im Lande erwartet, ist immer weniger zu spüren.  

Theo Geers, 1959 in Sögel geboren, Studium der Volkswirtschaft an der Universität Köln, seit 1984 freier Journalist u. a. für DLF, WDR und andere ARD-Anstalten, seit 1991 als Wirtschaftsredakteur beim Deutschlandfunk. 1997 bis 2001 Korrespondent in Brüssel, 2010 bis 2011 Redaktionsleiter Wirtschaft und Umwelt, seit 2012 Berliner Korrespondent für die Programme des Deutschlandradio, Themenschwerpunkt Wirtschaft und Finanzen.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk