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StartseiteKommentare und Themen der WocheÜber Trump zu schimpfen, bringt nichts08.06.2020

Debatte über US-TruppenrückzugÜber Trump zu schimpfen, bringt nichts

Ob der Teilabzug amerikanischer Soldaten aus Deutschland nur ein Gerücht bleibe, sei noch völlig unklar, kommentiert Marcus Pindur. Um von den Launen eines Mannes im Weißen Haus unabhängiger zu sein, helfe nur, die deutschen Streitkräfte in einen besseren Zustand zu versetzen.

Von Marcus Pindur

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Ein Soldat steht auf dem Rollfeld der US Air Base Ramstein und gibt einem C-1301J Super Hercules Transportflugzeug Kommandos.  (imago images/ Zuma Press/ US Air Force)
Der militärische Luftknotenpunkt Ramstein hat für die USA große Bedeutung (imago images/ Zuma Press/ US Air Force)
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Der Wahlkampf in den USA wird noch so manche Provokation für die Europäer und namentlich die Deutschen bereithalten. Donald Trump, das kleinliche und gleichzeitig übergroße Ego im Weißen Haus, wird dafür schon sorgen. Die deutsche Politik ist gut beraten, dies mit einer Portion Gelassenheit zur Kenntnis zu nehmen.

Eine Milliarde Euro in Landstuhl investiert

Denn ob es so kommt, wie die aus dem Weißen Haus durchgestochenen Gerüchte sagen, weiß noch niemand so genau. Angeblich wusste auch das Pentagon nichts vom Abzug eines Drittels der amerikanischen Soldaten, den das Weiße Haus angeblich will. Und es spricht auch einiges dafür, dass das Gerücht über den Teilabzug auch ein Gerücht bleibt. Das amerikanische Militär hat ein starkes Interesse daran, das Drehkreuz Deutschland zu erhalten, und dazu gehört eben auch eine entsprechende personelle Präsenz. Weder das Militärkrankenhaus Landstuhl, noch den militärischen Luftknotenpunkt Ramstein wollen die amerikanischen Generäle schließen. Eine Milliarde Euro haben die USA in den letzten Jahren in Landstuhl investiert. Deutschland ist nicht nur wichtiger Infrastrukturstandort für die amerikanischen Streitkräfte in Europa. Auch die Kommandozentralen für Afrika und den Nahen Osten befinden sich hier.

Außenpolitik rein innenpolitisch gedacht

Weil aber Trump Außenpolitik rein innenpolitisch denkt, heißt all das noch lange nicht, dass sich die militärischen Experten im Pentagon durchsetzen werden. Für Trump zählt der große Gestus, zumal im Wahlkampf. Den Verbündeten ihren Platz in der Hackordnung zu zeigen, ist Kernbestandteil des Trumpschen Politikstils. Denn in seinen Augen sind die Verbündeten Ballast, nicht Sicherheitsgewinn. Daran ist übrigens die deutsche Politik mit Schuld. Wir haben 25 Jahre die Bundeswehr als Sparbüchse der Nation mißbraucht - jetzt schmiert uns das Trump so oft aufs Brot, wie es ihm passt.

USA - der größte Sicherheitsgarant für Europa

Teile der deutschen Politik mögen jetzt in der Versuchung sein, trotzig aus den Bündnisverpflichtungen – Stichwort Zwei-Prozent-Ziel - abzutauchen und den amerikanischen Soldaten zum Abschied leise Servus zu sagen. Das wäre eine strategische Dummheit sondergleichen. Denn die USA sind nach wie vor der große Sicherheitsgarant für Europa. Polen und Balten sehen das sehr viel klarer, weil ihnen die Bedrohung durch Putins Russland direkt vor Augen steht. Wenn wir unabhängiger von den Launen des Mannes im Weißen Haus sein wollen, dann müssen wir uns selbst ertüchtigen und unsere Streitkräfte in einen besseren Zustand versetzen. Bis dahin, bis zu einer europäischen Abschreckung, ist es noch ein langer Weg. Und den müssen wir selbst zurücklegen. Über Trump zu schimpfen, hilft da gar nichts.

Marcus Pindur, Korrespondent in Washington (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré )Marcus Pindur (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré )Marcus Pindur hat Geschichte, Politische Wissenschaften, Nordamerikastudien und Judaistik an der Freien Universität Berlin und der Tulane University in New Orleans studiert. Er war Stipendiat der Fulbright-Stiftung, der FU Berlin sowie des German Marshall Fund. 1997 bis 1998 arbeitete er als Politischer Referent im US-Repräsentantenhaus. Pindur war ARD-Hörfunkkorrespondent in Brüssel, bevor er 2005 zum Deutschlandradio wechselte. Von 2012 bis 2016 war er Korrespondent für Deutschlandradio in Washington, D.C. Seit Anfang 2019 ist er Deutschlandfunk-Korrespondent für Sicherheitspolitik.

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