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Debatte um Abschiebungen"Fehlende Empathie"

Das Bild zeigt die Hände einer Person in einer Lederjacke, die das Schild mit der Aufschrift "No Deportation" halten. (Henning Kaiser/dpa)
Protest gegen Sammelabschiebungen nach Afghanistan. (Henning Kaiser/dpa)

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Bedford-Strohm, hat von der Politik mehr Empathie bei der Abschiebung von Flüchtlingen gefordert. Er schaltete sich damit in die Diskussion um die jüngsten Äußerungen von Bundesinnenminister Seehofer ein.

Die Entwicklungen der letzten Tage machten dieses Anliegen um so dringlicher, sagte Bedford-Strohm dem "RedaktionsNetzwerk Deutschland". Viele Menschen und besonders die christlichen Kirchen wollten den Auszug der Empathie aus den öffentlichen Diskussionen um die Flüchtlingspolitik nicht länger hinnehmen. Jüngster Anlass ist die Äußerung von Innenminister Seehofer, wonach ausgerechnet an seinem 69. Geburtstag 69 Personen nach Afghanistan zurückgeführt worden seien. Das sei von ihm nicht so bestellt gewesen, hatte Seehofer gesagt. Gestern war bekannt geworden, dass sich einer dieser 69 Personen in Kabul das Leben genommen hat.

Politiker von Grünen, FDP und Linken verlangten daraufhin den Rücktritt des Ministers. Es sei höchste Zeit, dass Seehofer gehe, sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der Partei Die Linke, Korte. Die Vorsitzende des Menschenrechtsausschusses im Bundestag, Jensen, von der FDP führte im Tagesspiegel, der Innenminister sei aufgrund seiner zynischen Äußerungen offensichtlich falsch im Amt. Grünen-Fraktionschef Hofreiter sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland, Seehofer sei ganz offensichtlich in seinem Amt moralisch überfordert und schlicht ungeeignet, seine Aufgaben verantwortungsvoll zu erfüllen. Der Vizepräsident des Deutschen Bundestags, Oppermann, bezeichnete Abschiebungen als ernsthafte Angelegenheit. Damit mache man keine Späße, sagte er der Zeitung "Die Welt".

Diese Nachricht wurde am 12.07.2018 im Programm Deutschlandfunk gesendet.