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StartseiteKommentare und Themen der WocheEs klafft ein gefährliches Loch im Konjunkturpaket09.06.2020

Debatte um CoronahilfenEs klafft ein gefährliches Loch im Konjunkturpaket

Im Corona-Konjunkturpaket der Bundesregierung fehle etwas, kommentiert Klemens Kindermann. Neben der Stärkung der Binnennachfrage und der Förderung von Zukunftstechnologien müsse es auch darum gehen, den Export wieder anzustoßen. Denn davon hänge jeder vierte Arbeitsplatz in Deutschland ab.

Von Klemens Kindermann

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 Das Bild zeigt einen Arbeiter an einem Montageband in einer VW-Autofabrik. Der Arbeiter trägt eine Mundnasenmaske. (dpa / dpa-Zentralbild / picture alliance / Hendrik Schmidt)
Die Coronakrise hat die Exportnation Deutschland hart getroffen (dpa / dpa-Zentralbild / picture alliance / Hendrik Schmidt)
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Viele Menschen haben in diesen Tagen andere Sorgen: um ihren Arbeitsplatz, um das Abzahlen von Raten bei niedrigerem Einkommen, um ihre geschäftliche Existenz. Da sind die mehr als 30 Prozent, um die der deutsche Export eingebrochen ist, für viele vielleicht nicht mehr als eine statistische Feststellung, die angesichts des Ausmaßes der ökonomischen Folgen der Corona-Pandemie nun auch nicht mehr überrascht.

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Und doch handelt es sich um eine wichtige Prozentzahl. Nicht nur weil der Rückgang der Ausfuhren in dieser Größenordnung für das Nachkriegsdeutschland historisch ist, sondern weil dieser Export-Einbruch die öffentliche Aufmerksamkeit auf die Frage zurückführt: womit soll Deutschland nach der Corona-Krise eigentlich Geld verdienen? Immer noch mit dem Export, den wir in den letzten Jahrzehnten so weltmeisterlich beherrschten? Oder mit einem anderen Wirtschaftsmodell, das vor allem auf die Stärkung der Binnennachfrage abzielt?

Da ist viel Zukunft im Spiel - und wenig Gegenwart

Die aktuelle Bundesregierung aus Union und SPD hat sich da schon einigermaßen festgelegt: Das soeben beschlossene Corona-Konjunkturpaket zielt vor allem auf die Stärkung des Konsums, die Verbesserung der Infrastruktur und soziale Sicherungen ab. Zur Stärkung des Exports findet sich in den Beschlüssen der Koalition ausdrücklich vor allem eine nationale Wasserstoffstrategie, deren Ziel es sein soll, Deutschland bei dieser Technik zum "Ausrüster der Welt" zu machen. Da ist viel Zukunft im Spiel - und wenig Gegenwart.

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Ganz anders Frankreich. Für die Rettung der Luftfahrtindustrie will Paris 15 Milliarden Euro ausgeben und das wurde heute ausdrücklich damit begründet, dass der globale Markt nicht zwischen den USA und China aufgeteilt werden dürfe. Ein Moratorium für die Rückzahlung von Exportkrediten ist deshalb Teil dieses Zukunfts-Planes.

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In Frankreich weiß man, dass es zunächst einmal um die faktische Sicherung und das Wiederanlaufen des Exports gehen muss. Von einem Gründungsakt des industriellen Frankreichs nach der Krise, das sich seine Zukunft zurückerobert, war die Rede. Und wie erobert sich Deutschland konkret seine Zukunft im Export zurück?

Zwischen den vielen Maßnahmen zur Stärkung der Binnennachfrage einerseits und der Förderung von Zukunftstechnologien für übermorgen andererseits klafft ein Loch. Ein gefährliches Loch. Denn jeder vierte Arbeitsplatz in Deutschland hängt vom Export ab, in der Industrie ist es jeder zweite.

Klemens Kindermann (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Klemens Kindermann (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Klemens Kindermann ist seit 2009 Abteilungsleiter Wirtschaft und Gesellschaft und seit 2012 stellvertretender Chefredakteur beim Deutschlandfunk. Von 1991 bis 1997 war er Redakteur und Korrespondent der Deutsche Presse-Agentur (dpa). Danach wechselte er 1997 zur Wirtschafts- und Finanzzeitung "Handelsblatt", wo er als Fachredakteur, Desk-Chef im neu geschaffenen Newsroom und ab 2004 als stellvertretender Ressortleiter Wirtschaft & Politik tätig war.

 

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