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StartseiteKommentare und Themen der WocheNeuverteilung des Verkehrsraumes notwendig07.05.2019

Debatte um E-TretrollerNeuverteilung des Verkehrsraumes notwendig

Die Entscheidung des Bundesverkehrsministers, das Fahren von E-Rollern auf Gehwegen nicht zu erlauben, sei eine gute Nachricht, kommentiert Britta Fecke. Allerdings würden die Unfallrisiken nun auf die Radwege verlagert. Notwendig sei daher eine Neuverteilung des Verkehrsraumes - mit autofreien Innenstädten.

Von Britta Fecke

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Drei E-Scooter, auch E-Roller genannt, warten auf Kundschaft (picture alliance / Karl Schöndorfer / picturedesk.com)
E-Roller dürfen künftig nicht auf Gehwegen fahren (picture alliance / Karl Schöndorfer / picturedesk.com)
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Doch da stellt sich die Frage, ob das Problem  - die Unfallgefahr oder Kollisionsgefahr  - mit den schnellen, lautlosen Rollern nicht nur verlagert wurde: vom Fuß- auf den Radweg? - Vorab sei gesagt, dass jedes Gefährt, dass einen Stickoxid- und Feinstaubemmitierenden Diesel oder Benziner in der Stadt ersetzt ein gutes Gefährt ist. Dennoch zeigt die Diskussion um elektrisch angetriebene Tretroller, dass es um mehr geht, als nur eine weitere Fortbewegungsart. Es geht am Ende um die Neuverteilung des Verkehrsraumes.

Gefahren des Radfahrens werden verschärft

Die Idee junge oder junggebliebene Menschen für schnittig, schnelle Roller zu begeistern, und diese als Alternative zu SUVs oder verdreckten Bussen anzubieten, diese Idee ist ja begrüßenswert. Allein, es fehlt der Platz für all die elektrisch angetriebenen Roller, Skatebords und Fahrräder. Und ja, es ist stressig und vielleicht auch gefährlich, wenn E-Roller um die Fußgänger Slalom fahren. Aber sieht das auf dem Radweg soviel besser aus?

Wenn es in den deutschen Städten überhaupt durchgehend, brauchbare Radwege gibt, dann sind diese schon jetzt oft zu eng und auch schlecht geführt, vorbei an parkenden Autos, deren Beifahrer die Tür oft unbedacht in den Radweg öffnen. Radfahrer, die von rechtsabbiegenden Auto und LKW-Fahrern mehr oder weniger absichtlich übersehen werden, all dass macht Radfahren in der Stadt zu einem gefährlichen Unterfangen.

Ja es gibt auch viele Radfahrer, die über rote Ampeln fahren und entgegen der Einbahnstraße, geben nun die Zuhörer am Autoradio zu bedenken und sie haben Recht: Das ist nicht richtig und auch nicht vorbildlich. Aber in der Regel gefährden sie damit nur ihr eigenes Leben. Der Autofahrer, der rechtsabbiegend dreist die Vorfahrt des Radfahrers ignoriert, nimmt am Ende den Tod des anderen in Kauf. Diese leider gewohnten Gefahren des städtischen Radfahrens werden nun noch verschärft, wenn neben den illegalen Aktionen der Autofahrer noch die legalen der E-Scooter, -Skater und anderer motorisierter Verkehrsteilnehmer kommen.

Autoverkehr aus den Innenstädten verbannen

Eigentlich soll es ja darum gehen, die Atmosphäre in den Innenstädten zu verbessern, also weniger Feinstaub und Stickoxide, weniger Lärm und Stress. Radfahren ist bisher eine bewährte Alternative zum motorisierten Individualverkehr: stinkt nicht, lärmt nicht und braucht nicht viel Platz. Wenn nun den Radfahrern der Raum genommen wird, weil sie zwischen Skatern, Scootern und auch noch Rollschuhfahrern zukünftig Slalom fahren müssen, dann steigen die Radfahrer noch um und werden wieder zu Kurzstreckenfahrern im Auto. Das wird die Bilanz nicht verbessern.

Am Ende muss der Raum neu verteilt werden. Doch wie soll das gehen, wenn die Autos immer mehr Platz brauchen, weil immer mehr SUVs zugelassen werden. Wer es mit der Verkehrswende ernst meint, der muss den Autoverkehr aus den Innenstädten verbannen. Das geht, da bricht keine Welt zusammen und auch keine Einkaufszone. Das Gegenteil ist der Fall wie unsere Nachbarn in den Niederlanden seit Jahrzehnten beweisen. Und dann ist auch genug Platz für Fußgänger, Radler und Rollerfahrer!

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