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StartseiteKommentare und Themen der WocheHer mit dem digitalen Impfpass!25.02.2021

Debatte um PrivilegienHer mit dem digitalen Impfpass!

Die Diskussion um die Einführung eines digitalen Impfpasses habe nichts mit Privilegien für Geimpfte zu tun, kommentiert Frank Capellan. Es gehe um die Rückgabe von Grundrechten. Der Impfpass diene zudem nicht nur den Geimpften, sondern der Allgemeinheit.

Ein Kommentar von Frank Capellan

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Symbolfoto Digitaler Impfass (picture alliance/ Flashpic/ Jens Krick)
Her mit dem digitalen Impfpass – europaweit! Fordert unser Kommentator Frank Capellan (picture alliance/ Flashpic/ Jens Krick)

Her mit dem Impfpass, nicht 2022, sondern sofort! Sebastian Kurz ist vorgeprescht – er will den digitalen Nachweis nach israelischem Vorbild. Auch Österreich lebt vom Tourismus, natürlich muss der Kanzler ein Interesse daran haben, so schnell wie möglich wieder Gäste ins Land zu holen. Andere EU-Staaten halten die Diskussion allen Ernstes für verfrüht. Wie bitte? Seit Monaten wird über das Thema debattiert, zu Recht wurde darauf verwiesen, dass es nicht um Privilegien geht, sondern um die Rückgabe von Grundrechten. Allein die Unklarheit darüber, ob ein Geimpfter nicht doch ansteckend sein könnte, sprach gegen den Pass.

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Privatwirtschaftliche Beschränkungen müssen fallengelassen werden

Jetzt, da mehrere Studien belegen, dass diese Sorge unbegründet ist, wird es höchste Zeit, Corona-Beschränkungen im privatwirtschaftlichen Bereich – nun nur dort! - fallen zu lassen – für all die Glücklichen, die die Spritze endlich bekommen konnten.

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Virologe Friedemann Weber ist optimistisch, dass die Corona-Impfungen nicht nur gegen die Erkrankung schützen, sondern auch die Weitergabe der Viren einschränken. Erste Tests mit dem Impfstoff AstraZeneca legten das nahe.

Ältere Menschen hatten und haben besonders unter der Pandemie zu leiden, die Angst vor einer Infektion mit tödlichen Folgen war bei ihnen außerordentlich groß. Gönnen wir es ihnen doch, wenn sie nun etwas eher als andere Urlaubspläne machen oder mal wieder ins Restaurant gehen können. Statt auf die Bremse zu treten, sollte Angela Merkel lieber dafür sorgen, dass endlich vernünftig geimpft wird. Die unterschiedlichen Terminvergabe-Systeme der Länder sind eine Zumutung, die Tatsache, dass deshalb Biontech und Moderna Impfstoffe liegenbleiben, dass 1,2 Millionen Astrazeneca-Dosen in irgendwelchen Kühlschränken vor sich hinlagern, ist ein Skandal. Sogenannte Privilegien für Geimpfte würden den Druck auf alle Verantwortlichen erhöhen, endlich zu impfen was die Fläschchen hergeben.

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Der Impfstoff von AstraZeneca steht in der Kritik. Menschen lassen sich nicht impfen, obwohl sie an der Reihe wären. Sie fürchten, dass der Impfstoff sie nicht ausreichend schützt. Warum das ein Irrtum ist - ein Überblick.

Wer die Astrazeneca-Spritze verweigert und oftmals im gleichen Atemzug nach dem Lockdown-Ende ruft, handelt im wahrsten Sinne des Wortes asozial. Immer neue Mutationen zeigen, wie wichtig es ist, so schnell wie möglich zu impfen und eine Herdenimmunität zu erzielen. Wenn Impfverweigerer nun das Tempo reduzieren, schaden sie der Gesellschaft insgesamt. "Ich habe mich nur impfen lassen, damit ich wieder ins Fitnessstudio kann", hat ein Israeli nach dem Termin erklärt. Darüber mag man schmunzeln, aber wenn es nicht anders geht: Warum nicht?!

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Frank Capellan, Hauptstadtstudio (Deutschlandradio / Bettina Straub  )Frank Capellan, Hauptstadtstudio (Deutschlandradio / Bettina Straub )Frank Capellan, geboren 1965 im Rheinland, studierte Publizistik, Neuere Geschichte und Politikwissenschaften, Promotion an der Universität Münster. Nach einer Ausbildung bei der Westdeutschen Zeitung folgte ein Volontariat beim Deutschlandfunk, dem er bis heute treu geblieben ist. Zunächst Moderator der Zeitfunk-Sendungen, unter anderem der Informationen am Morgen; seit vielen Jahren als Korrespondent im Hauptstadtstudio tätig, dort u. a. zuständig für die SPD und Familienpolitik.

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